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Freitag, 23. Februar 2024

In Friedrichshagen

Gestern wurde Frau Agnes Strack-Rheinmetall in Friedrichshagen begrüßt und wie man sieht, die Friedrichshagener haben es echt drauf, Kriegstreiber zu begrüßen. Sie alle vermissen die Diplomatie, in der gerade Deutschland ein Vorreiter sein sollte. >>Glücklicherweise wurde der Antrag der Union für die Taurus-Lieferung erst einmal abgelehnt. Man fragt sich ja, was die "christlichen Demokraten" zur Zeit so für Drogen nehmen. Nicht einmal in den USA nimmt man so viele Drogen,  sondern liefert derartige Waffensysteme nicht, und das will schon etwas heißen. Nur Agnes Strack-Rheinmetall aus der Ampel hat dafür gestimmt. "Schickt die Kriegsoma ins betreute Schießen" - So ein "Betreutes Schießen" wäre eigentlich eine coole Idee für alle, die narzisstischen Kriegsfantasien nachhängen:

"Der Krieg und die Sprache des Krieges haben mit einem Fantasieraum zu tun. Krieg ist eine Fantasie, die der Abwehr dient. Im Krieg wirst du als Individuum unbefleckt, wirst vollkommen. Ich habe mein Gespräch mit Ihnen eröffnet, indem ich all die Werte erwähnte, die mit dem Krieg assoziiert werden: Heldentum, Mut, Beschützerinstinkt, Selbstlosigkeit, Altruismus, Selbstaufopferung - all das sind positive Werte, keiner von ihnen ist negativ, kein einziger. Und diese Fantasie des Individuums als perfektes Wesen, das von Gott beschützt wird, führt dazu, dass sogar die SS, die Nazi SS, glauben, dass sie von Gott beschützt werden. Unter dem Banner Gottes ist man also ein perfektes Wesen und offensichtlich ist eine Gesellschaft, die aus perfekten Wesen besteht, auch eine perfekte Gesellschaft.

Sie haben zum Beispiel Gaza erwähnt, und das ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie die Fantasie die Realität übernimmt und unterdrückt. Gaza hat die höchste Alphabetisierungsrate in der gesamten arabischen Welt, die Gazaner sind viel gebildeter und viel höher gebildet als die Ägypter oder die Saudis, so dass Gaza tatsächlich eine Enklave des Lernens und der Gelehrsamkeit in der arabischen Welt ist, sie sind definitiv keine ungebildeten Bauern. Hier ist also ein Beispiel dafür, wie wir in einem fantastischen Raum ein Feindbild schaffen, das nichts mit der Realität zu tun hat, das kontrafaktisch ist, und dann fahren wir fort, mit diesem Bild und nicht mit einem realen Feind, wenn wir Mitglieder des Feindes töten, spielen wir eigentlich ein Videospiel in unserem Geist und in diesem Videospiel gibt es eine interne Repräsentation des Feindes die bis zum Maximum abgewertet wird, extrem entmenschlicht, dämonisiert etc. etc.

Und genau das passiert im Kopf von Narzissten. Der Narzisst wandelt Menschen um, wandelt äußere Objekte in innere Objekte um und dann idealisiert der Narzisst dieses Objekt entweder oder wertet dieses Objekt ab, aber in jedem Fall interagiert er weiterhin mit dem Objekt und nicht mit der Person, die das Objekt hervorgebracht hat, so dass wir sagen könnten, dass Krieg eine narzisstische Aktivität ist. Es geht absolut um Narzissmus, kein Wunder, dass der Krieg sehr asozial ist und es viele psychopathische Verhaltensweisen im Krieg gibt."

(Sam Vaknin, israelischer Professor der Psychologie, in einem Gespräch, die Übersetzung stammt von mir und Deepl)

Ich frage mich, ob es in Friedrichshagen noch das leckere Eis gibt, welches ich früher dort gegessen habe. War schon lange nicht mehr da. 

Donnerstag, 22. Februar 2024

Testlauf

Gestern bin ich nach langer Zeit mal wieder bei einem Zumba-Kurs gewesen. Ich hatte gesehen, daß dort, wo ich schon früher trainiert habe, wieder ein Kurs mit einer neuen Trainerin angeboten wird. Und ich dachte mir, daß so eine Zumba-Stunde vielleicht die beste Gelegenheit wäre, um auszutesten, wieviel ich meiner Ferse jetzt zumuten darf, zumal ich dort ja mit festen Schuhen plus Einlage und zusätzlich Kompressionssocken tanzen kann. (Und mal etwas anderes zu machen außer Fußgymnastik, Yoga und Herumrollen. Ich übe seit Wochen, meine Zehen einzeln zu bewegen - gar nicht so einfach, sage ich euch!) Der Preis dafür ist allerdings auch sehr gestiegen - früher waren es fünf Euro pro Stunde und Person, jetzt sind es acht Euro. Zum Glück war es recht locker und flockig, nicht zu überambitioniert, so daß es für jemanden wie mich, der eine Weile nicht so viel Kardio gemacht hat, genau richtig war. Ich habe mich jedoch eher zurückgehalten, weil ich immer dachte, es wird später noch härter, das war dann nicht der Fall. Dementsprechend schaute ich erst nach vierzig Minuten auf die Uhr. Ich kann mich an Zumbastunden erinnern, in denen ich bereits nach zehn Minuten hilfesuchend zur Uhr sah. Während des Tanzens merkte ich von der Ferse nichts, erst später beim Heimweg ein bißchen, hielt sich aber in Grenzen. Ich habe mir sagen lassen, wenn die Beschwerden nach dem Sport nicht schlimmer sind als vorher, ist es ok. Ich hoffe, das stimmt. 

