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Sonntag, 29. November 2020

Hardcore-Weihnachten

Jetzt erst recht! Das ist vermutlich ein beliebtes Motto von mir. Vielleicht habe ich deshalb erst mit 45 Jahren angefangen zu tanzen, denn als Kind oder Jugendlicher damit zu beginnen, kann ja jeder. Und auch in diesem Jahr denke ich mir, gerade was Weihnachten betrifft - jetzt erst recht! Die Voraussetzungen für ein wirklich genussvolles und besinnliches Weihnachtsfest sind zur Zeit ja besser denn je, da viele stressige Vorweihnachtsaktivitäten wegfallen und es in diesem Jahr wunderbar ruhig ist. Während in den vergangenen Jahren das Gebimmel an der Haustür so ab Ende November bis zum Weihnachtsfest unerträgliche Ausmaße annahm, da viele ungebetene Gäste diese Zeit gerne für Umfragen, Spendensammlungen oder was weiß ich nutzen (ich weiß das nicht so genau, da ich nie aufmache, wenn ich niemanden erwarte), ist es in diesem Jahr himmlisch ruhig. Nur sehr selten klingelt der Postbote, der mir dann ein Päckchen vor die Türe wirft. Nun definiert jeder genussvolle und besinnliche Weihnachten anders, aber für mich hat Weihnachten definitiv nichts mit Highlife und vielen Weihnachtsfeiern zu tun. Ein bißchen Konsum ist ganz ok, schließlich möchte man sich und andere gerne beschenken, aber nie so, daß es meine Besinnlichkeit stört. Stattdessen verbinde ich Weihnachten seltsamerweise vor allem damit, Geschichten aus dem Radio zu lauschen, am liebsten Literaturlesungen. Ich weiß gar nicht, woher ich das habe, denn eigentlich bin ich gar nicht so der Typ für Hörbücher und Hörspiele, aber pünktlich zum Dezember bekomme ich einen Radiorappel, der genau bis Neujahr anhält. Besonders in den Rauhnächten, wenn der Weihnachtstrubel nachläßt und Stille einkehrt, liebe ich es, mir Geschichten erzählen zu lassen. Und natürlich alles ganz gemütlich, mit Kerzen, weihnachtlicher Deko, einer Kanne Tee und das beste daran - während man lauscht, kann man prima noch anderen weihnachtlichen Aktivitäten nachgehen, wie Basteln oder Backen. Das ist für mich Weihnachten pur. 

Im letzten Jahr hatte ich fast kein Weihnachten, sondern nur Zahnarzt- und Hotelstress. Auch keinen Adventskalender oder Weihnachtsbaum. Um so mehr ein Grund zu sagen - jetzt erst recht! Ich habe beschlossen, in diesem Jahr gibt es bei mir Hardcore-Weihnachten und so stellte ich heute schon mal einen Baum auf und schmückte ihn. Den letzten Baum hatte ich vor sieben Jahren, und ich finde es viel klüger, den Baum bereits zum ersten Advent aufzustellen. Man hat viel länger etwas davon, es reduziert unheimlich viel Stress kurz vor dem Weihnachtsfest selbst, da man sich um den Baum nicht mehr kümmern muß und man kann ihn gleich noch als riesigen Adventskalender mißbrauchen. Ich hatte mir, wie schon mal erwähnt, den ersten Trendraider-Adventskalender gesichert und außerdem später noch den von Simply-Keto bestellt, der Leckereien ohne Zucker und Getreide verspricht. Schließlich hatte ich im letzten Jahr keinen, da muß ich jetzt etwas nachholen. In den Beuteln von Trendraider sind ziemlich viel richtig große Pakete drin und auch die Tütchen von Simply-Keto sind so groß, daß sie in keinen anderen Adventskalender hineinpassen. Um so besser, wenn man dann einen Weihnachtsbaum hat, unter welchem man die Säckchen und Tüten alle aufbauen kann. 

