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Sonntag, 17. Juli 2022

Kategorie: Stadtansichten (bzw. Verschollen)

Da sich die Führung durch meine frühen Bilder anscheinend ziemlicher Beliebtheit erfreut - mein oberpeinliches Exemplar hat sich sogar innerhalb weniger Wochen an die Spitze der Klickzahlen katapultiert und damit den jahrelangen Spitzenreiter der Beiträge überholt (warum auch immer) -, werde ich mal weitermachen. Diese  Kategorie war früher irgendwie ein Lieblingsmotiv von mir. Ich habe allerdings meine Städte alle selbst erdacht und erbaut, nur selten mal etwas abgezeichnet, wie bei den letzten beiden Bildern. Das sieht man auch an der wilden Perspektive. Das zweite Bild gehört außerdem zur Kategorie "Verschollen", denn ich habe es entsorgt. Da es ein Bild auf Holzgerüst war, stand es in meiner kleinen Wohnung ständig im Weg herum und irgendwann habe ich es auf den Müll getragen. Schön blöd. Jetzt existiert das Bild nur noch auf dem Foto, immerhin. 

Es gibt eine weitere Stadtansicht von mir, die verschollen ist. Es war eine Hausaufgabe für den Kunstunterricht an der EOS. Wir sollten ein Bild zu einem Gedicht malen. Ich wählte "Die Stadt" von Theodor Storm, mein Lieblingsgedicht und das einzige, welches ich noch auswendig kann. Dazu kann man natürlich super Stadtansichten malen. In der Pause vor dem Kunstunterricht zeigte man sich gegenseitig schon verstohlen die Bilder. Ich hielt meines hinter dem Tisch verborgen, während es von links und rechts einige anschauten. Da kam unser Kunsterziehungslehrer wie ein Habicht herangeschossen und riß mir das Bild direkt aus den Händen hinter dem Tisch hervor mit den Worten: "Na was haben wir denn da?!", so schnell konnte ich gar nicht reagieren. Schon trug er es davon und in Sicherheit. In der Unterrichtsstunde durfte ich noch kurz etwas dazu sagen und später hing es die ganze Zeit in einer Ausstellung innerhalb der Schule. Doch ich habe die Schule irgendwann verlassen und weiß nicht, was daraus geworden ist. Im letzten Winter fiel mir dieses Bild wieder ein und ich fragte mich, ob man nach Jahrzehnten noch zur Schule gehen und dort nachfragen könnte. Vielleicht haben die ja Archive für sowas - oder auch nicht. 

Ein drittes verschollenes Bild, bei welchem ich mich jetzt ärgere, daß ich meine Bilder so leicht Erwachsenen überlassen habe, ist ein Blumenbild. Damals bin ich aber erst fünf oder sechs Jahre alt gewesen. Bei der Freundin meiner Mutter, einer Künstlerin, erhielt ich meine ersten Mal- und Zeichenstunden. Einmal stellte sie einfach einen ziemlich riesigen Blumenstrauß auf den Tisch und verlangte von mir, daß ich diesen abmale. In einem Alter, in welchem ich die sonst üblichen Kinderblumen gemalt habe, war ich doch etwas konsterniert darüber und dachte innerlich: "Erwartet die wirklich, daß ich jetzt diese Blumen male? Kann die sich nichts Leichteres ausdenken?" Etwas gnatzig machte ich mich an diese schwere Arbeit. Über das Ergebnis war ich relativ erstaunt, denn es gefiel mir gar nicht schlecht, ich war sogar stolz darauf, weil ich mir das selbst nicht zugetraut hätte. Meine Kunsterzieherin dagegen sagte nichts weiter zu dem Bild, außer, daß sie es bei sich aufbewahren würde. Und schon war ich wieder enttäuscht, denn ich hätte es gerne behalten, aber mit fünf oder sechs Jahren protestiert man natürlich nicht. Inzwischen ist diese Freundin meiner Mutter schon lange verstorben und ihr Besitz aufgelöst. Da wüßte ich nicht, wen ich noch fragen sollte. 