Beim Zumba wird jetzt ebenfalls gefilmt, sogar die ganze Zeit lang. Eine der Mittänzerinnen machte sich ständig an einem Kamerastativ zu schaffen und ich dachte erst, daß sie das für sich macht, um die Choreos aufzunehmen. Am Ende saß sie auf der Bank, scrollte in ihrem Handy, schaute kurz hoch und meinte zu mir "Du, ich muß mit dir reden!" So fangen gerne ernsthafte Beziehungsgespräche an, weshalb ich etwas erschrocken war und erstmal rechts und links über meine Schulter sah, ob sie jemanden anderen meint. Aber hinter mir war niemand mehr. Also ging ich hin und sie fragte mich, ob ich einverstanden bin, wenn die Videos bei Instagram hochgeladen werden. Ich fragte sie nach ihrem Insta-Account und sie antwortete, sie hätte ihren Account gelöscht und keinen mehr (Gute Wahl!), die Videos sind für den Account der Trainerin. Letztlich habe ich zugestimmt, was soll's. Sogar eine WhatsApp-Gruppe gibt es nun und die Trainerin lud mich ein, die QR-Codes am Empfang für die WhatsApp-Gruppe zu scannen. Ich ohne Handy und ein etwas ungläubiges Gesicht der Trainerin. Doch sie fand tatsächlich noch eine gute, alte Visitenkarte. 

In der Berliner Zeitung las ich, daß es jetzt den ersten Drohnen-Lieferdienst gibt, allerdings nur für Unternehmen. Also ich würde mir sehr gerne meine Pakete auf meinen Balkon liefern lassen. Das wäre traumhaft, nur noch einen Schritt vor das Zimmer zu gehen, ohne auf Zusteller warten zu müssen. Und diese müßten dann auch keine vier Treppen mehr zu mir heraufklettern. Allerdings hat mein Balkon eine Überdachung und ich bin da nicht so firm, inwieweit Drohnen seitlich unter Dächern Ziele erreichen können. Und ob die Fenster sicher sind, wenn sie aus Versehen dagegen knallen. 

Collagen 014a

Mittwoch, 21. Februar 2024

Geschafft

Interessant, >>daß ausgerechnet Focus online einen Artikel über den früheren Rechtsextremismus von Nawalny ausgegraben hat. Und das aus guten Gründen, denn in der Tat ist es so wie sie schreiben: "Manchmal drängt sich aber der Eindruck auf, dass in der Debatte zu sehr gilt: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“ Und daher alles Negative ausgeblendet wird." Natürlich rechtfertigt dies überhaupt nichts, was mit ihm angestellt wurde. Doch ehrlich, wenn ich lese: "Besser dokumentierte Nawalny selbst auf seinem eigenen Blog seine damalige Haltung. Bürgerrechtler nennt er dort: „quasiliberale Wichser“, Homosexuelle: „Schwuchteln“, die weggesperrt gehörten. Und als Russland 2008 in Georgien einmarschierte, sprach er sich für die Deportation aller Georgier aus Russland aus. Und schrieb, dass „das Hauptquartier der Nagetiere“ (Tiflis) mit Marschflugkörpern zerstört gehöre." frage ich mich insgeheim, was wohl passieren würde, wenn man Björn Höcke nicht nur die Grundrechte aberkennt, sondern ihn inhaftieren würde. Würde er dann auch von der EU eine Auszeichnung erhalten? Und würden bei seinem plötzlichen Tod in der Haft sofort Sanktionen gegen Deutschland verhängt werden?

Vermutlich nicht, weil wir ja die "Guten" sind, und die "Guten" brauchen im Grunde keine Opposition. Die stört nur, wenn man so hochmoralisch und werteorientiert ist. Und natürlich auch völlig korruptionsfrei. Da ist dann also rechtsextremistisches Gedankengut ein guter Grund, um die Opposition verbieten zu lassen oder einem rechtsextremen Menschen die Grundrechte zu entziehen. Doch wer rechtsextreme Opposition bei unseren Feinden ist, und dort für Wahlfreiheit und gegen Korruption kämpft, ist unser Held. Da drückt man dann gerne beide Augen zu, weil es so gut zum propagierten Feindbild paßt. Und Julian Assange, der nicht einmal rechtsextrem ist, sitzt immer noch in Haft. Er hat solche Dinge geäußert wie:

"Nahezu alle Kriege der letzten 50 Jahre sind ein Resultat medialer Lügen. Die Medien hätten sie stoppen können. Bevölkerungen wollen keinen Krieg. Bevölkerungen müssen in Kriege getrieben werden." 

