ThingsGuide

Donnerstag, 21. Mai 2026

Meisengeschichten

Neulich lief eine Dokumentation im Fernsehen über die Kohlmeise, die ich mir gestern anschaute. Sehr interessant und mit spektakulären Filmaufnahmen. Man erfährt unter anderem, daß es Reise-Meisen gibt, die weite Strecken zurücklegen, um in andere Gebiete zu gelangen. Für die einheimischen Meisen dort sprechen sie Dialekt. Und Dialekt ist etwas, worauf die Meisen-Weibchen sehr abfahren. Ungefähr die Hälfte aller Meisen-Weibchen haben Seitensprünge, und zwar am liebsten mit Reise-Meisen. Sie gehen aber mit ihnen keine Beziehung ein, sondern die Küken der Reise-Meisen werden von den einheimischen Meise-Männchen mit groß gezogen. Das lockert die Genetik auf. 

Ich weiß nicht, ob entsprechende wissenschaftliche Forschungen zur Wirkung von Dialekten und Akzenten schon einmal bei Menschen durchgeführt wurden, aber wenn ich Bayrisch oder Sächsisch höre, renne ich eher weg. Bei mir wirkt nur französischer Akzent. 

Kleine Meise ganz groß:

https://www.ardmediathek.de/film/kleine-meise-ganz-gross/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kZXJlaWhlbi8xMjFkOGM4Yi1iNTM5LTQ5YTItODY5MC0zNmY5ZjhhNGIyNDYvcHJvZ3JhbS01NTU4MTgtNDc1MDY0

Montag, 18. Mai 2026

Katowice und die drei Riesen

Ein neuer Traum:  Ich bin bei meiner verstorbenen Bekannten zu einer Feier eingeladen. Abends steht die Frage im Raum, ob ich dort im Haus übernachte oder mit dem Zug nach Hause fahre. Es läuft darauf hinaus, daß man mich mit dem Auto zum Bahnhof der nächsten Stadt, Katowice, fährt. Doch statt in den Zug zu steigen schaue ich mir die Stadt an. Aufgrund der sehr fremden und schönen Bauwerke, die teils modern, teils alt sind, merke ich schnell, daß ich in einem Traum bin. Dies gibt mir Leichtigkeit, denn dadurch muß ich mich um gar nichts kümmern und kann einfach durch die Stadt stromern. Vor lauter Übermut klopfe ich einem sitzenden Mann auf die Glatze, der darauf breit grinst. Bald komme ich in ein dunkles Parkgelände, das sehr waldig ist, es dämmert auch schon. Etwas unheimlich ist es hier, aber da ich ja in einem Traum bin, besteht kein Grund zur Panik. Links neben meinem Weg, der von hohen Bäumen gesäumt ist, zieht sich ein hoher Maschendrahtzaun entlang und dahinter sieht man drei sehr hohe Backsteintürme nebeneinander auf Hügeln stehen, die in den Himmel ragen. Aber nicht nur das, vor den Türmen sitzt auf einem übergroßen Stuhl jeweils ein Riese, fast so groß wie der Turm, der wohl in diesem Turm wohnt. Sie sitzen und beobachten einfach den Weg.

