Tja, wer hätte gedacht, daß die letzte Farbe aus der Reihe der Farbcollagen tragischerweise so gut in diese Zeit mit Trauerfall passen würde. Das war eigentlich nicht geplant. Meine Bekannte wird erst Ende Mai bestattet. Wahrscheinlich macht sie nochmal eine Reise über die Grenze. Bei Schwarz darf aber Emma Peel nicht fehlen, die ja besonders durch ihren schwarzen Catsuit bekannt ist, den sie hier nicht trägt. Emma Peel war mein Kindheitsidol. Und meine Spielfreunde mußten immer dafür herhalten, Karate-Moves an ihnen auszuprobieren. Sie haben leider relativ schnell die weiße Fahne geschwungen, nur einer, der Enkel von einer alten Dame aus unserem Haus, der in den Ferien manchmal zu Besuch bei ihr war, hat richtig mitgemacht. Und so haben wir uns gerne mal im Hausflur rein freundschaftlich verkloppt. Wobei das dann meist eher in Ringen ausartete und weniger Karate war.
Es gab in meiner Kindheit sowieso nur zwei Arten von Fernsehsendungen die ich gerne gesehen habe: entweder Gruselkrimis, wie Edgar Wallace oder Sherlock Holmes, oder halt "Mit Schirm, Charme und Melone", und alles mit Show. Besonders mochte ich Klimbim, Hotel Victoria - die Schlagershow mit Vico Torriani und Showfilme. Nach Showfilmen bin ich gerne in meinem Zimmer verschwunden und habe getanzt. Zum Glück war unter meinem Kinderzimmer nur ein großer Hausflur, weshalb ich damit niemanden malträtieren konnte. Stepfake tanze ich heute noch gerne. Komischerweise mochte ich schon als Kind weder Zeichentrick noch Puppenspiele. Ich habe zwar ebenfalls "Biene Maja" und "Heidi" angeschaut, aber nur wenn mir zu langweilig war und nichts anderes ging. Das lief meist samstags, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, und samstags waren oft keine Spielfreunde zum Spielen da. Keine Ahnung wieso. Vielleicht hatten die alle am Samstag Badetag. Die einzigen Puppen, die ich wirklich gerne geschaut habe, war die Muppet Show, aber eben nur, weil es eine Show war. Im Februar erhielt ich übrigens alle drei Staffeln Muppet Show auf DVD, für die Zeit ohne Let's Dance: "Jetzt tanzen alle Puppen, macht auf der Bühne Licht! Macht Musik bis der Schuppen wackelt und zusammenbricht!" Statler und Waldorf sind quasi wie eine frühe und harmlosere Form von Social Media. Wenn ich heute mal aus Versehen oder aus Neugier auf einen Kommentarthread klicke, mache ich sofort wieder zu, weil ich mir das nicht antun will.
Wie aufmerksame Leser bemerken werden, bin ich zwar in der DDR groß geworden, habe aber trotzdem fast ausschließlich Westfernsehen geschaut. In Berlin war das möglich und zu meiner Zeit auch üblich. Ich kenne eigentlich niemanden, der es nicht getan hätte und sogar in der Schule wurde sich offen darüber ausgetauscht. Früher war das ja noch ein wenig anders als heute - es gab nur das Tages- und Abendprogramm ohne Mediatheken und auch keine Videokassetten. Ich erinnere mich, wie mein Vater jeden Samstag fein säuberlich die Programmvorschau der Westsender mitschrieb. Das heißt man hatte einen festen Termin, an dem alle gleichzeitig vor dem Fernseher saßen, und am nächsten Morgen war das erste Tagesgespräch in der Klasse, wer den neuen Horrorfilm schauen durfte und wer nicht, oder was in der neuesten Folge einer Serie passierte. Man mußte damals tatsächlich noch eine ganze Woche lang auf die nächste Folge warten!!! Keine Chance für Binge-Watching, wobei ich das auch heute nicht mache. Mehr als eine, allerhöchstens zwei Folgen einer Serie schaue ich mir an einem Tag nie an, weil ich finde, daß es dann irgendwann keinen Spaß mehr macht. So ein bißchen Vorfreude gehört ja auch dazu. Ich habe nur einmal eine Ausnahme gemacht, und zwar bei "Weissensee", aber allein deshalb weil ich nachts vor dem Einschlafen zufällig auf die Serie gestoßen bin und dann wegen der Mega-Cliffhanger nicht mehr aufhören konnte, was ich am nächsten Tag nicht so toll fand.
Damals in der DDR-Kindheit in Berlin gab es ähnlich wie im Westen eine Fraktion Dallas und eine Fraktion Denver. Meine Familie war Fraktion Dallas. Außerdem liefen so Schmachtfetzen wie "Die Dornenvögel" mit dem schönen Priester Ralph de Bricassart oder "Fackeln im Sturm". Meine Schulfreundin hatte sogar den Roman von "Die Dornenvögel" und auch einen Dallas-Roman, die ich mir ausleihen konnte, ebenso die Bravo, weil ihre Oma ihr sowas immer aus dem Westen mitbrachte. Ich war also damals schon voll informiert und mit westlichen Unterhaltungsmedien ausgestattet. Ich hatte aber auch eine sehr große Privatbibliothek mit zehntausenden Büchern bester Weltliteratur zur Verfügung, die ich ebenso verschlang (natürlich nicht alle), weshalb die seichten Medien nicht zu viel Schaden angerichtet haben.