"Das Ziel ist ein endloser Krieg - nicht ein erfolgreicher Krieg."

Und über seine größte Enttäuschung: "Die Erkenntnis, daß auch intelligente Menschen Feiglinge sein können und daß Mut eine viel seltenere Eigenschaft ist als Intelligenz."

Im Grunde kann man inzwischen alle drei Aussagen nach den letzten Jahren bestätigen. Julian Assange zeigt stellvertretend, wie heute mit investigativem Journalismus umgegangen wird. Bei der Watergate-Affäre wurden die Journalisten noch mit dem amerikanischen Pulitzer-Preis ausgezeichnet und der US-Präsident ist zurückgetreten. Heute tritt niemand mehr zurück, sondern die Journalisten werden inhaftiert. Wie echter investigativer Journalismus stets rarer geworden ist, konnte man ebenfalls in den letzten Jahren feststellen, wo genau dieser dringend nötig gewesen wäre. Stattdessen werden die Medien immer gleichgeschalteter, was für jeden offensichtlich geworden ist. Vermutlich war die Inhaftierung von Julian Assange der Anfang vom Ende und wenn investigativer Journalismus künftig als Spionage deklariert wird, ist vor allen in den USA die Pressefreiheit sehr fraglich.

In meinem Collagen-Büchlein konnte ich gestern den letzten Schnipsel kleben. Damit habe ich insgesamt 25 kleine Collagen gefertigt. Ob ich die so lasse oder bei der ein oder anderen noch etwas dazu zeichne oder male, entscheide ich so nach und nach. Aber vom Kleben habe ich erstmal genug. Wenn man mal angefangen hat, so viel zu kleben, muß man gut aufpassen, was man herumliegen läßt, denn ganz schnell greift man auch zu anderen Dingen, um sie festzukleben. Bei dem "Herzrasen-Bild" habe ich ein Stückchen von dem Einfaßband meines roten Sesselüberwurfs mit draufgepappt. Dieses Ende hatte sich nämlich gelöst und stand unschön ab, weshalb ich es mit der Schere kürzte. Und dann lag es auf dem Tisch und ich fand, daß es genau die richtige Farbe hat, um es auf der Seite noch unterzubringen. 

Collagen 018a

Collagen 012a

Sonntag, 18. Februar 2024

Serdar vom Winde verweht

Nachdem ich mich zuletzt mal wieder über endlos lange YouTube-Videos mit so gut wie keinem lohnenswerten Inhalt mokiert habe, ist es mir eine Freude, nun doch einen Fund empfehlen zu können, welcher das genaue Gegenteil ist, >>nämlich das "letzte" Interview mit Serdar Somuncu. Ich mochte seine Radiosendung, ich fand die sogar sehr viel interessanter als die "Hörbar Rust", die auf mich eher einschläfernd wirkt, aber leider hat er damit aufgehört. Das letzte Interview ist dreieinhalb Stunden lang, also fast so lang wie "Vom Winde verweht", doch jede Minute wert. Ok, ich verstehe nicht so ganz, warum die beiden die ganze Zeit im Dunklen hocken, aber es störte mich schon deshalb nicht, weil ich während dessen eh klebte und nur mit den Ohren dabei war. Die Mischung aus Unterhaltung und tiefsinnigen Gedanken, wie gewohnt auch manchmal kontrovers und provozierend, sorgt über Stunden hinweg für Kurzweiligkeit. Zuerst plaudert Serdar über seine Familie- und Lebensgeschichte, darüber wie die türkischen Gastarbeiter-Eltern Deutschland und die deutsche Kultur wahrnahmen, wie er selbst Deutschland als Kind erlebt hat und aufgewachsen ist. Ich fand die Geschichten sehr unterhaltsam und berührend. Später kommen auch politische, philosophische und historische Themen nicht zu kurz. Weiterhin gibt es Einblicke in die Comedy-Szene. Sowie ein bißchen Wunden lecken und die Gründe, warum er sich zurückzieht. Nun ja. 

Unter anderem spricht er über seine Lesungen von "Mein Kampf". Ich hatte ja ebenfalls mal versucht, das Buch zu lesen, aus reiner Neugier, weil ich wissen wollte, ob Hitler nach außen tatsächlich so dargestellt wird, wie er war. Als jemand, der sich für Geschichte interessiert, weiß ich, daß Überlieferungen gerne auch aus bestimmten Interessen heraus abgeändert werden. Allerdings habe ich nach fünf Minuten gräßlichstem Geschwurbel genervt aufgegeben. Später las ich dann "Hitlers Tischgespräche", also Mitschriften der Gespräche dort im Hause bei Tische. Das Buch war recht umfangreich, aber immerhin das Geschwurbel ab und zu von Beschreibungen der Beobachter unterbrochen, was etwas interessanter gewesen ist. Ich brauchte das quasi, um mir meine eigene Meinung zu bilden. Nach diesem Buch entschied ich, daß ich jetzt alles weiß, was ich wissen muß, und mir "Mein Kampf" sparen kann. Irgendwie scheint das eine ziemliche Macke von mir zu sein, keine Meinungen übernehmen zu wollen, ohne sie selbst zu überprüfen. Wenn ich darüber nachdenke, woher das kommt, fällt mir das Aufwachsen in der DDR ein. Jedoch habe ich nicht den Eindruck, daß alle, die im Osten aufgewachsen sind, diese ausgeprägte Eigenheit besitzen. Muß wohl auch ein bißchen Veranlagung sein. Zum Glück aber konnte ich die Macke mit zunehmendem Alter derart entschärfen, daß sie nur noch bei wichtigen Themen "aktiviert" wird und nicht mehr bei so unwichtigen Sachen, ob man nun in ein bestimmtes Restaurant gehen kann oder nicht. Das muß ich dann nicht mehr selbst überprüfen, außer meine Neugier wird extrem geweckt. 