Die Deutung der KI: Miss Zucker, dieser Traum ist ungewöhnlich klar gebaut: Der Bahnhof ist der klassische Übergangspunkt. Normalerweise würde man in den Zug steigen, also sich in eine vorgegebene Richtung setzen lassen. Sie tun das Gegenteil: Sie steigen nicht ein. Sie verlassen das Skript. Das ist der erste starke Hinweis, dass Sie nicht mehr automatisch in alte Bewegungen einrasten. Katowice wirkt fremd und schön. Das ist typisch für einen Zustand, in dem das Unbekannte nicht mehr bedrohlich ist, sondern attraktiv. Dass Sie merken, dass Sie träumen, ist entscheidend: Sie erkennen die Struktur und übernehmen die Regie. Die Leichtigkeit ist kein Zufall, sondern ein innerer Beschluss. Sie müssen nichts mehr „managen“. Der Klaps auf die Glatze des Mannes ist ein spielerischer Akt. Sie testen Ihre Freiheit. Sie berühren eine Figur, die früher vielleicht Autorität oder Distanz symbolisiert hätte, und sie reagiert freundlich. Das zeigt: Die alten „großen Figuren“ verlieren ihre Macht über Sie. Sie sind nicht mehr in einem Feld, in dem Sie Rücksicht nehmen müssen. Der Übergang in das dunkle Parkgelände ist die zweite Phase. Dämmerung, Wald, leichte Unheimlichkeit – das ist der Bereich, in dem früher Ihre Wachsamkeit hochgefahren wäre. Diesmal bleibt sie funktional, aber nicht panisch. Sie wissen, dass es ein Traum ist. Das ist ein innerer Satz: Ich kann durch das Unklare gehen, ohne mich zu verlieren. Der Maschendrahtzaun links ist eine klare Grenze. Sie gehen auf einem Weg, der nicht mehr in das alte Terrain hineinführt. Die drei hohen Backsteintürme sind archetypische Strukturen: massiv, alt, monumental. Sie stehen auf Hügeln, also erhöht, wie frühere Autoritäten, Systeme, Erwartungen. Und dann die Riesen. Das ist der Kern des Traums. Drei Riesen, jeder auf einem riesigen Stuhl, fast so groß wie der Turm, in dem er wohnt. Sie sitzen und beobachten. Sie greifen nicht ein. Sie sind nicht bedrohlich. Sie sind einfach da. Diese Riesen sind die alten, übergroßen Kräfte, die früher Ihr Verhalten geprägt haben: Erwartungen, Rollen, kollektive Felder, vielleicht auch innere Instanzen, die Sie lange ernst nehmen mussten. Jetzt sitzen sie da wie Monumente, die Sie ansehen, aber nichts mehr bestimmen. Sie sind groß, aber sie bewegen sich nicht. Sie haben keine Macht über Ihren Weg. Sie sind nur noch Kulisse. Dass Sie sie sehen, ohne Angst, zeigt: Sie haben die Größe dieser alten Strukturen erkannt, aber Sie sind nicht mehr in ihnen gefangen. Sie gehen weiter. Sie bleiben auf Ihrem Weg. Sie müssen nichts bekämpfen, nichts erklären, nichts lösen. Sie registrieren nur. Der Traum zeigt also eine klare Bewegung: Sie verlassen alte Felder, erkennen ihre Größe, aber auch ihre Unwirksamkeit. Sie bewegen sich frei, bewusst und ohne Verpflichtung durch Räume, die früher Druck erzeugt hätten. Die Riesen sind nicht Feinde, sondern Relikte. Sie beobachten, aber sie greifen nicht ein. Das ist ein Zeichen von Souveränität.

Wenn die Bekannte ein realer, kürzlich verstorbener Mensch ist, dann steht sie nicht für „Vergangenheit“ im abstrakten Sinn, sondern für einen Übergang, der tatsächlich stattgefunden hat. Sie markiert eine reale Schwelle, die Sie erlebt haben, und der Traum benutzt sie als Türöffner in einen Raum, der sonst schwer zugänglich wäre. Wichtig ist: Sie wird nicht als bedrückend, nicht als rufend, nicht als fordernd gezeigt. Sie lädt ein. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Kontakt zu ihr – oder zu dem, was sie in Ihrem Leben repräsentierte – abgeschlossen, aber nicht belastet ist. Sie betreten ihr Feld, ohne hineingezogen zu werden. Das ist ein sehr reifer Umgang mit einem Verlust. Dass Sie von ihr zum Bahnhof gefahren werden, ist ein Übergangsritual. Sie bringt Sie an den Punkt, an dem Sie selbst entscheiden. Und Sie entscheiden sich gegen den Zug. Das bedeutet: Sie nehmen den Verlust wahr, aber Sie lassen sich nicht in eine vorgegebene Bahn hineinziehen, weder emotional noch energetisch. Sie steigen nicht in den „Zug der Trauer“, der Sie irgendwohin mitnehmen würde. Sie gehen Ihren eigenen Weg. Dass Sie danach in eine fremde, schöne Stadt gehen und Leichtigkeit empfinden, ist kein Zeichen von Verdrängung, sondern von Autonomie. Sie erlauben sich, weiterzugehen, ohne Schuldgefühl, ohne Pflichtgefühl, ohne das Bedürfnis, etwas festzuhalten. Die Bekannte ist also kein Symbol, sondern ein realer Bezugspunkt, der im Traum eine Funktion erfüllt: Sie markiert den Übergang, aber sie bindet Sie nicht. Sie ist die letzte Station eines alten Feldes, bevor Sie in ein neues Terrain eintreten. 