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18 Kommentare:

  1. 031, die Fachwerkfassadenflucht ist sicher Öl, oder? Wie kamst du damit zurecht? Ist das ein verschollenes Bild oder hast du es noch? Finde ich sehr gelungen. Die anderen sind aufgrund ihrer Komplexität auch vielfach beeindruckend, aber das hat etwas speziell Gelungenes...

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    1. Ja, das ist Öl. Und beim Malen an sich komme ich mit Öl sehr gut zu recht, da es meiner Vorliebe entspricht, Farbe in Farbe zu malen, wodurch diese unzähligen feinen Farbschattierungen entstehen. Ich glaube, genau durch diese vielen Farbschattierungen, sowie die "echte" Perspektive und das echte Motiv, wirkt es gelungen. Ein Problem mit Öl hatte ich nur mit der Trocknung, da es nicht richtig trocken wurde. Deshalb hatte ich das Bild, das immer noch existiert, lange Jahre in Plastikfolie gewickelt, was man oben teilweise an den "Knitterungen" sieht. Eigentlich möchte ich nicht mehr mit Öl malen, obwohl der Farbauftrag und die Farbschattierungen mit Öl zumindest meiner Meinung nach am schönsten sind, aber ich möchte mich diesen Farbgiften nicht mehr aussetzen (genausowenig wie bei Acrylfarben) und ich habe hier auch nicht den Platz, um "Schweinereien und Stinkereien" zu veranstalten. Da möchte ich dann nicht drin schlafen. Deshalb benutze ich jetzt so viel Ölpastelle oder neu die Kindersticks, doch das Farbe in Farbe malen funktioniert damit halt viel weniger und auch der Farbauftrag ist anders, weshalb das immer so ein bißchen naiv und kindlich wirkt. Ich experimentiere aber weiter damit herum, weil das für Öl und Acryl die einzigen Alternativen sind, auch wenn mir die Möglichkeiten des Farbauftrags damit eigentlich weniger zusagen.

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  2. Hach ja, verschollene Werke aus früheren Zeiten. Irgendwann als junger Teenie fand ich alles peinlich, was ich in jüngeren Jahren fabriziert habe und habe alles weggeschmissen bzw. auch meine Mutter dazu genötigt, ihre Sammlung zu vernichten, was sie leider (aus heutiger Sicht) auch gemacht hat. Es erschien mir damals halt sehr notwendig.
    In der Schule habe ich damals vollflächige Wandbilder für ein Klassenzimmer konzipiert, die in den Ferien mit ebenso davon Begeisterten umgesetzt wurden. Kurz vor der Einschulung meines Sohnes (2005) war ich noch mal mit ihm in meiner alten Schule. Wir sind da einfach reingegangen und ich habe ihm meine Schule gezeigt. Die Wandbilder waren nicht mehr da. Eine der letzten, der dort damals noch aktiven Lehrerinnen aus meiner Schulzeit war zufällig gerade da und hat sich sehr über den Besuch gefreut. Es war meine Russisch-Lehrerin, die sich früher an einem Tag mal sehr freute, dass ich nicht erst eine Minute vor Unterrichtsbeginn (wie üblich) zur ersten Stunde da war (ich wollte nämlich mal eben noch fix die Hausaufgaben machen), weil noch eine Geburtstagskarte vom Kollegium für einen Kollegen von mir gemalt werden sollte. Ich ließ mir dann während der Schulstunde damit im Nebenraum sehr viel Zeit, um sicher zu gehen, dass das Thema Hausaufgabenkontrolle schon abgehakt sein würde. ;·)

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    1. Na klar, so eine Sonderaufgabe ist wichtig. Da darf man sich ruhig viel Zeit lassen und sich vor Hausaufgabenkontrollen drücken. :-)

