In der letzten Nacht habe ich nicht so viel geschlafen, weil ich mitten in der Nacht aufwachte und dann an das letzte Mal denken mußte, als wir uns mit meiner gerade verstorbenen Bekannten persönlich in ihrem neu erbauten Haus getroffen hatten. Damals saßen wir so nebeneinander und sie erzählte mir dauernd von ihrem Nachbarn: er hat dies und jenes, macht das und das, wohnt dort und dort, ist so und erzählt das. Ich fand das eher uninteressant, aber immer, wenn ich darauf nicht reagierte, fiel ihr wieder etwas neues ein, über ihn zu erzählen, und ich dachte bei mir: "Ooch, was hat sie denn nur mit ihrem Nachbarn?" Bis mir ein Licht aufging und ich sie direkt fragte: "Sag mal, willst du mich verkuppeln?" Darauf grinste sie spitzbübisch und meinte, nö, sie verkuppelt nicht mehr - beim letzten Mal sei es schiefgegangen. Natürlich klar gelogen.
Das ist jetzt übrigens der erste Tote, bzw. die erste Tote, unter meinen WhatsApp-Kontakten und das ist irgendwie ein merkwürdiges Gefühl. Ich sehe ihr Profil mit dem letzten Chat und verspüre immer den Impuls, ein Trauer-Gif an sie zu senden, aber ich traue mich nicht.
Gestern war ich dann auch nicht besonders motiviert, irgendetwas zu tun. Der Schock macht sich ziemlich bemerkbar. Ich habe mich deshalb mit Osterdeko beschäftigt und Frühlingszweige ausgemalt. Ausmalen ist ja generell immer eine gute Therapie, wenn man zu aufgewühlt ist. Später wollte ich den Roman weiterlesen, den ich angefangen hatte, und ausgerechnet jetzt kam darin weit ausholend ein Trauerfall vor - fantastisches Timing. Kann man sich nicht ausdenken. >>Eigentlich ist es ein alter Roman, den ich bereits als Jugendliche einmal gelesen hatte (bezahlter Link), vielleicht sogar zweimal, und ich wollte einfach nur wissen, ob ich ihn noch weiter behalten soll oder das Buch entsorgen kann. Da es mir und meiner damaligen Schulfreundin gut gefallen hatte, geht das nicht, ohne es vorher erneut zu lesen. Es ist so im Stil von "Vom Winde verweht" geschrieben, die tragische Liebesgeschichte eines Mannes zwischen zwei Frauen. Keine Ahnung, was man als Jugendliche daran so toll findet. Ich glaube, als Pubertier braucht man wohl viel Drama. Wenn man erstmal in mein Alter kommt, denkt man sich stattdessen: "Kein Bedarf, Drama braucht man ungefähr so nötig wie Nagelpilz." So ändern sich die Prioritäten. Aber es ist ja auch in Ordnung.

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