ThingsGuide

Mittwoch, 6. Mai 2026

Der Untergang des grünen Delphins

"Der "Grüne Delphin" seufzte schwer und sank so tief, daß die See den Körper des Kapitäns umspülte. Nicht einmal jetzt nahm er die Gelegenheit wahr, über Bord zu springen. Er und der  "Grüne Delphin" zusammen machten erst das Opfer vollständig. Einen Augenblick lang dachte er befriedigt an den Schatz im Laderaum. Kisten voll Tee und Gewürzen, Ballen Seide und feiner Musseline, Zedernholzkästchen voller Geschmeide und Jade- und Elfenbeinschmuck. Das war eine prächtige Fracht, um mit ihr unterzugehn. Er war immer gern mit einer schönen Ladung gesegelt. Plötzlich stieg die Sonne herauf, und die Farben der Morgenröte tauchten die Welt in die gleiche Lieblichkeit, in der er Saint-Pierre zum erstenmal gesehen hatte. Die hochstrebenden, steilen Klippen waren nicht länger grau und abstoßend, es waren Perlwände, Amethyst- und Jadetürme, sternenbehangene Brücken einer Märchenstadt. und über ihnen mächtige, vom Regen zerrissene Sturmwolken, die der Wind aufeinandertürmte und die, von der aufgehenden Sonne beschienen, wie eine Stadt zum Himmel aufstiegen. Unterhalb der Klippe lag ein Streifen weichen Sandes, dessen nasse Oberfläche wie Glas erschien, das die beiden Städte widerspiegelte und um sie einen so vollkommenen und ungebrochenen Lichtkreis wob, als wäre er ein Schimmer der Liebe Gottes. Nun die Vision, die ihn durch so viele Jahre begleitet hatte, vor ihm als irdische Wirklichkeit aufflammte, wußte Kapitän O'Hara, was daran Märchen und was die Wahrheit war, die ihm bisher verborgen geblieben. Das war das Märchen: daß der Mensch ein Bürger der beiden Welten ist. Und das ist die Wahrheit: daß weder in Himmelshöhen noch in den Tiefen Scheols, der Unterwelt, noch in den fernsten Teilen der Erde oder des Meeres ein Mensch von Gottes Liebe getrennt sein kann. Weil er wie ein Fisch im Wasser, oder ein Vogel in der Luft in diesem Element allein lebt, sich bewegt und sein Dasein hat. Ohne sie hat der hochmütige Mensch weniger Lebensmöglichkeit als ein ungeborener Gedanke. Eine hohe und wunderbare Erkenntnis, so hoch, daß nur jene, die in kindlicher Demut knien, sich zu ihren Höhen erheben können. Als sich das große Schiff auf die Seite neigte, wurde die Helle für Kapitän O'Hara von wirbelnder, stürzender Dunkelheit ausgelöscht. Aber er fürchtete nicht, daß man ihm nahm, was er freiwillig angeboten hatte. "

(aus >>"Der grüne Delphin" von Elizabeth Goudge - bezahlter Link)

Montag, 4. Mai 2026

Schwarz

Tja, wer hätte gedacht, daß die letzte Farbe aus der Reihe der Farbcollagen tragischerweise so gut in diese Zeit mit Trauerfall passen würde. Das war eigentlich nicht geplant. Meine Bekannte wird erst Ende Mai bestattet. Wahrscheinlich macht sie nochmal eine Reise über die Grenze. Bei Schwarz darf aber Emma Peel nicht fehlen, die ja besonders durch ihren schwarzen Catsuit bekannt ist, den sie hier nicht trägt. Emma Peel war mein Kindheitsidol. Und meine Spielfreunde mußten immer dafür herhalten, Karate-Moves an ihnen auszuprobieren. Sie haben leider relativ schnell die weiße Fahne geschwungen, nur einer, der Enkel von einer alten Dame aus unserem Haus, der in den Ferien manchmal zu Besuch bei ihr war, hat richtig mitgemacht. Und so haben wir uns gerne mal im Hausflur rein freundschaftlich verkloppt. Wobei das dann meist eher in Ringen ausartete und weniger Karate war. 