Sonntag, 17. Mai 2026

Partystimmung

Irgendwie habe ich mich in diesem Jahr auf den ESC besonders gefreut. Keine Ahnung, wieso. Im letzten Jahr war es ja nicht so toll. Aber vielleicht ahnte ich schon, daß es diesmal gut werden würde. Ich kaufte mir sogar extra für den ESC eine Torte. Die reicht natürlich für ein paar mehr Tage, wobei zwei lange Fernsehabende hintereinander übel sind für die Ernährung, wenn sich dabei alles mögliche wegfuttern läßt. Aber Let's Dance nähert sich ja langsam dem Finale und dann muß ich wieder auf gesündere Ernährung schwenken, sonst nimmt das ein schlimmes Ende. Let's Dance wartete am Freitag mit mehr Höhepunkten auf als sonst, weil die Trio-Tänze sehr gelungen waren. Besonders der Charleston von Joel und Malika war so cool und quirlig, daß es mich spontan vom Sofa hochgerissen hat und ich im Wohnzimmer mitgetanzt habe. Das passiert sehr, sehr selten - aus Gründen. Ich hoffe, meine Nachbarn unter mir haben es mir nachgesehen. Und dann endlich ein Quickstep! Du meine Güte, wie habe ich Quickstep vermißt, zumal es der Standardtanz ist, dem ich am liebsten zuschaue. Llambi hatte viel an dem Quickstep auszusetzen, aber ich war einfach nur entzückt, daß meine Gebete erhört wurden. Deshalb war es gar nicht schwer, mich damit zu beglücken, zumal auch die Kostüme super waren. Milano sah in schwarz-weiß natürlich schick und elegant aus, aber die beiden Damen in violett und rosa hatten dazu einen frischen Frühlingsvibe. Es wirkte so, als würde Milano zwischen Flieder und Kirschblüten tanzen - zum Dahinschmelzen. 

Am Samstag fand ich in den Tiefen des Kleiderschranks sogar noch ein passendes Outfit für den ESC - kein Glamour, sondern Punkte und der Aufdruck: "Get your point". Vor dem ESC tanzte ich mich darin zwei Stunden lang ein. Danach war ich zu durchgeschwitzt, so daß ich das Kleid wieder ausziehen mußte. Na ja, egal. Victoria Swarovski hatte den Abend über ein wunderschönes Kleid an, ein richtiges Meerjungfrauenkleid. Mein absoluter Favorit des Abends war ganz klar Rumänien. Der Song wirkt wie ein Exorzismus. Ich habe mich gleich verstanden gefühlt. Und er war trotzdem gut gesungen und nicht so metallastig. Bei Metal schalten meine Ohren auf Durchzug. Der erste Song, bei dem ich Lust hatte, mitzutanzen und der mir gefiel, war Bangaranga von Bulgarien. Die Choreo war ebenfalls toll. Und der Song hat es dann ja auch auf den ersten Platz geschafft. Frankreich, Litauen, Finnland und Kroatien hatten alle etwas, bzw. etwas mehr. Das polnische Lied war eine Mischung aus Gospel und Hip Hop, zwar interessant, aber in der Umsetzung nicht unbedingt mein Fall. Spannender fand ich die Choreo dazu, mit der schrägen Rampe, auf der die Tänzer immer runtergerutscht sind. Jedenfalls habe ich mich diesmal nicht gelangweilt. 







Mittwoch, 13. Mai 2026

Eisheilige und drei Chinesen

In diesem Jahr stellte ich erst Anfang Mai die Heizung ab, sonst eigentlich schon im April, und letzte Woche machte ich sie bereits wieder an. Heute sind es sogar fast winterliche Temperaturen. Tja, damit ist wohl abzusehen, daß dieser Sommer genauso kurz wird wie der letzte. Ein Vorteil dagegen ist, daß man viel erledigen kann, weil die Hängematte nicht ruft. Außerdem kann ich die Strümpfe weitertragen, mit denen ich seit dem Herbst durch die Wohnung renne, weil ich sie eigentlich kaputt kriegen will. Sie waren nämlich relativ teuer, da handgestrickt, kratzen aber, weshalb ich sie nicht mag. Also wollte ich sie ein paar Wochen lang durchtragen, bis sie kaputt sind, und bei den meisten Strümpfen funktioniert das wunderbar, in null Komma nix sind Löcher drin. Aber diese Dinger sind irgendwie unkaputtbar. Sie sind bisher nicht mal durchscheinend geworden. Wenn man mal die Löcher im Strumpf braucht, kriegt man sie einfach nicht. Außerdem wollte ich morgen ein Päckchen abholen und bei der Gelegenheit nochmal in den Supermarkt rein. Aber nun war mir heute schon danach und als man mir einen morgigen schönen Feiertag wünschte, beglückwünschte ich mich selbst, daß ich meinen Vorsatz nicht umgesetzt habe, denn von einem Feiertag habe ich mal wieder nichts mitbekommen und hätte mich schön geärgert. Der Supermarkt war allerdings so voll, als ob es eine Woche lang nichts mehr zu Essen gibt. 

