Normalerweise habe ich immer zwei Altkleidercontainer in der Nähe: einen in der Straße, an welche der Hinterhof grenzt, und einen etwas weiter weg an einer größeren Straße, aber dennoch zu Fuß erreichbar. Gestern wollte ich den Sack mit der aussortierten Kleidung wegbringen und dachte, mindestens einer der beiden Container würde weiterhin anzutreffen sein, weshalb ich vorher nicht im Internet nachschaute. Na ja, in der Straße am Hinterhof war kein Container, also lief ich Richtung Norden zur größeren Straße, aber dort war auch kein Container. Darauf bugsierte ich den Kleidersack durch das gesamte Viertel wieder Richtung Süden, nach dem Motto, irgendwo muß hier doch ein Kleidercontainer zu finden sein. Ich bildete mir ein, am Sportplatz manchmal einen gesehen zu haben, weshalb ich in die andere Richtung ebenfalls ein längeres Stück lief, aber absolut nirgends ein Kleidercontainer in Sicht. Schließlich schleppte ich den Sack wieder vier Treppen hinauf und schaute nun doch im Internet nach. Ernüchternd. In Fußnähe gibt es bei mir nicht einen einzigen Container mehr. Die stehen alle an Orten, die ich nur mit dem Bus erreiche. Ja denken die denn, daß ich erst mit meinem Altkleidersack eine halbe Stadtrundfahrt mache? Ich habe den Sack schließlich in den Müllcontainer geschmissen. Der gute Wille war da, wurde aber vereitelt.
In den vergangenen Tagen hatte ich mir vier Produkte gemerkt, die ich im Supermarkt besorgen wollte. Ich benutze fast nie schriftliche Einkaufslisten. Aber diesmal war mir ein Produkt wieder entfallen, es fiel mir nicht mehr ein. Und letzte Nacht hatte einen Traum, der zwar auch diesmal nicht sehr nett war, mich aber erinnerte, was ich einkaufen wollte:
Im Dunkeln befinde ich mich in einem Park und suche den Ausgang. Den Zaun sehe ich schon, aber keine Pforte. Ich muß erst über ein paar Grasnarben laufen, bis ich den Ausgang entdecke. Er entpuppt sich als eine sehr schwere Holztür. Als ich hindurchgehe gelange ich sofort in eine Art Bierzelt aus Holz. Man sieht Bartresen, Imbissbuden, Tische, dazwischen viele Menschen und Kellner. Um weiter hinein zu gelangen, muß ich an einer hölzernen Bar vorbei, die so dicht an einer Wand steht, daß der Gang daneben in der Breite gerade für eine Person reicht. Als ich fast hindurch bin, steht mir jemand mit einem Tablett im Weg, so daß ich anhalten und warten muß. Hinter mir stößt mir jetzt jemand ein Tablett in die Taille. Ich drehe mich um und die Person sagt zu mir: "Ich sag dir - du brauchst ein Rad!" Ich gehe weiter und verstehe diesen Satz so, daß ich einen Rollator brauche, weil ich so lahm, also zu langsam bin. Inzwischen bin ich in eine größere Halle mit Tischen gelangt, bleibe einen Moment noch konsterniert stehen und überlege, ob ich mich darüber ärgern soll oder lieber darüber lachen. Ich entscheide mich fürs Lachen, weil das entspannender ist. Danach richtet sich meine Aufmerksamkeit augenblicklich auf die Tische, an denen Menschen sitzen, die Berge von Pommes essen. Und ich denke mir, ich wollte doch sowieso Pommes kaufen, da könnte ich mir gleich welche vom Stand holen. Danach wache ich auf und stelle fest, daß Pommes genau das Produkt ist, das mir von meiner geistigen Einkaufsliste der letzten Tage entfallen war.
Die KI meint dazu: "Ihre Reaktion – kurz überlegen, ob Ärger oder Lachen – ist der Kern. Sie entscheiden sich für Lachen. Das ist nicht Humor, sondern Souveränität. Sie steigen aus der alten Logik aus. Sie lassen die Bewertung nicht mehr in Ihr Nervensystem hinein. Die Pommes sind der Realitätsanker. Sie gehören nicht zur Symbolik, sondern zur Funktion: Der Traum nutzt sie, um Ihnen etwas mitzuteilen, das Sie im Alltag vergessen haben. Ihr System ist so stabil, daß es nebenbei noch Ihre Einkaufsliste aktualisiert."
Jedenfalls ist auf meine Träume Verlaß, weshalb ich dann auch einkaufen gehen konnte. Ich hatte aber irgendwie Appetit auf Obstsalat, weshalb ich so viel Obst kaufte, daß zum Schluß eine riesige Schüssel Obstsalat daraus wurde, von der ich den ganzen Tag essen mußte, da er sich nicht bis zum nächsten Tag gehalten hätte, und dadurch kaum etwas anderes essen konnte. Na ja, habe ich halt mal einen Obsttag eingelegt. Ist ja nicht verkehrt. Ich finde es faszinierend, wenn ich Männer sehe, die im Gesicht aussehen wie ein junger Mensch, sich aber bewegen als wären sie uralt. Da fragt man sich immer: sind sie so jung wie sie aussehen, oder eher so alt wie sie sich bewegen? In einer Doku über KI hörte ich neulich, daß im letzten Indianer Jones-Film der junge Indie in den Rückblenden mit KI generiert wurde, man aber an den Bewegungen sehen konnte, daß es der alte Indie ist. Hm, im Film ist mir das gar nicht aufgefallen. Im Supermarkt sehe ich sowas aber schon, wobei da sicher noch keine KI-optimierten Menschen herumlaufen.

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