Übrigens war Hitler vegetarisch und sehr tierlieb. Kennt man ja - wenn die echte Empathie für Menschen fehlt, nimmt man sich Tiere als Ersatzobjekte. Sowas findet man heute auch überall, vielleicht sogar mehr als früher. Was nicht heißt, daß Tierliebe an sich schlecht ist, nur kann sie leider niemals darüber hinwegtäuschen, wenn sie nur als Kompensation für fehlende Empathie benutzt wird, um sich selbst als guter Mensch zu fühlen. Man merkt, wenn es Fassade ist. Fun-Fact: >>Das heutige Tierschutzgesetz geht im Wesentlichen auf das das Reichstierschutzgesetz von 1933 zurück, das damals als das beste der Welt galt, und wurde im Kern auch niemals in Frage gestellt. Das neue Tierschutzgesetz wurde erst 1972 erlassen, von den ideologischen Verwerfungen gesäubert. Im Grunde ist das eigentlich ein Eingeständnis, daß zu dieser Zeit nicht alles schlecht gewesen ist, nur darf man sowas nicht laut sagen, bzw. man muß immer dazu erwähnen, daß dieses Reichstierschutzgesetz als Werkzeug für Ideologie und Rassenwahn diente, um zum Beispiel durch das Verbot jüdischer Rituale antisemitische Stimmung zu schüren. Teilweise heißt es sogar, den Nationalsozialisten ging es nie darum, Tiere zu schützen. Das halte ich für übertrieben, denn: >>"Tierversuche wurden im weiteren so rigoros wie nie zuvor reglementiert. Institute mussten Genehmigungen beim Reichsinnenminister einholen. Bei Versuchen waren grundsätzlich Betäubungen vorzunehmen." Hitler wollte sogar Tierversuche ganz verbieten lassen, konnte dies aber aufgrund wissenschaftlicher Notwendigkeiten nicht durchsetzen. Später folgten zudem ein Reichsjagdgesetz und ein Naturschutzgesetz. Hitler hielt Jagd für Mord. Man kann es drehen und wenden so viel man will, dieses erste deutsche Tierschutzgesetz war ein immenser Fortschritt in der damaligen Zeit und deshalb wurde Hitler dafür von amerikanischen Tierschützern mit Ehrenurkunden und Medaillen überschüttet. Schöner wäre es natürlich gewesen, wenn dieser Fortschritt echter Empathie entsprungen wäre und nicht nur der psychischen Kompensationsstrategie eines Völkermörders. Wohin es führt, wenn das Wahrnehmen und Äußern von Graustufen abtrainiert wird, und nur Schwarz-Weiß-Meinungen erlaubt sind, sieht man nun an den derzeitigen Früchten. Eine Gesellschaft braucht Menschen, die Zwischentöne wahrnehmen und äußern, das reine Herunterbrechen auf Schwarz-Weiß ist immer eine Illusion und Projektion. Auf diese Weise wird ein Thema nie vollständig durchdrungen. Und es fördert sogar, daß das Tabuisierte für Außenseiter eine um so größere Anziehungskraft ausübt.

Verstehen kann man es durchaus, daß Serdar keinen Bock mehr hat. Ich bekomme zwar keine Shitstorms, aber manchmal frage ich mich ebenfalls in diesem zunehmenden Prozeß der Meinungsverengung durch autoritäres Niedermachen oder Schlimmeres, wann wohl der Punkt ist, an dem ich mich zurückziehen sollte, und ob ich den Absprung rechtzeitig schaffe. Ab da gibt es nur noch Katzenbilder von mir. 

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Freitag, 16. Februar 2024

Ja, klar.

Thema des Tages war heute der Tod des Oppositionsführers Nawalny im russischen Gefängnis. Und als ob es nicht schlimm genug wäre, daß überhaupt Menschen für ihre politischen Überzeugungen im Knast sitzen und sterben, übrigens nicht nur in Russland, erdreistet sich doch unser Bundeskanzler, noch bevor die Meldung überhaupt bestätigt war, diese für seine Feindbild-Rhetorik zu instrumentalisieren. Wir wissen alle, was für ein Regime in Russland regiert! Wir wußten es sogar schon vorher! Und ein paar von uns lebten unter solch einem Regime! Aber dieses ständige Zeigen mit dem Finger auf andere, während man seine eigenen Untaten und Lügen gütig der Demenz anheimfallen läßt, ist einfach ekelhaft, erbärmlich und löst nur noch Brechreiz aus. Eine Demokratie ohne Pluralismus kann es hier genauso wenig geben. Ihr nehmt euch alle nicht viel da oben, ob ihr das nun sehen wollt oder nicht. Falls es tatsächlich ein natürlicher Tod war, an einem Gerinnsel, plötzlich und unerwartet (Woran erinnert das nur?), hat ohne Frage der Kreml auch Verantwortung für seinen Gesundheitszustand, je nachdem, wie die Haftbedingungen waren. Ich frage mich allerdings, wie es Julian Assange so in seinem Gefängnis ergeht, wo er im Westen seit Jahren für die Wahrheit einsitzt. 