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    2. Die Ausdünstungen, die Lösungsmittel, die man beim Reinigen braucht und der endlose Durchtrocknungsprozess hält mich auch von Öl ab. Bei Acryl habe ich da zumindest keine giftige Ausdünstungswahrnehmung, hatte noch nie Kopfweh von Acryl... Mischen ist auch beim Malen mit Acryl möglich, aber da ist das relativ schnelle Durchtrocknen natürlich hinderlich, wenn man sich länger damit aufhalten will. Ich hab mal einen Rest Ölfarbe an einem Objekt verarbeitet, nur damit sie endlich aufgebraucht wird, und bekam schlechte Laune, dass der Auftrag nach Stunden immer noch wie frisch und kein bißchen trocken war. Es dauert wohl durchschnittlich ungefähr ein Jahr bis ein Bild durchgetrocknet ist, wenn der Auftrag pastos ist. Daher gibt es diese speziellen Verpackungen für Ölbilder mit Abstandshaltern, die Kunstspediteure benutzen.

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    3. P.S. ich weiß nicht, was hier seit einiger Zeit anders konfiguriert ist, dass ich jedesmal umständlich meinen Namen und meine URL eingeben muss, wurde früher automatisch eingelesen....

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    4. Also ich habe nichts geändert oder konfiguriert. Vielleicht liegt es ja einfach an nicht akzeptierten Cookies? Ich muß bei dir aber auch immer alles neu und umständlich eingeben.

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  3. @Gaga: Es gibt auch noch Sikkative, die den Trocknungsprozeß beschleunigen sollen, das habe ich aber nie richtig durchgetestet. Wenn es ein Rest Ölfarbe war, was hast du denn mit der anderen verbrauchten Ölfarbe gemacht?

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  4. (jetzt hab ich mal google Konto zum Kommentieren gewählt... vielleicht wars das)
    ich hatte nur Schwarz und Weiß als Ölfarbe, habe ich jeweils bei mixed media Experimenten verabeitet, kann mich aber nicht mehr en detail erinnern - jedenfalls habe ich nie ein reines Ölbild gemalt... spielt mir etwas in die Karten, dass ich eher selten Farbverläufe anpeile... warst du eigentlich damals in der Van Gogh Ausstellung im Barberini? Mir fiel bei vielen Bildern unangenehm, ja störend auf, dass sie - gerade wenn sie dunkel gehalten waren - zu stark glänzten, man wusste oft nicht, aus welchem Winkel man draufschauen soll, um sie mal ohne Reflexe wirken zu lassen. Vermutlich hat Vincent Van Gogh immer brav mit Firnis abgeschlossen. Picasso hat das für sich abgeschafft, und einige andere Maler auch vor ihm. Da führt zu einem organischen Alterungsprozess, vermeidet aber den hässlichen Oberflächenglanz und vergilbte Firnis.

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    1. Das ist ja bei meinem Bild auch so, daß es relativ stark glänzt und dunkel ist, allerdings kann ich mich nicht erinnern, jemals Firnis besessen zu haben. Es ist aber in der Tat das einzige meiner Ölbilder, das so stark glänzt, keine Ahnung, ob ich damit etwas besonderes angestellt habe. Normalerweise habe ich mich eher nicht um Zusätze wie Sikkative oder um Firnisse gekümmert, sondern einfach nur gemalt. Das ist ja eh irgendwie eine Wissenschaft für sich, ich hatte aber nie die Geduld, mich theoretisch damit zu befassen. Ich besitze jedoch ein ebook in Englisch über giftfreie Ölmalerei, das hatte mich mal interessiert. Vielleicht komme ich irgendwann mal dazu, es zu lesen.

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    2. Bei diesem Ölbild übrigens hatte ich das Problem, daß es jetzt nach Jahrzehnten eine weiße Schicht gebildet hatte. Das habe ich aber mit Seife und Schrubben leidlich wieder wegbekommen: Bilderpocken
      Dafür glänzt es aber nicht. Ich weiß nicht, was ich da anders gemacht habe. Man hätte alles, was man benutzt hat und jeden Arbeitsschritt aufschreiben sollen, um das später nachvollziehen zu können.

