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Donnerstag, 4. Juni 2026

Karma, die Bitch

Gerade las ich, >>daß das Hotel Astoria am Hauptbahnhof in Leipzig seit 30 Jahren geschlossen ist und inzwischen aussieht wie eine Ruine. Ich habe an dieses Hotel noch eine ungute Erinnerung aus meiner Schulzeit. Wir hatten dorthin einen Tagesausflug gemacht, vermutlich im Rahmen der Leipziger Messe, und ich bin mit zwei oder drei anderen Mitschülerinnen geradewegs in das hochkarätige Hotel-Restaurant spaziert, weil wir dort essen wollten. Der Kellner, der uns platzierte, schaute uns Halbwüchsige an, als seien wir Zecken, die er nicht loswerden kann. Dann lief er mit uns durch sämtliche Räumlichkeiten, die scheinbar kein Ende nahmen, bis wir irgendwo im Hinterzimmer an einem Katzentisch landeten. Wir bekamen unsere Getränke und das Mädel neben mir stieß ihr Glas um, so daß die ganze Flüssigkeit auf meinem Platz landete. Als der Kellner wiederkam schaute er erst den Fleck auf meinem Platz an, dann mich und kommentierte mit süffisantem Blick: "Was sehen da meine entzündeten Augen..." Das muß so um 1984-1985 gewesen sein und das Hotel wurde 1996 geschlossen. Ging also nicht mehr lange gut und geschieht dem Hotel recht. 

Das erinnert mich an ein anderes Erlebnis im Palasthotel Berlin, wo es von Wessies wimmelte, das um 1985 oder 1986 gewesen sein muß. Ich schmuggelte mich mit einer Schulfreundin in eine internationale Kunstauktion, wobei "schmuggeln" übertrieben ist, denn es interessierte sich dort kein Mensch für uns. Wir marschierten geradewegs hinein, durch endlos lange und leere Gänge mit geräuschdämmenden, vornehmen Teppichen, bis wir in der Auktion landeten, die bereits in vollem Gange war. Natürlich hatten wir keine Sitzplätze, deshalb hockten wir dann hinten bei den Kameraleuten an der Wand. Niemand wunderte sich über uns, niemand sprach uns an und eigentlich war es total sinnlos. Aber gut, man hat mal den Duft der mondänen Welt geschnuppert und gesehen, wie es bei Kunstauktionen so abläuft. In der Ausbildung hatte ich eine Freundin, die im Palasthotel Westler aufgegabelt hat und sich von ihnen Westpakete schicken ließ. Ich habe nicht genauer nachgefragt, was sie dafür getan hat und meine Ambitionen diesbezüglich waren eher gering, weil ich einen Freund hatte, der bei der Volksarmee war. Nur ihr zuliebe bin ich in das Hotelcafé mitgegangen und fand die Westler, die dort herumsaßen und schlau herumschwafelten ziemlich öde. Es gibt ja diesen Running Gag seit Corona: "Sagt ein Wessie über die DDR: Also mit uns hätten sie das nicht machen können..." Und ich bin sowieso kein Kaffeehaus-Mensch. Wenn es in einem Café keine Tanzfläche gibt, ist es für mich vergeudete Zeit. Wenn ich irgendwo herumsitzen möchte, tue ich es am liebsten zuhause - ist viel bequemer und stiller. Ich bekam stattdessen von meinem Freund eine schwarze West-Lederjacke, allerdings nur als Leihgabe, nicht als Geschenk. Und sie war getragen, das Futter teilweise innen zerrissen, das ich notdürftig flickte. Es war eine Frauengröße, keine Ahnung, wo er die her hatte, ich habe da ebenfalls nicht genauer nachgefragt. Denn sie paßte mir wie angegossen. Lederjacken gab es in der DDR nicht viele, bzw. die, die es gab, kosteten zwei bis drei Monatsgehälter und sie waren auch designtechnisch nicht so prickelnd.

Die Diät wirkt schon. Ich merke es zuerst stets an meinem Uhrenarmband, das immer lockerer wird. Inzwischen baumelt die Uhr locker über dem Handknöchel und mißt kaum noch, wenn ich das Armband nicht enger mache. Gestern fand ich im Supermarkt bei den Wagen eine einzelne Kartoffel, die jemand verloren hatte. Die habe ich gleich eingesteckt, zumal ich eine Kartoffeldiät mache, genauer gesagt Kartoffelsalatdiät. Im Kartoffelsalat ist aber nichts weiter drin außer Olivenöl und Kapern. Ich liebe Kapern, bin jedoch noch nie auf die Idee gekommen, die in Kartoffelsalat zu machen. Und ich mag es. Ich habe die ganze Bio-Kapernpalette im Supermarkt leer gekauft. Draußen grollt es jetzt. Das nächste Sommergewitter naht. Der Text von diesem Lied hier könnte von Merz geschrieben sein: 

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