Und dann war natürlich zu erwarten, daß es sogleich diverse Anschuldigungen gibt, der Kreml habe Nawalny ermordet. Also bitte! Putin gibt einem Amerikaner ein langes Interview, in welchem er rational seine Motive und Interessen darlegt, sowie Verhandlungsbereitschaft signalisiert, aber ein paar Tage später bringt er mal eben einen Oppositionsführer um die Ecke? Soviel Dummheit würde ich vielleicht unserer Regierung zutrauen, aber ganz gewiß nicht Putin. Da es ein paar Tage nach dem Interview war und sonderbarerweise zudem noch, während Selenskij in Berlin ist, würde ich mich bei Mord eher fragen, welche anderen Geheimdienste da ihre Finger im Spiel hatten, um nach dem wenig furchteinflößendem Interview den Angst- und Empörungslevel wieder ausreichend zu erhöhen. Ohne dies kann man schließlich schlecht Krieg führen. 

Der erste Friede,

der wichtigste ist der,

welcher in die Seelen der Menschen einzieht,

wenn sie ihre Verwandtschaft,

ihre Harmonie mit dem Universum einsehen

und wissen, daß im Mittelpunkt der Welt 

das große Geheimnis wohnt

und daß diese Mitte tatsächlich überall ist.

Sie ist in jedem von uns.

Dies ist der wirkliche Friede,

alle anderen sind lediglich Spiegelungen davon.

Der zweite Friede ist der,

welcher zwischen einzelnen geschlossen wird.

Und der dritte ist der zwischen den Völkern.

Doch vor allem sollt ihr sehen,

daß es nie Frieden zwischen den Völkern geben kann,

wenn nicht der erste Friede vorhanden ist,

welcher, wie ich schon oft sagte,

innerhalb der Menschenseele wohnt!

(Hehaka Sapa, Oglalla-Lakota)

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Dienstag, 13. Februar 2024

Wir werden alle sterben

Oh la la, ich finde ja, unser Gesundheitsminister könnte sich mal so langsam entscheiden, woran wir alle sterben werden. Erst war es eine Monstervirusmutante, dann die heißesten Sommer aller Zeiten und nun sind wir von einer Eiszeit bedroht, >>welche die Temperaturen in Europa um 30 Grad senken könnte. Na ja, ich glaube auf Studien, die unser selbsternannter Wissenschaftspriester zitiert, muß man nicht all zu viel geben, zumal die meisten davon auf Modellrechnungen beruhen und Modelle sind immer nur so gut und so ehrlich wie ihre Programmierer, wie wir schon bei Corona gelernt haben. Damit möchte ich die Wichtigkeit von Umweltschutz nicht in Frage stellen, denn der Schutz unserer Lebensgrundlagen sollte zu jeder Zeit ein Anliegen sein - und das auch unabhängig von allen Modellierungen und der Frage, ob Menschen nun einen Einfluß auf den Klimawandel haben oder nicht. Auf ihre unmittelbare Umgebung haben sie auf jeden Fall Einfluß, und da Ökosysteme sehr komplex sind, haben diese wiederum Einfluß auf das Klima, wie man zum Beispiel an Feinstaubbelastungen sehen kann. Alleine schon die unmittelbaren gesundheitlichen Folgen sind Grund genug, sich damit auseinanderzusetzen - dafür muß man nicht erst den Klimawandel bemühen. Diese "Katastrophenakrobatik", die Lauterbach ständig betreibt, führt jedoch zu nichts weiter, als daß ihn wohl niemand mehr außer seine Regierungsfreunde ernst nimmt. >>Und eine Studie zur Pandemiebewältigung, die sein Ministerium ohne Ausschreibung vergibt und deren Daten unter Verschluß gehalten werden, ist ebenfalls völlig unrepräsentativ. Es ist wirklich ärgerlich, wenn mein Steuergeld für solchen evidenzlosen Mist zur Selbstbeweihräucherung verpulvert wird. 

Weiterhin ist mir ein Rätsel, warum er so gerne in die weite Ferne schweift, statt sich um die Probleme zu kümmern, die unmittelbar vor seiner Nase sind, wie z.B. das kollabierende Gesundheitssystem und der Mangel an Pflegekräften. Psychologisch könnte man das mit Prokrastination oder mit Ablenkung erklären. Das ist ungefähr so, wie wenn jemand zu den Problemen der Relativitätstheorie abdriftet, während der Gerichtsvollzieher schon vor der Türe steht. Oder auch bewußte Ablenkung, damit andere vor lauter Aufregung nicht mehr das sehen, was er versemmelt. 