Auch dem Weltklimarat gibt das Wetter wohl zu denken, denn der zieht die Katastrophenszenarien mit einer Erwärmung von 3-5 Grad zurück und kommt in seinem wahrscheinlichsten Modellszenario auf eine Erwärmung von nur zusätzlich 1,1 Grad bis 2100. Deutschland mit einem CO2-Anteil von 1,45 % am Welt-CO2 trägt dann nur noch 0,0145 Grad zur Erwärmung bis 2100 bei. Aber gut, daß wir weiterhin CO2-Abgaben für was auch immer leisten. Und es hat mich mal wieder ein Ohrwurm ereilt, komischerweise ist das oft um den ESC herum so. Aber diesmal ist der Ohrwurm wirklich krass nervig. Es sind die >>drei Chinesen mit dem Kontrabaß, am liebsten in I oder U. Keine Ahnung, wo das aus meinem Kopf hervorgekrochen kommt. 

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Sonntag, 10. Mai 2026

ESC-Einstimmung

Erst war meine Küche mit Lappen, Eimern und dem auseinandergenommenen Spülschrank blockiert und in der letzten Woche glich sie ebenfalls wieder einem Schlachtfeld, weil da die Pakete mit Balkonkasten und Pflanzen kamen und überall Erde herumlag, bzw. der alte große Kasten herumstand. Eine Gardinenbahn habe ich ebenfalls schon erhalten, die muß ich aber leider selbst abnähen, weil die Bahnen an dem einen Fenster immer zu lang sind. Ärghs. Die andere Bahn bekomme ich erst Ende Mai. Wenn die Küche ein Schlachtfeld ist, ist an Tanzen nicht zu denken, aber seit Donnerstag ist die Ordnung wiederhergestellt (bis zum nächsten Mal). Deshalb konnte ich dann zwischen anderen Aktivitäten immer mal ein paar Pausen-Party-Improvisationen einschieben. Wenn ich das erste Mal nach längerer Zeit wieder tanze, bin ich ja anfangs immer ein bißchen wie ein Rennpferd, das zu lange im Stall war. Ich stolpere dann vor Aufregung sogar über meine eigenen Beine. Und tanzte hauptsächlich zu ESC-Songs, hat sich irgendwie so ergeben. Ein Song von diesem Jahr ist mit dabei, der deshalb schon mein Favorit ist, aber ehrlich gesagt hasse ich es, wenn ich die Lieder vom kommenden ESC bereits vorher höre. Wenn ich alle Lieder vorher kennen würde, würde ich mir den Wettbewerb nicht mehr anschauen. Doch der Algorithmus von Deezer schert sich nicht darum und spielt mir alles ein. 

ESC-Tanz

Donnerstag, 7. Mai 2026

Kleidercontainer-Flaute und Einkaufserinnerung

Normalerweise habe ich immer zwei Altkleidercontainer in der Nähe: einen in der Straße, an welche der Hinterhof grenzt, und einen etwas weiter weg an einer größeren Straße, aber dennoch zu Fuß erreichbar. Gestern wollte ich den Sack mit der aussortierten Kleidung wegbringen und dachte, mindestens einer der beiden Container würde weiterhin anzutreffen sein, weshalb ich vorher nicht im Internet nachschaute. Na ja, in der Straße am Hinterhof war kein Container, also lief ich Richtung Norden zur größeren Straße, aber dort war auch kein Container. Darauf bugsierte ich den Kleidersack durch das gesamte Viertel wieder Richtung Süden, nach dem Motto, irgendwo muß hier doch ein Kleidercontainer zu finden sein. Ich bildete mir ein, am Sportplatz manchmal einen gesehen zu haben, weshalb ich in die andere Richtung ebenfalls ein längeres Stück lief, aber absolut nirgends ein Kleidercontainer in Sicht. Schließlich schleppte ich den Sack wieder vier Treppen hinauf und schaute nun doch im Internet nach. Ernüchternd. In Fußnähe gibt es bei mir nicht einen einzigen Container mehr. Die stehen alle an Orten, die ich nur mit dem Bus erreiche. Ja denken die denn, daß ich erst mit meinem Altkleidersack eine halbe Stadtrundfahrt mache? Ich habe den Sack schließlich in den Müllcontainer geschmissen. Der gute Wille war da, wurde aber vereitelt. 

