Der Blitzeinschlag am Freitagabend hatte doch tatsächlich meinen Zenwecker zerlegt. Dachte ich zumindest, weil der tot war und nicht mehr auf Strom reagierte. Ich vermutete, daß es das Netzteil erwischt hat. Aber ich konnte den Zenwecker wiederbeleben, er mußte nur zurückgesetzt werden, war also wohl irgendwie "eingefroren" vom Blitz. Ansonsten würde ich nicht nur einen neuen Duschvorhang brauchen, sondern auch ein neues Netzteil, und ich weiß nicht, ob so ein passendes für diesen speziellen Zenwecker überhaupt noch erhältlich ist. Aber irgendwie muß noch mehr Hochspannung in der Luft liegen, oder ich stehe unter Hochspannung, denn ich hatte wandernde Nervenschmerzen an Beinen, Hüften und ziehende Zähne. Sowas kriege ich meist bei geomagnetischen Stürmen oder Sonnenstürmen, doch die entsprechenden Info-Seiten meinten, es liege kein signifikantes Weltraumwetter vor. Vielleicht habe ich etwas vom Blitz abbekommen. Oder ich war irgendwo, wo ich nicht hingehöre. Denn eine Schlagzeile der Woche hieß: >>Erstmals wurde Zucker im interstellaren Raum entdeckt. Paßt: >>Erst gehe ich ab wie eine Rakete und dann habe ich Jetlag. *lol*
In dieser Woche stieß ich außerdem auf >>digitalisierte historische Adressbücher von Berlin, die frei zugänglich sind, und das war ein gefundenes Fressen für mich, denn ich wollte schon immer gerne wissen, wo genau das Haus meiner Großeltern stand, welches 1945 zerbombt wurde. Ich mußte ziemlich lange suchen, zum Glück kann ich aber Frakturschrift lesen und schließlich wurde ich fündig. Es war das Haus Posener Straße 4 (O 34). Blöd nur, daß in Berlin weit und breit keine Posener Straße zu finden ist. Deshalb mußte ich weiter recherchieren, wobei mir ein Webportal für historische Karten überhaupt nicht weitergeholfen hat, aber bei oldmapsonline.org für Berlin-Friedrichshain löste sich das Rätsel. Die Posener Straße ist heute die Wedekindstraße, welche 1951 diesen Namen bekam. Und das Haus lag direkt in Richtung Ostbahnhof, wo meine Großmutter in den letzten Monaten des Krieges mit anderen Frauen plünderte, um etwas Eßbares zu ergattern. Ich schätze mal, Straßenumbenennungen sind der Albtraum jeden Historikers.
Weil ich schon dabei war, schaute ich auch mal nach, wer so in meinem Haus wohnte. Vor 1932 war hier noch alles Baustelle. 1932 stand das Haus komischerweise leer, obwohl in den Nebenhäusern bereits Leute wohnten. Erst 1933 wohnten dann ein Tonkünstler, ein Schlosser, ein Installateur, ein Presser und ein Kraftwagenführer im Haus - es war also noch nicht ganz besetzt. Leider sieht man nicht, in welchen Wohnungen wer jeweils wohnte. In 1934 waren es dann schon sechs: ein Reichsbahnschaffner, weiterhin der Tonkünstler, auch der Kraftwagenführer, ein Angestellter, eine Musternäherin und ein Ww (Witwe?). Die nächsten Jahre habe ich nicht mehr recherchiert, denn das wäre zu zeitaufwendig geworden. Ich erinnerte mich daran, wie ich nach der Modernisierung, als die Kachelöfen herausgerissen worden waren, neu renovieren mußte, und an der Wand hinter dem Kachelofen alte Zeitungsblätter zum Vorschein kamen, die dort an der Wand anscheinend zur Dämmung verwendet wurden. Auch anderswo kann man historische Spuren finden. Wir haben im Haus nämlich eine äußerst charmante Kellertür. Ich glaube, die steht direkt und strikt unter Denkmalschutz, denn dem Rattengiftzettel, der kaum noch zu entziffern ist, kann man entnehmen, daß die schon 1966 so aussah, und sie hat allen Modernisierungen getrotzt. Vermutlich darf sie weder gestrichen noch ausgetauscht werden.



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