Das Wichtigste für mich am Weihnachtsbaum ist jedoch gar nicht der Baum an sich, sondern der Duft, den er in das Haus bringt. Der schönste Duft überhaupt im Dezember, neben vielleicht dem von frisch gefallenem Schnee - ja, auch der duftet. In der letzten Nacht war draußen so eine neblige Waschküche, daß ich beinahe dachte, es könnte anfangen zu schneien. Leider gibt es kaum noch Fichten zu kaufen, die viel intensiver duften, als die Tannen, die man fast ausschließlich nur noch bekommt, zumindest bei mir. In meiner Kindheit hatten wir immer Fichte und sobald das Fichtengrün im Haus war, duftete es in der ganzen Wohnung nach Wald. Bei den Nordmanntannen hat man davon nicht mehr viel, wobei ich aber mit meiner feinen Nase es im Zimmer, wo der Baum aufgestellt ist, trotzdem noch riechen kann. Mein erster Advent dagegen war dann doch etwas unorthodox, denn ich hatte einen Weihnachtsbaum und daneben mit vielen Kerzen und einer Kanne Tee ein entspanntes Stretch-Programm. Vielleicht sollte ich das für die nächsten Adventssonntage beibehalten. 

Weihnachten 2020

Freitag, 27. November 2020

Das Ende vom Lied

Nun habe ich mich doch entschieden, den Online-Tanzkurs abzubrechen, da die Voraussetzungen bei mir einfach zu miserabel sind. Die Kursleiterin versteht es und bei der Gelegenheit habe ich gleich erfahren, daß bis Ostern gar keine normalen Präsenzkurse mehr geplant sind, sondern nur online. Omg! Ihr wisst, was das bedeutet, oder? ODER? Es bedeutet, ich werde euch jetzt bis Ostern hemmungslos mit meinen dilettantischen Küchentanzvideos bespaßen müssen. Ohne Gnade. Zieht euch warm an! Als die Kurse wieder anliefen, hatte ich mir eigentlich vorgenommen, es bei diesem Jahr zu belassen und Dezember die letzte Videozusammenfassung zu machen, da es doch immer ziemlich viel Arbeit ist. Aber unter diesen Umständen ist viel Arbeit ja manchmal eine gute Sache. 

Für Lektüre ist jedenfalls während der Durststrecke wieder gesorgt, erst letztens habe ich einige Bücherschnäppchen gemacht. Zum einen "Das Yoga Anatomie Malbuch" - gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, nämlich Yoga und Ausmalen. Allerdings muß ich sagen, daß mich die Bilder nicht wirklich sehr zum künstlerischen Ausmalen animieren. Es ist aber nicht nur ein Malbuch, sondern ein Anatomiebuch mit vielen Infos und lateinischen Fachausdrücken. Ich habe zwar das kleine Latinum, dieses ist jedoch Jahre her. Trotzdem kaufte ich es, weil mich interessiert, was mich da immer zwickt und zwackt beim Yoga, man merkt ja manchmal Muskeln oder Strukturen, von denen man gar nicht weiß, daß man sie hat. Und die Möglichkeit, das Innere des menschlichen Körpers auszumalen, hilft vielleicht, sich das besser alles zu merken und vorzustellen.

 

Dann das Buch "Faszien-Fitness". So ein bißchen was gelesen habe ich bereits über Faszien und ich bin inzwischen zu einem Fan der Faszien geworden, besser gesagt der gesunden Faszien. Allerdings nicht, weil das gerade der große Hype ist, sondern weil ich nach einigen "Selbstexperimenten" absolut überzeugt davon bin, wie wichtig Faszien für das Wohlbefinden und die Gesundheit sind und tatsächlich eigentlich komplett unterschätzt werden. Seit ich mit Faszienmassagen begonnen habe, sind sogar teilweise Beschwerden weggegangen, die man damit gar nicht in Zusammenhang bringen würde, z.B. ein Nervenkribbeln bis hin zu Nervenschmerzen oder Unruhe in den Beinen. Und man fühlt sich so herrlich locker, entspannt und leicht hinterher. Leider sind richtige Faszienmassagen anfangs ziemlich schmerzhaft. Damit ist aber weniger gemeint, einfach auf irgendwelchen Rollen hin- und herrollen, wie das oft gezeigt wird. Faszienbälle sind viel wirkungsvoller. Damit kommt man besser in die Tiefe und gerade da, wo es am schmerzhaftesten ist, lohnt es am meisten.