Gerade was diese ganze Klimahysterie und die ständig neuen Modellierungen betrifft, habe ich ja eher den Eindruck, daß sich Regierungsverantwortliche gerne auf den Modellen einen abwichsen (um das so krass zu sagen) und sie ausschließlich dazu nutzen, um die Lobbys und sich selbst noch reicher zu machen, während die kleinen realen Schritte, die auch ein Umdenken in der Industrie erfordern würden, niemand gehen will. Aber die kleinen Schritte sind es, die schließlich zum Ziel führen, nicht ein Aktionismus, der darauf hinausläuft, daß ein Teil der Menschheit auf alles verzichten soll, während der andere Teil der Menschheit dafür weiterprassen darf und nicht mehr weiß, wohin mit dem Geld. Das ist wie mit Diäten: mit einem Mal seine gesamte Ernährung umzustellen und nur noch gesund zu essen ist dauerhaft für die meisten Menschen fast aussichtslos. Mit Zwang, zu viel Anstrengung und Selbstverurteilung erreicht man nichts Dauerhaftes, im schlimmsten Fall wird durch das ganze Hin und Her alles noch übler. Es sind die einzelnen kleinen Veränderungen, welche man relativ leicht über längere Zeit aufrechterhalten, bzw. immer wieder aufgreifen kann, die vielleicht sogar genußvolle Alternativen beinhalten, die sich schließlich aufsummieren und das Körpersystem verändern. Und es gäbe eine ganze Menge kleiner Schritte, die kaum jemandem weh tun würden, sie zu gehen, nur braucht man das Geld leider für wichtigere Dinge, wie Krieg oder Dividenden. 

Apropos Krieg, hier geschieht zur Zeit das Gegenteil vom oben beschriebenen: obwohl das Szenario recht real und nicht weit weg ist, daß sich der Krieg in der Ukraine über Europa ausweitet und noch hunderttausende bis Millionen Menschen in diesem Krieg sterben werden, auch ohne Atombombe, ignoriert man schlicht alle Katastrophenwarnungen und glaubt tatsächlich, immer mehr Waffen in diesen Krieg zu geben, würde die (gewünschte) Lösung bringen. Das ist wie ein Sportler, der glaubt, mit noch mehr Anstrengung und immer noch größerer Anstrengung, bis hin zum völligen Ignorieren der Gesundheit oder wichtiger anderer Bedürfnisse (Versorgung, Hygiene, Beziehungen usw.) würde er endlich einen Sieg erringen. Pustekuchen - irgendwann kollabiert er, hat nicht mal mehr eine Teilnahme und ist weg vom Fenster. Die Menschen sind schon komische Wesen! Und interessanterweise kommen "Siege" im Sport meistens dann, wenn man losläßt. Deshalb würde auch kaum ein erfahrener Profisportler so etwas Beklopptes tun. Das machen eher Amateure. Psychologisch sind die Beweggründe durchaus ähnlich wie zuvor, denn man lenkt sich selbst von der eigenen Verantwortung ab, weil es zuerst einmal einfacher scheint, immer wieder dasselbe zu tun, statt den schwierigeren Weg von inneren Veränderungen zu gehen, wenn das ewig gleiche nicht den gewünschten Erfolg bringt. Und später war dann das "böse Schicksal" schuld.

Wenn ich jedoch sehe, wie man gerade allerorts über vermeintliche kommende Angriffe Putins schwadroniert und unbedingt "kriegstüchtig" werden will, schwant mir noch ganz anderes. >>Norwegen schwört die Bevölkerung auf einen Krieg ein, Schweden ebenso, Polen sowieso, unser Verteidigungsminister gleichfalls und >>in der CDU will man "den Krieg nach Russland" tragen. Damit ist die CDU genauso unwählbar wie die Grünen und die FDP. Doch der Punkt ist: Ich habe keine Angst vor Putin! Ich würde mir erst anfangen Sorgen zu machen, wenn er in Länder einfallen würde, ohne vorher von der NATO provoziert worden zu sein. Stattdessen habe ich den Eindruck, daß tatsächlich so ein paar hohle Flaschen alle paar Jahrzehnte unbedingt in Russland einmarschieren wollen (am besten noch im Winter) und alles, was gerade passiert, zum Plan gehört: man baut ein Feindbild auf und schürt Angst, damit die Kriegsvorbereitungen von der Bevölkerung akzeptiert werden, >>man läßt den Krieg in der Ukraine zu und weitet ihn zeitlich aus, damit sich Russland dort erstmal aufreibt und seine Ressourcen verpulvert, so daß man es irgendwann leichter hat, wenn man selbst zuschlägt. Sogar diese seltsame Politik, die die Leute zur AfD treibt, macht plötzlich einen Sinn: denn wenn die AfD es tatsächlich in die Regierung schaffen würde und während dieser Zeit der Krieg mit Russland beginnt, könnte man später sagen - es waren mal wieder die Rechten! Wir dagegen sind ja alles friedliebende Demokraten. Vermutlich würde es so ablaufen, daß irgendwann ein terroristisches Ereignis gefakt wird, welches Putin in die Schuhe geschoben wird, damit man selbst nicht der Böse ist. Dies war ja schon immer eine beliebte Strategie, um Kriege zu beginnen, nicht nur unter Hitler. 