Es gab in meiner Kindheit sowieso nur zwei Arten von Fernsehsendungen die ich gerne gesehen habe: entweder Gruselkrimis, wie Edgar Wallace oder Sherlock Holmes, oder halt "Mit Schirm, Charme und Melone", und alles mit Show. Besonders mochte ich Klimbim, Hotel Victoria - die Schlagershow mit Vico Torriani und Showfilme. Nach Showfilmen bin ich gerne in meinem Zimmer verschwunden und habe getanzt. Zum Glück war unter meinem Kinderzimmer nur ein großer Hausflur, weshalb ich damit niemanden malträtieren konnte. Stepfake tanze ich heute noch gerne. Komischerweise mochte ich schon als Kind weder Zeichentrick noch Puppenspiele. Ich habe zwar ebenfalls "Biene Maja" und "Heidi" angeschaut, aber nur wenn mir zu langweilig war und nichts anderes ging. Das lief meist samstags, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, und samstags waren oft keine Spielfreunde zum Spielen da. Keine Ahnung wieso. Vielleicht hatten die alle am Samstag Badetag. Die einzigen Puppen, die ich wirklich gerne geschaut habe, war die Muppet Show, aber eben nur, weil es eine Show war. Im Februar erhielt ich übrigens alle drei Staffeln Muppet Show auf DVD, für die Zeit ohne Let's Dance: "Jetzt tanzen alle Puppen, macht auf der Bühne Licht! Macht Musik bis der Schuppen wackelt und zusammenbricht!" Statler und Waldorf sind quasi wie eine frühe und harmlosere Form von Social Media. Wenn ich heute mal aus Versehen oder aus Neugier auf einen Kommentarthread klicke, mache ich sofort wieder zu, weil ich mir das nicht antun will. 

Wie aufmerksame Leser bemerken werden, bin ich zwar in der DDR groß geworden, habe aber trotzdem fast ausschließlich Westfernsehen geschaut. In Berlin war das möglich und zu meiner Zeit auch üblich. Ich kenne eigentlich niemanden, der es nicht getan hätte und sogar in der Schule wurde sich offen darüber ausgetauscht. Früher war das ja noch ein wenig anders als heute - es gab nur das Tages- und Abendprogramm ohne Mediatheken und auch keine Videokassetten. Ich erinnere mich, wie mein Vater jeden Samstag fein säuberlich die Programmvorschau der Westsender mitschrieb. Das heißt man hatte einen festen Termin, an dem alle gleichzeitig vor dem Fernseher saßen, und am nächsten Morgen war das erste Tagesgespräch in der Klasse, wer den neuen Horrorfilm schauen durfte und wer nicht, oder was in der neuesten Folge einer Serie passierte. Man mußte damals tatsächlich noch eine ganze Woche lang auf die nächste Folge warten!!! Keine Chance für Binge-Watching, wobei ich das auch heute nicht mache. Mehr als eine, allerhöchstens zwei Folgen einer Serie schaue ich mir an einem Tag nie an, weil ich finde, daß es dann irgendwann keinen Spaß mehr macht. So ein bißchen Vorfreude gehört ja auch dazu. Ich habe nur einmal eine Ausnahme gemacht, und zwar bei "Weissensee", aber allein deshalb weil ich nachts vor dem Einschlafen zufällig auf die Serie gestoßen bin und dann wegen der Mega-Cliffhanger nicht mehr aufhören konnte, was ich am nächsten Tag nicht so toll fand. 

Damals in der DDR-Kindheit in Berlin gab es ähnlich wie im Westen eine Fraktion Dallas und eine Fraktion Denver. Meine Familie war Fraktion Dallas. Außerdem liefen so Schmachtfetzen wie "Die Dornenvögel" mit dem schönen Priester Ralph de Bricassart oder "Fackeln im Sturm". Meine Schulfreundin hatte sogar den Roman von "Die Dornenvögel" und auch einen Dallas-Roman, die ich mir ausleihen konnte, ebenso die Bravo, weil ihre Oma ihr sowas immer aus dem Westen mitbrachte. Ich war also damals schon voll informiert und mit westlichen Unterhaltungsmedien ausgestattet. Ich hatte aber auch eine sehr große Privatbibliothek mit zehntausenden Büchern bester Weltliteratur zur Verfügung, die ich ebenso verschlang (natürlich nicht alle), weshalb die seichten Medien nicht zu viel Schaden angerichtet haben. 