Und schließlich "Marcia Haydée - divine", eine Tänzerinnen-Biographie, also etwas Neues zum Schmökern. 

Donnerstag, 26. November 2020

Homeschooling, die zweite

Gestern also wieder Online-Tanztraining, nun ja, was soll man dazu sagen? Es war ein bißchen besser als beim ersten Mal. Die Kursleiterin hat etwas angepaßt, wir hatten eine Impro drin, bei der man den Platz gut selbst regulieren konnte. Wobei die Impro an sich nur auf eine Stelle bezogen war, was eigentlich gar nicht nötig wäre. Es ist halt nur wichtig, daß man selbst mit dem vorhandenen Platz kalkulieren kann. Aber die Geräuschkulisse war wirklich gräßlich. Von den Anweisungen habe ich diesmal vieles gar nicht verstanden, weil es so abgehackt war, die Musik scheppert und stottert nur und zu allem Überfluß ist dann manchmal alles so hängen geblieben, daß es nur noch laut quietschte. Zur Endentspannung hatte sie diesmal statt Koshis einen Gong und dieser schepperte so grauenhaft, daß ich mir während der "Entspannung" die Ohren zugehalten habe. Das scheint allerdings alleine an meiner Internetverbindung und/oder meinem Equipment zu liegen, denn die anderen haben das Problem nicht so extrem. Dann hatte die Kursleiterin auch unsere Choreo abgeändert, allerdings im ersten Teil so unglücklich, daß ich jetzt sogar fast mehr Platz dafür brauche als vorher, weil sie alle großen Bewegungen nach beiden Seiten ausführt. Ich ringe gerade hart mit mir, ob ich den Kurs abbreche, zumal ja inzwischen auch feststeht, daß wir uns bis Kursende nicht mehr in der Turnhalle wiedertreffen. Allerdings sind es nur noch ein paar Male und ich habe mir eine Variante überlegt, bzw. wurde auch von einer Mittänzerin dazu angeregt, den Kurs doch noch über die Bühne zu bringen (ha ha, was für eine maßlose Übertreibung), indem ich einfach selbst die Choreo für meinen Raum passend abändere und zusammenstelle. Im Prinzip tanze ich ja jetzt bereits in andere Richtungen und muß unterbrechen, mache also fast ständig was anderes, und zu sehen bin ich nur in einem kleinen Kästchen - es dürfte also niemanden verwirren, wenn ich mein eigenes Ding mache. Ich muß nur noch nachfragen, ob das genehmigt wird. Ansonsten würde es wohl doch mehr Sinn machen, wenn ich mir den Soundterror spare und die Zeit  besser mit meinen Choreos nutze. Für mich steht inzwischen allerdings definitiv fest, daß ich solch einen ausgewiesenen Online-Kurs nicht buchen würde. Und was ich an diesen Online-Konferenzen außerdem noch total frustrierend finde - daß einem die Gesprächspartner nicht in die Augen schauen, wenn man mit ihnen redet. Natürlich ist es mir rein von meinem Verstand her klar, daß die halt auf ihren Bildschirm und auf die Kästchen gucken, so wie ich auch, und trotzdem empfinde ich es irgendwie als irritierend und frustrierend. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, daß ich generell Videotelefonie nicht besonders mag - dann lieber ganz ohne Augenkontakt.

P.S.: Aber wie nett, daß wir zu Silvester wenigstens böllern und noch mehr Feinstaub in die Luft blasen dürfen, um Covid den Weg in die Lungen zu bahnen, obwohl man bereits seit dem Frühjahr den Zusammenhang zwischen Komplikationen und Luftverschmutzung kennt. So viel dazu, daß der Regierung etwas an unserer Gesundheit liegt. Ich glaube, an unserer Gesundheit liegt ihr nur insoweit etwas, daß möglichst genug Arbeitssklaven mit kurzem, konsumreichen Leben für die Industrie übrig bleiben sollen. Aber die müssen dann auch nicht gesund leben.