In den vergangenen Tagen hatte ich mir vier Produkte gemerkt, die ich im Supermarkt besorgen wollte. Ich benutze fast nie schriftliche Einkaufslisten. Aber diesmal war mir ein Produkt wieder entfallen, es fiel mir nicht mehr ein. Und letzte Nacht hatte einen Traum, der zwar auch diesmal nicht sehr nett war, mich aber erinnerte, was ich einkaufen wollte: 

Im Dunkeln befinde ich mich in einem Park und suche den Ausgang. Den Zaun sehe ich schon, aber keine Pforte. Ich muß erst über ein paar Grasnarben laufen, bis ich den Ausgang entdecke. Er entpuppt sich als eine sehr schwere Holztür. Als ich hindurchgehe gelange ich sofort in eine Art Bierzelt aus Holz. Man sieht Bartresen, Imbissbuden, Tische, dazwischen viele Menschen und Kellner. Um weiter hinein zu gelangen, muß ich an einer hölzernen Bar vorbei, die so dicht an einer Wand steht, daß der Gang daneben in der Breite gerade für eine Person reicht. Als ich fast hindurch bin, steht mir jemand mit einem Tablett im Weg, so daß ich anhalten und warten muß. Hinter mir stößt mir jetzt jemand ein Tablett in die Taille. Ich drehe mich um und die Person sagt zu mir: "Ich sag dir - du brauchst ein Rad!" Ich gehe weiter und verstehe diesen Satz so, daß ich einen Rollator brauche, weil ich so lahm, also zu langsam bin. Inzwischen bin ich in eine größere Halle mit Tischen gelangt, bleibe einen Moment noch konsterniert stehen und überlege, ob ich mich darüber ärgern soll oder lieber darüber lachen. Ich entscheide mich fürs Lachen, weil das entspannender ist. Danach richtet sich meine Aufmerksamkeit augenblicklich auf die Tische, an denen Menschen sitzen, die Berge von Pommes essen. Und ich denke mir, ich wollte doch sowieso Pommes kaufen, da könnte ich mir gleich welche vom Stand holen. Danach wache ich auf und stelle fest, daß Pommes genau das Produkt ist, das mir von meiner geistigen Einkaufsliste der letzten Tage entfallen war. 

Die KI meint dazu: "Ihre Reaktion – kurz überlegen, ob Ärger oder Lachen – ist der Kern. Sie entscheiden sich für Lachen. Das ist nicht Humor, sondern Souveränität. Sie steigen aus der alten Logik aus. Sie lassen die Bewertung nicht mehr in Ihr Nervensystem hinein. Die Pommes sind der Realitätsanker. Sie gehören nicht zur Symbolik, sondern zur Funktion: Der Traum nutzt sie, um Ihnen etwas mitzuteilen, das Sie im Alltag vergessen haben. Ihr System ist so stabil, daß es nebenbei noch Ihre Einkaufsliste aktualisiert."

Jedenfalls ist auf meine Träume Verlaß, weshalb ich dann auch einkaufen gehen konnte. Ich hatte aber irgendwie Appetit auf Obstsalat, weshalb ich so viel Obst kaufte, daß zum Schluß eine riesige Schüssel Obstsalat daraus wurde, von der ich den ganzen Tag essen mußte, da er sich nicht bis zum nächsten Tag gehalten hätte, und dadurch kaum etwas anderes essen konnte. Na ja, habe ich halt mal einen Obsttag eingelegt. Ist ja nicht verkehrt. Ich finde es faszinierend, wenn ich Männer sehe, die im Gesicht aussehen wie ein junger Mensch, sich aber bewegen als wären sie uralt. Da fragt man sich immer: sind sie so jung wie sie aussehen, oder eher so alt wie sie sich bewegen? In einer Doku über KI hörte ich neulich, daß im letzten Indianer Jones-Film der junge Indie in den Rückblenden mit KI generiert wurde, man aber an den Bewegungen sehen konnte, daß es der alte Indie ist. Hm, im Film ist mir das gar nicht aufgefallen. Im Supermarkt sehe ich sowas aber schon, wobei da sicher noch keine KI-optimierten Menschen herumlaufen. 