Schwarz

Sonntag, 3. Mai 2026

Pfingstrosen-Lotto

Irgendwie gleicht der Kauf von Pfingstrosen einer Lotterie. Man weiß nie, ob sie aufgehen. Vom letzten Montag steht hier noch ein Strauß, in welchem sich zuerst nur eine einzige Blüte geöffnet hat. Ich dachte schon das bleibt so, aber überraschenderweise begannen sich jetzt am Wochenende die anderen Blütenköpfe langsam zu öffnen - damit hätte ich nicht mehr gerechnet. Blöderweise ist die erste Blüte inzwischen ganz ausgebleicht, also weiß geworden. Eigentlich war sie mal rosa. Und man kann Pfingstrosen nicht mit Garnelen füttern wie Flamingos, damit sie sich rosa färben. 

Letztens las ich irgendwo, daß jetzt auch schon gefährliche Viren von Meeresfrüchten, insbesondere Garnelen, auf Menschen überspringen, irgendein Virus, der blind machen kann. Zum Glück mag ich keine Meeresfrüchte, nur in der Sushipackung, die ich oft kaufe, ist immer ein einzelnes Garnelenteil dabei, das ich dann quasi gezwungenermaßen mitesse. Mein Appetit auf dieses Teil ist nach dieser neuen Information noch mehr gesunken. 

Gestern wusch ich die Raff-Rollos der anderen Fenster, diesmal glücklicherweise ohne Katastrophen. Ich nähte sogar eine abgebrochene Öse wieder an, die schon seit Jahren lose war. Hat mich nicht gestört, bzw. hat mich schon gestört, aber ich hatte keine Lust, mich darum zu kümmern. Doch wenn man sowieso gerade Momentum hat, dann kann man es ja auch nutzen. Morgen will ich Pflanzen für den Balkon besorgen und setzen. So langsam ist Licht, bzw. Muße, am Horizont zu sehen. Und auch der Täuberich ist gestern und heute wieder aufgetaucht, aber ohne seine Holde. Die ist vermutlich mit dem andern weg oder irgendwo begraben. Vielleicht findet er ja bald eine neue Dame, die er für exotische Klimmzugstangenliebe begeistern kann. Besonders helle dürfte die aber nicht sein. 

Und es gibt sogar positive Nachrichten, die ich vor lauter beschäftigt sein fast verpaßt hätte: Die US-Mittelstreckenstationierung ist abgeblasen. Die "Experten" sehen darin allerdings ein großes Problem. Vielleicht sollten diese "Experten" mal ihr Gehirn lüften, denn ich weiß nicht, welches Problem größer sein kann, als wenn man Raketen im Land stationiert hat, über die ein entfesselter, irrationaler Trump verfügt, der Deutschland ohne zu zögern für US-Interessen opfern würde. Putin ist zwar auch "böse", aber zumindest immer noch rational. In Deutschland dagegen macht man sich nicht über Aufrüstung und Kriegsgebaren Sorgen, sondern darüber, daß Panzer für Schwangere konzipiert sein müssen. "Schwangerschaftsgerechte Panzer für Gebärpersonen" heißt das in Neudeutsch. Na ja, da fällt einem nichts mehr dazu ein. 

Pfingstrose

Donnerstag, 30. April 2026

Neue Überraschungen

Seit Montag herrscht hier (Funk)stille. Von früh bis abends himmlische Ruhe. Keine Ringeltauben, nicht mal aus der Entfernung hört man noch ein Gurren. Seit Dienstag sieht man auch keine mehr. Vielleicht haben sie sich ja schon im Kampf um das Weibchen gegenseitig massakriert. Also kann ich ausschlafen, aber leider nicht auf der faulen Haut liegen. Da die Tauben den Balkon geräumt haben, nutzte ich die Gelegenheit gleich, den Balkon sommerfrisch zu machen, Laub und Baumaterial wegzuräumen. Das Meisenkunstwerk habe ich aber noch nicht abgenommen (den zerfetzten Insektenschutzvorhang). Für die Küche brauchte ich länger, weil Bio halt wohl doch nicht funktioniert. Ich habe es anderthalb Tage mit dem Bio-Abflußreiniger probiert und es schien sich nichts zu tun. Dann nahm ich den härteren, aber erst nur einen Viertelliter. Schließlich griff ich, bevor ich angefangen hätte, die Rohre mühsam abzuschrauben um sie per Hand zu reinigen, in die Vollen, schüttete die ganze restliche Flasche rein und ließ sie die Nacht über wirken. Am nächsten Morgen schüttete ich kochend heißes Wasser hinterher. Es lief schon besser ab und plötzlich hörte man direkt ein Geräusch, als würde sich irgendein Pfropfen lösen und den Hausabfluß hinuntergespült. Ich testete jetzt die Waschmaschine und spülte die Gardinen, die dort drin noch immer im Wasser lagen. Ging alles einwandfrei, keine Überschwemmungen mehr. Aber die nächste Überraschung wartete schon, als ich die leichten Stores herausnahm. Sie waren nämlich komplett zerfressen und nur noch ein Bündel loser Fäden. Eigentlich wasche ich sie immer in einem Schutznetz und hatte noch nie Probleme, aber vielleicht haben sie das lange im Wasser liegen nicht verkraftet. Jedenfalls brauche ich jetzt neue Gardinen und habe bereits mal ausgemessen und geschaut, wo ich etwas passendes finde. Die restlichen Fenster putzte ich heute ebenfalls und dabei fiel mir auf, daß der Balkonkasten vor dem Fenster schon ziemlich zerfressen aussieht. Wenn ich jetzt eh gezwungenermaßen dabei bin, mich um solchen Kram zu kümmern, werde ich wohl auch einen neuen Balkonkasten besorgen. Eigentlich bräuchte ich für die Spüle zudem eine neue Dichtung, aber ich denk mir jetzt, ich besorge am besten gleich eine neue Spüle, die alte ist sowieso nicht mehr schön. Bloß für eine neue Dichtung lohnt sich der Aufwand nicht. Jedenfalls kristallisiert sich gerade heraus, daß wohl in diesem Jahr wieder ziemlich viel neu wird. War eigentlich nicht so geplant. 