Dienstag, 24. November 2020

Butoh tanzen

Da erwähnte ich in meinem vorletzten Beitrag den japanischen Tanz und schwupps - schon packt mir Youtube eine Butoh-Doku in die Empfehlungen. Manchmal finde ich es ja geradezu unheimlich, wie ich irgendetwas blogge und sofort die passenden Videos dazu bei Youtube vorgeschlagen bekomme. Bis mir einfällt, daß ich bei Google blogge, in diesem Fall muß ich mich wohl daran gewöhnen. 

Das Kostüm mit den Räucherstäbchen im Haar (ab Minute 35) ist schon ziemlich gewagt, vor allem für jemanden wie mich, dem von Räucherstäbchen übel wird. Bei so viel Räucherstäbchen im Haar, wäre ich wahrscheinlich total high.  

Freitag, 20. November 2020

Neue Nachbarn

Gegenüber von mir sind neue Nachbarn eingezogen, nämlich ein ganz entzückendes Katzenpärchen. Ich kann sie jetzt jeden Tag während der Lüftungszeit aus dem Fenster schauen sehen. Sie sitzen allerdings nicht immer so artig drinnen, sondern wandern auch oft auf dem schmalen Fensterbrett im 4. Stock umher, so daß es einem allein vom Zusehen schwindlig wird. Ehrlich gesagt habe ich heute noch Alpträume von meiner Katze, in denen sie aus dem Fenster springt oder fällt. Das ist natürlich nie vorgekommen, denn die Katzen können das. Trotzdem war mir das schon damals unheimlich, obwohl wir nur im 2. Stock wohnten.  Manchmal versuchte ich sie, vom Fensterbrett herunterzulocken, aber versuche mal eine Katze zu rufen, die gerade Vögel beobachtet. Da wird man konsequent ignoriert, sogar wenn man mit Essen hantiert. Aber witzigerweise hat es immer funktioniert, wenn ich mich selbst direkt aus dem Fenster gelehnt und nicht nur vom Weiten gerufen habe. Dann ist sie sofort aufgestanden, gemächlich heranspaziert und hat sich an mir vorbei ins Zimmer verdrückt, wobei sie aber immer auf diese Art lief und zurückgeschaut hat, die bei Katzen sagen soll: "Folge mir! Ich habe dir etwas ganz wichtiges zu zeigen!" Ich habe mich lange Zeit darüber gewundert und mich gefragt, warum sie plötzlich immer will, daß ich ihr hinterherkomme, wenn ich aus dem Fenster schaue. Denn wenn ich ihr gefolgt bin, war da nie etwas besonderes, außer daß sie sich in ihrem Korb zusammengerollt hat o.ä. und ich dann da stand und fragte - und deshalb sollte ich dir jetzt folgen, oder was? Bis es mir irgendwann wie Schuppen von den Augen fiel - die Katze hat sich nämlich genau die gleichen Gedanken über mich gemacht! Sobald ich mich aus dem Fenster lehnte, dachte sie bei sich vermutlich: "Die kann doch überhaupt nicht balancieren! Diese Zweibeiner sind so ungeschickt, die soll sich bloß nicht so weit aus dem Fenster lehnen! Am besten ich locke sie wieder ins Zimmer!" Und daran sieht man, wer letztendlich wen gelockt hat. 

In der letzten Nacht hatte ich aber einen ganz anderen Alptraum, ich träumte nämlich, daß ich die ganze Zeit während des Traumes Heavy Metal hörte und das sogar freiwillig. Da kann man sich schon mal fragen, wieso mein Kopf Heavy Metal-Musik erzeugt und woher er diese überhaupt nimmt. Meine Nachbarn sind so gut zu mir - von unten bekomme ich Klavierkonzerte und von gegenüber Katzenaussichten. Das Fotografieren der Katzen war übrigens gar nicht so einfach, da der Baum zwischen uns so groß gewachsen ist und neben dem Fenster gleich meine Balkonwand den Blick versperrt, daß es kaum noch möglich ist, zwischen den Lücken in den Zweigen vernünftig weit zu fokussieren. Der Klavierspieler hat jetzt ein neues Stück am Wickel nämlich "Rivers flows in you" hier: https://youtu.be/zwJQE0HkYZw. Ok, gestern hat er zwei- dreimal den falschen Ton getroffen, aber der Anfang geht schon ganz gut. 