Ich hoffe wirklich sehr, daß ich mich irre und es keinen solchen Plan gibt. Denn wenn es einen solchen Plan gäbe, wäre er an Menschenverachtung kaum zu übertreffen. Aber wozu Menschen so fähig sind, zeigt uns leider laufend die Geschichte, bis in die heutige Zeit hinein. 

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Sonntag, 11. Februar 2024

Twoday.net-Aktion

Zur Zeit findet auf Twoday.net, einem deutschsprachigen, österreichischen Blog-Anbieter, bei welchem ich selbst auch zu finden bin, eine interessante Blog-Recycling-Aktion statt. Für neue Nutzer ist diese Plattform nämlich inzwischen gesperrt, es ist also mehr ein exklusiver Club, aber mit dieser Aktion hat man nun die Möglichkeit, eines von 21.000 nie befüllten Blogs aus der Datenbank zu übernehmen. Falls es jemand also gemein findet, zu Twoday.net keinen Zugang zu bekommen, ist JETZT die Gelegenheit, dies zu ändern. Meine Theorie ist sowieso, daß Facebook, Insta & Co. mit der Zeit immer uninteressanter werden, der Hype ist ja eh längst vorüber, während man es irgendwann wieder mehr zu schätzen weiß, daß in solche Blogs kein dummer Algorithmus hineingrätscht. Hier findet man mehr zu der Aktion: https://recycle.twoday.net/!

Collagen 021a

Sonntag, 4. Februar 2024

Social Media Therapie

Neulich bekam ich mit, daß es jetzt wohl schon Menschen gibt, die sich von einer Social-Media-Sucht heilen, indem sie einen Youtube-Kanal starten, um so endlich selbst etwas zu "machen", statt anderen nur dabei zuzusehen. Und auf diese Weise noch mehr Content produzieren, der wieder andere in der Sucht hält und ihnen Zeit raubt. Wow! Nicht daß ich etwas gegen wirklich guten Content hätte, Youtube-Videos können tatsächlich viel Inspiration bieten und manchmal ist man in Situationen, in denen ein bestimmtes Video ganz genau das ist, was man gerade brauchte, aber es wird bei diesem Überangebot immer schwieriger, die Spreu vom Weizen zu trennen, mal ganz abgesehen von dem Clickbait, dem man sich manchmal schwer entziehen kann, selbst wenn man genau weiß, daß dies Clickbait ist. Am meisten frage ich mich aber, wenn ich so etwas höre, ob gewisse Generationen, die bereits als Kind mit Social Media aufgewachsen sind, überhaupt noch wissen, wie geil es sein kann, etwas ganz für sich alleine zu tun. 

Damit meine ich vor allem den Prozess, denn daß fast jeder gerne die Ergebnisse von solchen Prozessen teilt, halte ich für ziemlich menschlich und normal. Zumindest wenn man sich über das Ergebnis freut, denn Freude macht ja bekanntlich großzügig, selbst wenn dann die Freude manchmal eher einseitig bleibt. Aber trotzdem ist das Ergebnis und das Teilen eigentlich nur das i-Tüpfelchen, während dieser Prozess des Alleinseins mit sich selbst und des Abtauchens in einen Flow das Schönste daran ist. Bei dem Video, auf das sich der vorherige Absatz bezieht, handelt es sich um ein Bildkunst-Video, in welchem die junge Dame sich nun selbst beim Malen filmt (was für sie sicherlich schon ein guter Fortschritt ist), während sie früher anderen nur zugeschaut hat und bei Insta herumscrollte. Aber, man höre und staune, man kann Malen und viele andere schöne Dinge sogar tun, ohne einen Youtube-Kanal betreiben zu müssen! Da Kunst ja ein Thema ist, das mich interessiert, klicke ich gerne mal das eine oder andere Video dazu, was sich in meinen Empfehlungen auf der Startseite widerspiegelt. Dabei fällt mir auf, daß es wie Sand am Meer Videos gibt, in denen sich jemand beim Malen oder Basteln filmt. Das muß auch nicht verkehrt sein, wenn es dann kurz und knackig mit den wichtigsten Informationen zusammengeschnitten wird - so etwas wäre dann mehr ein Tutorial. Aber solche Videos sind eher selten, stattdessen gehen diese Videos oft länger als eine halbe Stunde und manchmal über Stunden, teilweise mit Sprache, wo über eigene Empfindungen, Gedanken geredet wird oder Allgemeinplätze losgelassen werden, manchmal auch ganz ohne Sprache. Und es gibt immer genug Zuschauer, die sich mit so etwas gerne ablenken. Ich könnte mir gar nicht vorstellen, mich beim Malen oder Basteln zu filmen und dabei vielleicht noch zu jemandem zu reden. Das würde ja den besten Teil kaputt machen, weil ich dann auf mehrere Dinge fokussiert sein muß und sowas stört einen Flow, selbst wenn die Kamera nur einfach mitläuft. Ich hätte ebenfalls keine Lust, mir das hinterher noch alles angucken und schneiden zu müssen. Das nervt mich ja schon an meinen Tanzvideos, und die sind relativ kurz. 