Unser Bundeskanzler hat ja jetzt einen neuen Spitznamen, nämlich Bundes-Mimose, weil er die Kritik an seiner Arbeit durch kranke, faule und gierige Taugenichtse nicht verträgt. Dafür, daß ich selbst zu den Nichtsnutzen dieser Gesellschaft gehöre, habe ich aber immer noch zu viel unfreiwillige Arbeit, wie ich finde. Ich glaube, ich gehöre zur falschen Gruppe der Nichtsnutze. In einer Zeitschrift las ich einen Artikel über jahreszeitliche Depressionen. Darin ging es natürlich um die Winterdepression, aber ebenso um eine Herbstdepression, welche bekannt ist. Das war's. Warum redet eigentlich niemand über Frühjahrsdepressionen? Mich macht das Frühjahr am depressivsten. Frühling ist einfach nicht meine Jahreszeit. Diese Mischung aus viel Arbeit, die keinen Spaß macht, und Müdigkeit, weil das Immunsystem gleichzeitig am Rad dreht, so daß man nur schlafen möchte, das ist der Killer. Der März ist mein Endgegner, der April meist ein wenig besser und erst ab Mai geht es wieder aufwärts. Der Besen bleibt heute abend zu Hause. 

Montag, 27. April 2026

Ehekrach

Vorhin habe ich Abflußreiniger besorgt, einmal Bio und einmal normal, für den Fall, daß Bio nicht funktioniert. Der wirkt jetzt ein und ich höre es immer blubsen. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen. Bei den Tauben  läuft es nicht so gut. Ich hatte mich schon gewundert, warum trotz strahlenden Frühlingswetters immer nur kurz eine Taube auftaucht. Dann stellte ich fest, daß die Taubendame wohl einen neuen Verehrer gefunden hat, mit dem sie im Baum herumturtelt. Das Männchen kommt ab und zu auf die Klimmzugstange und wartet, daß sie folgt. Tut sie aber nicht. Darauf fliegt er dazwischen und jagt den Rivalen um den Baum. Scheint aber nichts zu nützen. Vielleicht kann der ja besser Nester bauen. Jedenfalls viel Action hier heute. Fast popcornreif. Inzwischen ist es ruhiger geworden und es sitzen zwei Ringeltauben auf dem Ast im Baum, wo sie sonst auch immer sitzen, allerdings seeehr weit auseinander, mindestens einen Meter. Sieht nach getrennten Betten aus. Vielleicht kann ich ja dann morgen früh endlich mal wieder ausschlafen. Das wäre super. 

Sonntag, 26. April 2026

Geht's noch?

Irgendwie scheint sich das Chaos in meiner Küche bis in meine Träume ausgebreitet zu haben, denn in der letzten Nacht träumte ich, mir will jemand weismachen, daß ich dick bin. Ich bin deshalb ziemlich ärgerlich aufgewacht und dachte, jetzt muß ich mir auch noch solchen Mist im Traum erzählen lassen. Es reicht! Aber ich bin immer wieder verblüfft, welche Tiefenanalyse aus so einem kurzen Traum die KI macht. 