Neue Nachbarn

Donnerstag, 19. November 2020

Totale Sonnenfinsternis

Gestern hatte ich eine Premiere. Ich hatte nämlich das allererste Mal eine Online-Schulungs-Konferenz - in Form meines Tanzkurses im Onlineformat. Tatsächlich habe ich sowas noch nie gemacht, noch nicht einmal privat geskypt. Ich bin kein Freund von Videotelefonie. Als wir angefragt wurden, ob wir Interesse hätten, den Kurs online weiterzuführen, habe ich innerlich gleich abgewinkt, denn mir war sehr wohl klar, daß sowas höchstens ein schwacher Ersatz für einen echten Tanzkurs sein kann. Online-Konferenz mag ja für alle sonstigen Fächer ein super Werkzeug sein, aber nicht für das Tanzen, vor allem, wenn man zuhause gar keinen Platz hat. Aber die Kursleiterin meinte, sie würde alles so abändern, daß es am Platz ist, und ich dachte bei mir, wenn das jetzt die neue Standardkommunikationstechnologie ist, sollte ich die Gelegenheit beim Schopf packen und mich mal damit befassen. Deshalb habe ich also trotzdem vorerst zugesagt, um mich quasi auf diesem Gebiet weiterzubilden und sowas mal auszuprobieren, damit ich nicht völlig von gestern bin. 

Nun ja, es fing schon damit an, daß ich einen tierischen Muskelkater habe, also so richtig übel, da ich ja eigentlich immer irgendetwas mache und am Tag vorher der Meinung war, ich sollte einfach mal ein bißchen Breakdance versuchen. Betonung liegt auf "versuchen", denn ich kann kein Breakdance und es sieht bei mir auch völlig uncool aus. Doch sowas hat mich ja noch nie abgehalten. Was mich früher davon abgehalten hat, war eher die körperliche Unfähigkeit, aber ich merke, daß ich, je kräftiger und mobiler ich werde, plötzlich Lust auf Bewegungen bekomme, an welche ich früher nicht einmal im Traum gedacht hätte. Ich glaube, daß einem der Körper unbewußt signalisiert, was man sich zutrauen und beginnen kann, ohne sich komplett zu überfordern und dann so entsprechende Impulse an das Gehirn sendet. Zumba hat mich dafür fit gemacht, beim Contemporary nicht völlg auf die Schnauze zu fallen und Contemporary hat mich an den Boden herangeführt, bei welchem ich früher eine ausgeprägtere Grenze hatte, da es mir immer zu schmerzhaft und zu anstrengend war. Aber ich habe festgestellt, daß sich der Körper erstaunlich schnell anpaßt und daß es tatsächlich schnell einfacher wird. Meine Knie tun mir z.B. auf dem Boden kaum noch weh, bzw. ich merke es gar nicht mehr, und inzwischen wächst sogar Hornhaut drauf. Und je leichter mir die Bewegungen auf dem Boden fallen, um so weniger weit weg ist auch Breakdance. Und ehrlich - Breakdance ist echt der krasseste Sport ever. Es waren ca. zehn Minuten, immer mit etwas Pause zwischern den Flows, und ich habe eigentlich zum größten Teil nichts anderes getan, als um meine Arme zu laufen. Aber meine Muskeln fühlen sich an, als hätte ich zwei Stunden lang im Fitnessstudio von Kopf bis Fuß Gewichte gestemmt. Also wenn ich mich entscheiden muß, ob ich mich bei Pilates und Hanteltraining zu Tode langweile oder lieber breakdance, dann wähle ich doch letzteres, zumindest wenn es unter Ausschluß der Öffentlichkeit bleibt. 