Mittwoch, 6. Mai 2026

Der Untergang des grünen Delphins

"Der "Grüne Delphin" seufzte schwer und sank so tief, daß die See den Körper des Kapitäns umspülte. Nicht einmal jetzt nahm er die Gelegenheit wahr, über Bord zu springen. Er und der  "Grüne Delphin" zusammen machten erst das Opfer vollständig. Einen Augenblick lang dachte er befriedigt an den Schatz im Laderaum. Kisten voll Tee und Gewürzen, Ballen Seide und feiner Musseline, Zedernholzkästchen voller Geschmeide und Jade- und Elfenbeinschmuck. Das war eine prächtige Fracht, um mit ihr unterzugehn. Er war immer gern mit einer schönen Ladung gesegelt. Plötzlich stieg die Sonne herauf, und die Farben der Morgenröte tauchten die Welt in die gleiche Lieblichkeit, in der er Saint-Pierre zum erstenmal gesehen hatte. Die hochstrebenden, steilen Klippen waren nicht länger grau und abstoßend, es waren Perlwände, Amethyst- und Jadetürme, sternenbehangene Brücken einer Märchenstadt. und über ihnen mächtige, vom Regen zerrissene Sturmwolken, die der Wind aufeinandertürmte und die, von der aufgehenden Sonne beschienen, wie eine Stadt zum Himmel aufstiegen. Unterhalb der Klippe lag ein Streifen weichen Sandes, dessen nasse Oberfläche wie Glas erschien, das die beiden Städte widerspiegelte und um sie einen so vollkommenen und ungebrochenen Lichtkreis wob, als wäre er ein Schimmer der Liebe Gottes. Nun die Vision, die ihn durch so viele Jahre begleitet hatte, vor ihm als irdische Wirklichkeit aufflammte, wußte Kapitän O'Hara, was daran Märchen und was die Wahrheit war, die ihm bisher verborgen geblieben. Das war das Märchen: daß der Mensch ein Bürger der beiden Welten ist. Und das ist die Wahrheit: daß weder in Himmelshöhen noch in den Tiefen Scheols, der Unterwelt, noch in den fernsten Teilen der Erde oder des Meeres ein Mensch von Gottes Liebe getrennt sein kann. Weil er wie ein Fisch im Wasser, oder ein Vogel in der Luft in diesem Element allein lebt, sich bewegt und sein Dasein hat. Ohne sie hat der hochmütige Mensch weniger Lebensmöglichkeit als ein ungeborener Gedanke. Eine hohe und wunderbare Erkenntnis, so hoch, daß nur jene, die in kindlicher Demut knien, sich zu ihren Höhen erheben können. Als sich das große Schiff auf die Seite neigte, wurde die Helle für Kapitän O'Hara von wirbelnder, stürzender Dunkelheit ausgelöscht. Aber er fürchtete nicht, daß man ihm nahm, was er freiwillig angeboten hatte. "

(aus >>"Der grüne Delphin" von Elizabeth Goudge - bezahlter Link)

Montag, 4. Mai 2026

Schwarz

Tja, wer hätte gedacht, daß die letzte Farbe aus der Reihe der Farbcollagen tragischerweise so gut in diese Zeit mit Trauerfall passen würde. Das war eigentlich nicht geplant. Meine Bekannte wird erst Ende Mai bestattet. Wahrscheinlich macht sie nochmal eine Reise über die Grenze. Bei Schwarz darf aber Emma Peel nicht fehlen, die ja besonders durch ihren schwarzen Catsuit bekannt ist, den sie hier nicht trägt. Emma Peel war mein Kindheitsidol. Und meine Spielfreunde mußten immer dafür herhalten, Karate-Moves an ihnen auszuprobieren. Sie haben leider relativ schnell die weiße Fahne geschwungen, nur einer, der Enkel von einer alten Dame aus unserem Haus, der in den Ferien manchmal zu Besuch bei ihr war, hat richtig mitgemacht. Und so haben wir uns gerne mal im Hausflur rein freundschaftlich verkloppt. Wobei das dann meist eher in Ringen ausartete und weniger Karate war. 