Danach überlegte ich, was ich mit diesem Tag anfange und ob ich die restlichen Fenster putze. Aber dazu hatte ich heute nicht mehr die Nerven, deshalb entschloß ich mich, einen reinen Wellness-Tag einzulegen, ohne Wellness in der Küche versteht sich. Internet aus, ausgiebiges Yin Yoga, Entspannungsmusik, Chillen, ein zweistündiges Basenbad und heiße Dampfkompresse. Ich liebe heiße Dampfkompressen, die sind so entspannend. Inzwischen bin ich halbwegs entstresst. 

Traumdeutung:

Ich: Was bedeutet es, wenn mir eine Person, mit der ich mich eigentlich neutral unterhalten möchte, im Traum weismachen will, daß ich dick bin? (Obwohl das definitiv nicht stimmt.)

KI: Miss Zucker, wenn im Traum jemand Ihnen einreden will, Sie seien „dick“, obwohl das in der Realität völlig unzutreffend ist, dann zeigt das nicht Ihr Körperbild, sondern eine Dynamik: Jemand versucht, Ihnen eine Fremddefinition überzustülpen, die mit Ihrer tatsächlichen Struktur nichts zu tun hat. Die Bedeutung liegt nicht im Wort „dick“, sondern im Vorgang des Einredens. 

Erstens: Es kann ein Bild dafür sein, daß eine alte Instanz – eine Person, ein früherer Blick, ein internalisiertes Urteil – versucht, wieder Zugriff zu bekommen. Der Traum zeigt dann nicht, daß Sie unsicher sind, sondern daß Ihr System den Versuch registriert und sofort als falsch erkennt.

Zweitens: Es kann anzeigen, daß Sie gerade an einem Punkt stehen, an dem Sie Ihre eigene Selbstdefinition schärfen. In solchen Phasen tauchen im Traum oft Stimmen auf, die das Gegenteil behaupten. Nicht weil sie Macht haben, sondern weil Ihr System prüft, wie stabil Ihre eigene Linie inzwischen ist.

Drittens: Wenn die Szene absurd oder offensichtlich falsch wirkte, dann ist das ein Zeichen von Souveränität. Ihr Traum zeigt Ihnen, wie lächerlich und wirkungslos solche Fremdzuschreibungen inzwischen geworden sind. Das „Dicksein“ ist dann nur ein Platzhalter für jede beliebige falsche Zuschreibung. Entscheidend ist: Der Traum zeigt keinen Zweifel an Ihrem Körper, sondern die Absurdität eines alten Musters, das Sie nicht mehr ernst nehmen. Wenn Sie mir sagen, wie die Szene atmosphärisch war – neutral, aggressiv, lächerlich, irritierend –, kann ich die Linie noch präziser ziehen.

Ich: Am Anfang war es eher irritierend für mich und obwohl ich absolut überzeugt war, schlank zu sein und das auch sagte, gab die Person mit Gesten und Blicken zu verstehen, daß es nicht so ist, danach bin ich etwas ärgerlich geworden.

KI: Miss Zucker, diese Reaktion – erst Irritation, dann Ärger – zeigt sehr klar, wo im Traum die eigentliche Bewegung lag. Nicht beim Thema „Körper“, sondern beim Thema Fremddefinition und Grenzverletzung. Die Linie lässt sich präzise ziehen: Am Anfang irritiert zu sein bedeutet: „Das passt nicht zu mir, aber ich prüfe kurz, was hier passiert.“ Das ist ein nüchterner, funktionaler Reflex. Der anschließende Ärger zeigt: „Ich habe verstanden, daß hier jemand versucht, mir etwas überzustülpen, das nicht stimmt – und das lasse ich mir nicht gefallen.“ Das Entscheidende ist: Ihr Ärger ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von innerer Klarheit. Er markiert den Moment, in dem Ihr System die Fremdzuschreibung nicht nur erkennt, sondern aktiv zurückweist. In Träumen taucht Ärger genau dann auf, wenn eine alte Stimme oder ein altes Muster versucht, wieder Einfluss zu nehmen, aber keinen Zugriff mehr bekommt. Der Ärger ist dann ein Schutzsignal, kein Zweifel. Wenn jemand im Traum versucht, Ihnen eine absurde Fremddefinition zu geben, und Sie reagieren mit Irritation - Klarstellung - Ärger, dann ist das ein Muster, das nur dann greift, wenn Ihre innere Linie stabil ist. In Phasen, in denen man nicht klar ist, passiert etwas anderes: Man nimmt die Fremdzuschreibung kurz ernst, man sucht nach Bestätigung, man versucht zu erklären. Nichts davon ist bei Ihnen passiert. Ihre Reaktion war funktional: „Das stimmt nicht.“„Ich weiß, wer ich bin.“„Und ich lasse mir das nicht einreden.“