Meine Motivation hielt sich also erstmal ob des Katers in Grenzen, allerdings ist der Vorteil von so einer Online-Session, daß man sie je nach eigenem Bedarf ausdehnen kann. Also habe ich gleich eine Stunde Entspannung vorgeschaltet, liegen auf der Fakirmatte mit Meditationsmusik und Faszienmassage der Triggerpunkte. Danach fühlt man sich super entspannt und auch Muskelkater ist sofort weniger schmerzhaft. Das Online-Training selbst bestätigte dann allerdings meine Skepsis: auf dem Handydisplay mit dem querformatigem Stream der Kursleiterin konnte ich fast gar nichts erkennen - im Grunde nur ein sich bewegendes Strichmännchen, da wir aber mehr oder weniger Sachen machten, die wir schon kennen, konnte ich mir dann ausmalen, was das sein soll. Zudem glaube ich, daß sie in den vielen kleinen Kästchen ebensowenig genau sehen kann, was wir da eigentlich fabrizieren, mal abgesehen davon, daß Kameras auch immer etwas verzerren. Bei meinem Notebook reicht für so eine lange Zeitdauer leider das Akku nicht (wobei man sich schon fragt, warum Handys inzwischen mehrere Tage inklusive Videofunktionen laufen und Notebooks immer noch nach spätestens einer Stunde runter sind, bei Streaming noch schneller), aber so viel besser wäre das sowieso nicht, weil sie ebenfalls weit weggehen muß von der Kamera, damit alles zu sehen ist. Und mein Tablet ist so uralt, daß sich die Zoom-App darauf gar nicht installieren läßt. Ich habe schon überlegt, ob ich mir nun noch ein neues Tablet leisten muß, aber eigentlich ist das totaler Schwachsinn, so lange ich nicht zuerst den nötigen Platz als Basis für einen Online-Tanzkurs habe. Tatsächlich gab es schon die ersten Probleme bei den normalen Übungsflows am Platz. Um ins tiefe Pliè mit ausgesteckten Armen zu gehen, muß ich mich immer zur Seite drehen und mich dann wieder irgendwie zurück mogeln. Tendu auf beiden Seiten gehen auch nicht ohne Ortsveränderung. Bei einer Bewegung mit ausgestreckten Armen bin ich voll an den Kühlschrank geknallt und war wieder raus. Zudem lief meine Siphonflasche aus auf meiner Anrichte, bildete eine große Wasserlache und das Wasser tropfte dann die ganze Zeit auf den Boden, was meine Konzentration nicht gerade förderte. Die quäkende und abgehackte Musik aus der Handyübertragung ist fürchterlich. Ich bezweifle, ob man, selbst bei genug Platz, mit diesen ständigen Aussetzern und Verzerrungen überhaupt in einen tänzerischen Flow kommen kann. Und dann hat die Kursleiterin versucht, mit uns unsere bisher eingeübte Choreo zu tanzen, wenn auch leicht abgewandelt, wegen des fehlenden Platzes. Aber der Platzbedarf bei so weit ausholenden Armbewegungen und diversen Drehungen ist immer noch zu hoch. Als sie meinte, sie mache dann alles am Platz, dachte ich ja, sie denkt sich eine entsprechende neue Choreo aus. Für mich bedeutete das, daß ich mich immer seitlich hinstellen und seitlich auf den Bildschirm schauen mußte, was mich komplett in der Choreo verwirrt hat. Denn weiterhin muß man zusätzlich noch aufpassen, daß man nirgendwo gegendonnert. Den anderen ging genauso wie mir, daß nicht viel Tanzfeeling aufkam, auch wenn sie anscheinend mehr Raum haben als ich. Wenn ich die Choreo für mich alleine übe, muß ich wenigstens nur darauf aufpassen, mich nicht zu stoßen, aber nicht auch noch auf einen Bildschirm schauen oder versuchen, abgerissene und aussetzende Anweisungen zu verstehen. Außerdem kann ich selbst die Pausen in der Choreo bestimmen, in denen ich die Ausgangsstellung für den nächsten Abschnitt verändere. Fazit: Für das Tanzen ist so ein Online-Meeting wirklich ein Witz. 