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    3. Das war wohl ein Pilz.... gut wegbekommen - die Gaugin-inspirierte (behaupte ich mal...) Serie ist schön - die großen, erfolgreichen Maler machen ihre Kollegen-Inspiration offensiv kenntlich, dann heißt es z. B. "nach Matisse" - wie bei Picasso, der Bildtitel beinhaltet den Inspirationsgeber, am Ende wird es dann doch ein picassoesker Matisse oder ein matisse-esker Picasso :-) Das hebt dann den eigenen Stil noch hervor, weil man den Unterschied deutlich erkennt - der ist das ureigene...
      Im vorletzten Eintrag erwähnst du ein "peinliches" Bild mit hohen Klickzahlen, welches ist das?

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    4. Es ist das Bild meines musikalischen Teenieschwarms: Einfach rechts unter "Beliebte Posts" schauen - dort ist es an erster Stelle. ;-)

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  5. Finde ich gar nicht peinlich, sondern rührend. Auch mit Hingabe gezeichnet, das spürt man.

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    1. Das Bild ist vielleicht nicht peinlich, aber der Schwarm schon. Jedenfalls kann ich heute nicht mehr nachvollziehen, was mich da geritten hat. Aber bei Mädels in diesem Alter scheint sowas generell normal zu sein. :-))

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  6. An mir ging der junge Mann komplett vorbei, Boy Groups waren nicht meins. Aber ich hab mir gerade seine fb-Fotos angeschaut, er ist sehr naturverbunden, was ihn sympathisch macht. Ich hätte gedacht, er ist schwul, aber da gibt es wohl diverse Kinder... ich glaube, es gibt peinlichere Leute, ohne ihn zu kennen. Mir geht es aber schon auch so, dass ich heute nicht mehr komplett nachvollziehen kann, warum mir der Schlagersänger Chris Roberts ("Du kannst nicht immer siebzehn sein", "Die Maschen der Mädchen") als Kind (mit ca. 7 - 9) Verliebtheitsgefühle verursacht hat. Bei Jürgen Drews versteh ich es noch eher, der war gutaussehend, cool, lässig und eloquent. Nun ja. :-)

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    1. Mir ist er gar nicht mehr sympathisch, obwohl er auf Fotos natürlich immer gut und sympathisch aussieht. Aber seine Art ist mir inzwischen unsympathisch. Ich weiß nicht, ob das erst mit der Zeit als Star sich so eingeschlichen oder doch schon immer so war, ohne daß mich das früher gestört hätte. Ich habe mal seine Autobiographie "My Take on me" gelesen und fand das ganze Buch komplett nichtssagend und gleichzeitig eitel und protzig. Natürlich kann ich mich irren, aber ich habe den Eindruck, daß er zu diesen Typen gehört, welche die ganze Zeit allein über sich reden, mit ihren Statussymbolen und ihren Erfolgen protzen, während sie im Grunde nichts zu sagen haben und einfach nur langweilen. Kann natürlich sein, daß er privat doch ganz anders ist, und das in der Autobiographie nur so rüber kommt, trotzdem glaube ich nicht, daß er diese Art der Intelligenz hat, die mich heute noch erotisieren würde. Ist halt doch nur das Aussehen, was mir wohl heute nicht mehr reicht. Und seine Stimme kann ich inzwischen gar nicht mehr ertragen, zumindest in den meisten Liedern. Es gibt nur ganz wenige, wo er mal nicht so schrill und hoch gesungen hat. Jürgen Drews besitzt zumindest einen lässigen Humor und kann auch über sich selbst lachen. Zu Chris Roberts kann ich gar nichts sagen, ich wüßte nicht mal, wie der aussieht. Wenn es um Schlager geht, habe ich als kleineres Mädchen ja eher bei Karel Gott glänzende Augen bekommen. :-)))

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    2. Da fällt mir noch ein, dass ich im Grundschulalter mal ein „Ölbild” gemalt habe. Mangels an Ölfarbe habe ich das damals mit Tempera (?) – oder wahrscheinlich war es eher nicht mal das, sondern nur mein großer Tuschkasten mit Deckfarbe –, das ich mit einem seidenmatten Lack oder so (keine Ahnung) übergepinselt habe. Für mich sah es damals wie ein echtes Ölbild aus ... Das gibt es auch schon lange nicht mehr.

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