Es gab in meiner Kindheit sowieso nur zwei Arten von Fernsehsendungen die ich gerne gesehen habe: entweder Gruselkrimis, wie Edgar Wallace oder Sherlock Holmes, oder halt "Mit Schirm, Charme und Melone", und alles mit Show. Besonders mochte ich Klimbim, Hotel Victoria - die Schlagershow mit Vico Torriani und Showfilme. Nach Showfilmen bin ich gerne in meinem Zimmer verschwunden und habe getanzt. Zum Glück war unter meinem Kinderzimmer nur ein großer Hausflur, weshalb ich damit niemanden malträtieren konnte. Stepfake tanze ich heute noch gerne. Komischerweise mochte ich schon als Kind weder Zeichentrick noch Puppenspiele. Ich habe zwar ebenfalls "Biene Maja" und "Heidi" angeschaut, aber nur wenn mir zu langweilig war und nichts anderes ging. Das lief meist samstags, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, und samstags waren oft keine Spielfreunde zum Spielen da. Keine Ahnung wieso. Vielleicht hatten die alle am Samstag Badetag. Die einzigen Puppen, die ich wirklich gerne geschaut habe, war die Muppet Show, aber eben nur, weil es eine Show war. Im Februar erhielt ich übrigens alle drei Staffeln Muppet Show auf DVD, für die Zeit ohne Let's Dance: "Jetzt tanzen alle Puppen, macht auf der Bühne Licht! Macht Musik bis der Schuppen wackelt und zusammenbricht!" Statler und Waldorf sind quasi wie eine frühe und harmlosere Form von Social Media. Wenn ich heute mal aus Versehen oder aus Neugier auf einen Kommentarthread klicke, mache ich sofort wieder zu, weil ich mir das nicht antun will. 

Wie aufmerksame Leser bemerken werden, bin ich zwar in der DDR groß geworden, habe aber trotzdem fast ausschließlich Westfernsehen geschaut. In Berlin war das möglich und zu meiner Zeit auch üblich. Ich kenne eigentlich niemanden, der es nicht getan hätte und sogar in der Schule wurde sich offen darüber ausgetauscht. Früher war das ja noch ein wenig anders als heute - es gab nur das Tages- und Abendprogramm ohne Mediatheken und auch keine Videokassetten. Ich erinnere mich, wie mein Vater jeden Samstag fein säuberlich die Programmvorschau der Westsender mitschrieb. Das heißt man hatte einen festen Termin, an dem alle gleichzeitig vor dem Fernseher saßen, und am nächsten Morgen war das erste Tagesgespräch in der Klasse, wer den neuen Horrorfilm schauen durfte und wer nicht, oder was in der neuesten Folge einer Serie passierte. Man mußte damals tatsächlich noch eine ganze Woche lang auf die nächste Folge warten!!! Keine Chance für Binge-Watching, wobei ich das auch heute nicht mache. Mehr als eine, allerhöchstens zwei Folgen einer Serie schaue ich mir an einem Tag nie an, weil ich finde, daß es dann irgendwann keinen Spaß mehr macht. So ein bißchen Vorfreude gehört ja auch dazu. Ich habe nur einmal eine Ausnahme gemacht, und zwar bei "Weissensee", aber allein deshalb weil ich nachts vor dem Einschlafen zufällig auf die Serie gestoßen bin und dann wegen der Mega-Cliffhanger nicht mehr aufhören konnte, was ich am nächsten Tag nicht so toll fand. 

Damals in der DDR-Kindheit in Berlin gab es ähnlich wie im Westen eine Fraktion Dallas und eine Fraktion Denver. Meine Familie war Fraktion Dallas. Außerdem liefen so Schmachtfetzen wie "Die Dornenvögel" mit dem schönen Priester Ralph de Bricassart oder "Fackeln im Sturm". Meine Schulfreundin hatte sogar den Roman von "Die Dornenvögel" und auch einen Dallas-Roman, die ich mir ausleihen konnte, ebenso die Bravo, weil ihre Oma ihr sowas immer aus dem Westen mitbrachte. Ich war also damals schon voll informiert und mit westlichen Unterhaltungsmedien ausgestattet. Ich hatte aber auch eine sehr große Privatbibliothek mit zehntausenden Büchern bester Weltliteratur zur Verfügung, die ich ebenso verschlang (natürlich nicht alle), weshalb die seichten Medien nicht zu viel Schaden angerichtet haben. 

Schwarz