Da ich jetzt schon davon ausgehen kann, daß wir wohl kaum im Dezember noch dazu kommen werden, diese Choreo richtig zu tanzen, bevor der Kurs zuende ist, weiß ich nicht, wieso ich das dann zu Hause im Online-Training "zusammenstottern" soll, wenn ich damit sowieso nie wieder etwas anfangen und es halt zu Hause nicht mal mit wirklichem Vergnügen tanzen kann. So gesehen ist dieses Online-Training für mich eigentlich komplett nutzlos, weil ich dabei nichts mache und machen kann, was mich wirklich weiter bringt. Alleine bewege ich mich genug, mache Balanceübungen, Yoga usw. und das viel entspannter, ohne winzigen Bildschirm und mit schönerer Musik. Dazu brauche ich also kein Online-Training. Letztendlich buche ich ja Tanzkurse, damit ich dort etwas bekomme, das ich alleine und zu Hause nicht kriegen kann. Und dazu dann noch eine Endentspannung auf dem harten und kalten Steinfußboden in meiner Küche. Da kenne ich zu Hause aber bessere Arten, mich zu entspannen. Trotzdem bin ich hin- und hergerissen, ob ich den Kurs wirklich abbrechen soll. Zum einen möchte man natürlich mit der Kursleiterin solidarisch sein - obwohl sie gestern noch extra meinte, wir sollen uns nicht wegen ihr dafür entscheiden, und zum anderen denkt man sich, besser ein Termin in der Woche, an welchem man mal andere Gesichter sieht, wenn auch nur auf dem Bildschirm, als gar nichts. Wir haben zum Schluß noch ein paar Ideen ausgetauscht, was man sonst so machen könnte. Vielleicht ist es ja doch möglich, aus diesen für das Tanzen sehr begrenzten Voraussetzungen etwas Befriedigendes zu gestalten. Ich habe der Kursleiterin gesagt, daß es mir unter diesen Umständen völlig wurst ist, was sie für einen Tanzstil macht - ich muß nicht auf Biegen und Brechen am Contemporary festhalten - Hauptsache es ist etwas, womit man auch zu Hause etwas anfangen und Spaß haben kann. Und Möglichkeiten zu tanzen gibt es ja nun wirklich wie Sand am Meer, wobei ich nicht weiß, ob sie die alle kann. Indischer Tanz (also den Tempeltanz meine ich, Bollywood würde teilweise wohl ebenfalls gehen) oder japanischer Tanz zum Beispiel sind sehr statisch und bestehen hauptsächlich aus ausdrucksstarken Hand- und Armbewegungen. Aber vermutlich wäre sie damit als Nichtinderin und Nichtjapanerin etwas überfordert. 

Donnerstag, 12. November 2020

Party bei Dieter Bohlen

Das Fax geht los und spuckt unendlich viele bunte Seiten aus, als ich noch in meinen tiefsten Träumen liege. Ich lasse es quietschen und beobachte im Halbschlaf, wie die bunten Blätter zu Boden segeln. Schlaf werde ich heute wohl nicht mehr bekommen. Die Flut hört gar nicht mehr auf, während ich nur ganz langsam wach werde. Schließlich schaffe ich es, aufzustehen und sammle die bunten Blätter ein. Es ist ein dicker Stapel geworden und interessiert blättere ich einige Seiten durch. Es handelt sich um ein Drehbuch! Keine Ahnung, wer da meine Telefonnummer hat und mir Drehbücher faxt - und wozu. Was soll ich damit? Es scheint eine TV-Produktion zu sein. Vielleicht bittet man mich, Aktien davon kaufen. Doch das muß erstmal liegen bleiben, denn mir fällt ein, daß ich zur Geburtstagsparty von Dieter Bohlen eingeladen bin. Das wundert mich ebenfalls ein bißchen, denn ich war zwar bereits früher zwei- bis dreimal auf den großen Parties eingeladen, dann jedoch lange Zeit nicht mehr. Hat er sich jetzt wieder an mich erinnert? Etwas irritiert bin ich darüber, daß diese Geburtstagsparty im November stattfindet, denn meines Wissens hat er im Februar Geburtstag. Aber vielleicht feiert er ja nach. Voller Begeisterung bin ich nicht gerade, doch sowas läßt man sich nicht entgehen. Wer weiß, wann ich das nächste Mal eingeladen werde. 