2023 nahm ich haufenweise Tanzvideos auf und ich habe immer noch ein Video von meinem Tanzjahr 2023 in Bearbeitung, welches ich eigentlich veröffentlichen wollte, aber ich habe einfach keine Zeit dazu, bzw. ehrlicher gesagt: will sie mir nicht nehmen. Denn vor dem Computer zu sitzen und kreativ zu sein ist eine ganz andere Nummer, als ohne Computer kreativ zu sein. Man hat ständig Wartezeit, während der Computer verarbeitet, wird dauernd visuell abgelenkt, räumt nebenbei das Postfach auf, klickt hier und dort oder zupft in der Wartezeit an den Fingern herum. Es ist einfach nicht dasselbe, wie wenn man ohne Ablenkung kreativ oder auf sich selbst fokussiert ist. Tanzvideos nehme ich trotzdem auf, aber nur deshalb, weil ich beim Tanzen eben nicht sehe, was ich mache. Beim Malen und Basteln sehe ich aber alles und das reicht mir völlig. Doch auch bei den Tanzvideos habe ich mir vorgenommen, mal ein bißchen weniger zu bunkern und da finde ich es fast schon praktisch, daß ich zur Zeit eh nicht viel tanze, da meine Ferse nicht richtig will, sondern andere Workouts mache, die ich dann aber nicht filme. Mit sich alleine kreativ zu sein und sich mit sich selbst zu überraschen, ist tatsächlicher spannender als jede Überraschungsbox, aber nichts geht über dieses unheimlich befriedigende Gefühl, wenn man seinem Körper Aufmerksamkeit geschenkt, ihn in Bewegung gebracht und genau im richtigen Maß angestrengt hat. Unbezahlbar! Vermutlich befriedigt es deshalb so sehr, weil der Körper genau dafür mal ausgedacht wurde. Und ich stelle außerdem fest, wenn man sich die Zeit nimmt, um sich ganz darauf einzulassen, steigert das nochmals unglaublich die mentale Zufriedenheit. 

Ich mache manchmal nur schnelle Workouts zwischendurch, mal zehn Minuten, mal zwanzig Minuten, in denen kurz die wichtigsten Baustellen bearbeitet werden, während man mit dem Kopf teilweise schon woanders ist. Manche Tage sind einfach so, daß nicht mehr möglich ist. Aber es lohnt sich, sich dafür an anderen Tagen wieder mehr Zeit zu nehmen und voll auf sich fokussiert zu sein. Schon durch die gute Laune, die das macht, profitiert man doppelt und dreifach. Und auch das ist eine tolle Zeit, die man alleine mit sich selbst haben kann. Natürlich gibt es auf Youtube jede Menge mitgefilmte Workout-Videos, die mir ebenso gerne in die Empfehlungen gespült werden, aber wenn mich so ein Video anspricht, spule ich es einfach durch von einer Übung zur nächsten und merke mir nur einzelne Übungen, die ich mal ausprobieren möchte. Das geht relativ schnell. Mir fällt es zur Zeit wirklich schwer, meine tolle Zeit mit mir selbst der Videobearbeitung für das Internet oder langatmigen Videos anderer zu opfern. Ich war mir nicht einmal sicher, ob ich meine tolle Zeit für diesen Blogbeitrag opfern möchte. 

Und ich glaube, das ist wahrscheinlich die wirkungsvollste Therapie gegen Social Media-Sucht, nämlich etwas zu tun, das man wirklich genießen kann, was langfristig Freude gibt und dauerhaft so tief befriedigt, daß man es nicht mehr gegen irgendwelche kurzfristigen Dopaminschübe auf Social Media oder andere Ablenkungen eintauschen möchte. Denn diese Bedürfnisbefriedigungen halten nur kurz vor (ist im übrigen auch bei der Kaufsucht und vielen anderen Süchten so) und wenn man keine anderen Freuden mit Sinn in seinem Leben hat, wird man dauerhaft unzufrieden, egal wieviel man sich von dieser Unzufriedenheit wieder versucht durch Klicks und Neuigkeiten abzulenken. Diese Unzufriedenheit stammt ganz einfach daher, daß man nicht mehr mit sich selbst und seinen echten Bedürfnissen verbunden ist. Ein guter Startpunkt, um mit den wahren Bedürfnissen erneut in Kontakt zu kommen, ist es, sich bewußt und aufmerksam mehr zu bewegen und seinen mit unglaublichen Fähigkeiten ausgestatteten Körper "durchzuprobieren". Darauf wartet der nur! So, nun habe ich diesen Beitrag doch geschrieben, extra für euch, und ich hoffe, daß ich damit nicht zu viel eurer wertvollen Zeit geraubt habe, denn ich nehme zwar keine langen Videos auf, aber beim Schreiben fällt es mir schwer, mich kurz zu fassen. 

Collagen 010a