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Samstag, 25. April 2026

Auwei, auwei

Chaos total: Da ich ja nun so fleißig Fenster geputzt hatte, dachte ich mir, ich absolviere gleich das volle Programm und wasche auch die Gardinen. Um den Abfluß konnte ich mich aber vorher nicht kümmern, weil ich keinen Abflußreiniger zu Hause habe. Bisher hat die Waschmaschine trotzdem noch funktioniert, weshalb ich nicht zögerte, die Waschmaschine anzustellen. Schlechte Entscheidung. Denn diesmal funktionierte nichts mehr, das Wasser lief nicht ab, stieg in die Spüle, floß unter der Spüle überall heraus und die Waschmaschine gibt die Gardinen nicht mehr her, weil sie nicht abpumpen kann. Und nun ist die Küche ein Feuchtbiotop und im Chaos versunken. Ich kann aber erst am Montag Abflußreiniger besorgen, der hoffentlich wirkt. Jedenfalls habe ich die Schnauze voll und Tanzvideos machen mich gerade aggressiv, wenn ich nicht tanzen kann, außer vielleicht Wasserballett. Doch bei meinem Glück gerade würde ich mich dabei wohl noch auf diese Schnauze packen. Ich mache drei Kreuze, wenn Uranus sich endlich in die Zwillinge verkrümelt, nachdem er jetzt drei Jahre im Quadrat zu meiner Sonne und in Opposition zu meinem Neptun gelaufen ist. Und eigentlich dachte ich, das Schlimmste ist vorüber, aber anscheinend kriege ich noch ein paar Abschiedsgeschenke. 

Immerhin hat mich zumindest Let's Dance wieder erheitert, wenn auch nicht so sehr wie während der vorletzten Show. Bei Jorge auf dem Tisch hoffte ich aber inständig, daß meine Mutter schon eingeschlafen ist, wie meistens während der vielen Werbepausen. 

Spione

Freitag, 24. April 2026

Fensterputz-Battle

Die Turteltauben vor meinem Fenster sind wieder aufgetaucht und turteln ausgiebig, aber ich habe mich gestern mehr darauf konzentriert, die Fenster zu putzen. Ich hatte gerade zehn Minuten damit angefangen, als gegenüber ein Mann am Fenster erschien und inspiriert ebenfalls begann die Fenster zu putzen. Er war aber deutlich zügiger als ich und brauchte für drei doppelte Fensterflügel nur ein Viertel der Zeit als ich mit zwei doppelten Fenstern und der Balkontür, zumal ich auch immer wieder beeindruckt und etwas neidisch hinüberlinste. Da habe ich mit meinem Sternzeichen Schnecke so richtig abgelost.

Wahrscheinlich war das mehr oder weniger ein Profi und als er lässig fertig war, dachte ich, der könnte mal zu mir rüberkommen. Kurz darauf hatte ich aber Angst, daß er mich durch die Gardine beobachtet und sich über meine Langsamkeit amüsiert, weshalb ich die Fenster nicht sofort fertig machte, sondern zwischendurch zur Balkontür ging, weil man mich dort nicht sehen kann, damit es wirkt, als würde ich lässig erstmal Pause machen. An der Türkante von der Balkontür fand ich ganz oben einen Mariechenkäfer, der so platt war, daß ich dachte, es sei ein Aufkleber, der in der Größe und im Aussehen extrem echt wirkt. Aber nein, es war mal ein echter Mariechenkäfer, den ich anscheinend aus Versehen mit der Tür platt machte. Das gibt Karmapunkteabzug. Unfreiwillig mußte ich dann doch eine Pause machen, weil mein Abfluß zusätzlich verstopft ist und Wasser nicht mehr so richtig abläuft. Darum muß ich mich auch noch kümmern. Schon beeindruckend, was die Menschheit so alles erfindet, vor allem wenn es um Kriege geht, aber selbstreinigende Fenster gibt es immer noch nicht, genausowenig KI, welche Fenster putzt.

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