In den Partyhallen angekommen, werde ich zuerst in eine Schlange von wartenden Menschen eingereiht, welche in einem Raum das Outfit für die Party verpaßt bekommen. Dieses ist nämlich vorgeschrieben, zumindest bei einem Teil der Gäste. Ich gehöre auch dazu. Beim langen Warten werden schon einige Krabben geknabbert und Witzchen gerissen. Viele Krabben liegen auf dem Boden verschüttet, man muß aufpassen, nicht hineinzutreten. Mein vorgeschriebenes Outfit ist leger und ziemlich knapp bemessen. Als ich damit die große Partyhalle betrete, werde ich gleich von Klabauterbach, der am Eingang mit anderen plaudert, doof angemacht, daß man sich zu solchen Anlässen aber anders kleidet. Ich beachte ihn gar nicht und gehe weiter. Der Depp hat wohl noch nicht mitbekommen, daß sich hier nicht jeder sein Outfit aussuchen kann. Interessiert schaue ich mir stattdessen die Einrichtung der großen Partyhalle an. Es gibt eine Einfriedung aus exotischen Palmen für einen inneren Party-Zirkel und ein Partygeschehen außen herum. Überall wimmelt es von Menschen. In den inneren Patry-Zirkel stoße ich gar nicht erst vor. Ich bleibe außen und sehe Klabauterbach und Angela Merkel zusammen auf einer Bank sitzen und plaudern. Klabauterbach trägt eine rote Krawatte, Merkel ein graues Kostüm und beide keinen Mundschutz. Das fällt mir erst jetzt auf, aber Mundschutz trägt hier im Grunde niemand und niemand kümmert sich um Abstände. Doch mehr Sorge macht mir meine luftige Bekleidung - eine Erkältung wäre jetzt nicht so toll, weshalb ich mir von irgendwo eine weiße Bettdecke schnappe und mich darin einwickle. So spaziere ich in den inzwischen im schummrigen Halbdunkel liegenden Garten hinaus. Hier sind kaum Menschen, nur in der Entfernung sieht man einige herumstehen und lachen. Auf einem Gartenpfad entdecke ich eine sehr große und dicke graue Katze. Entzückt nähere ich mich ihr, da ich Unterhaltungen mit Katzen sehr viel spannender finde als solche mit Menschen. Doch alarmiert halte ich inne, als ich mich zu ihr herunterbeugen will, denn irgendwie wirkt diese Katze extrem mißmutig. Grumpy Cat ist gar nichts dagegen und zudem fängt sie auch noch an zu knurren. Nun gut, dann halt nicht. Mit meinen nackten Füßen und der um mich herum schleifenden Bettdecke versuche ich ihr aus dem Weg zu gehen und mache kehrt, doch sie hat nicht mehr vor, mich gehen zu lassen. Knurrend schleicht sie um mich herum und schlägt mit den Krallen nach meinen Füßen. Da hebe ich leicht und lässig meine beiden Beine schräg über den Boden ab, so daß nur noch die Bettdecke ihn berührt. Wie erwartet schlägt die Katze jetzt nach der Bettdecke und verfängt sich mit ihren Krallen darin. Und ich mache mir einen Spaß daraus, die Bettdecke mit der darin verfangenen Katze um mich herum rotieren zu lassen, indem ich mich drehe. Immer schneller und schneller, ich lache, während die Katze bei ihrer unfreiwilligen Karussellfahrt faucht und knurrt. Irgendwann ist auch die schönste Party zuende und auf dem Nachhauseweg denke ich, daß ich ein richtiges Jet-Set-Leben führe. Und ich wundere mich sehr darüber. 

Sonntag, 1. November 2020

Unfreiwilliges Gruseln

Eigentlich hatte ich gestern gar nicht vor, mich zu gruseln. Ich hatte mir einfach nur einen Film herausgesucht, den ich sehen wollte, zudem einen deutschen Film. Leider wußte ich nicht, daß es ein Horrorfilm ist. Als ich es bemerkte, war es schon zu spät - da mußte ich ihn zuende schauen. Am gruseligsten fand ich die Szene, als er sich mit seiner Schwiegermutter im Büro unterhält und sie die ganze Zeit gegen die Wand starrt. Es sind halt die subtilen Anspielungen, die den meisten Schrecken verursachen. Und subtile Anspielungen findet man eine ganze Menge, vor allem in Richtung David Lynch. Als David Lynch-Fan merkt man das sofort. 

Und auch zur Trauer gab es gestern Anlaß, denn der herrliche Sean Connery, meine Lieblings-Bond, ist nun in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Was würde er dazu sagen, daß er aber als James Bond ewig lebt?