Da bin ich doch beim Wahl-o-mat für die Berlin-Wahl urplötzlich vom linken äußersten Rand an den rechten äußersten Rand gerutscht. Uppsi, wie konnte sowas passieren? Haken schlagen kann ich gut. Aber das BSW steht an zweiter Stelle, dann kann es ja nicht so schlimm sein.
Ich lese gerade die autobiographischen Aufzeichnungen des Wagner-Urenkels Gottfried Wagner >>"Wer nicht mit dem Wolf heult". Darin erfährt man unter anderem, daß in der Wagner-Familie als geheime Abkürzung für "unser seliger Adolf" "USA" benutzt wurde. Wenn ich jetzt USA irgendwo lese, tun sich Abgründe auf. Und bei nachfolgendem Textausschnitt mußte ich unwillkürlich an die böse Hexe des Westens und die böse Hexe des Ostens in "Der Zauberer von Oz" denken:
"Es war bei einem der langen Spaziergänge mit meinen Eltern und meiner Schwester. Ich wollte meinen Vater (Wolfgang Wagner - Opernregisseur in Bayreuth) nicht in eine Verteidigungsposition bringen, denn das hätte einen baldigen Gesprächsabbruch bewirkt. So betonte ich, gegen meine Überzeugung, dass ich mich quasi nur aus "rein" historischen Gründen für die Verbindung meiner Familie mit dem "Führer" interessierte. Ich fragte Vater, wie Hitler als Mensch auf ihn gewirkt habe. Er machte keinen Hehl daraus, dass "Onkel Wolf" ihn fasziniert hatte. Er beschrieb seine Begegnungen mit ihm mit zurückhaltender Sympathie. Stolz erzählte er mir auch später immer wieder, wie der "Führer" ihn in der Berliner Charité besucht hatte, wo der berühmte Chirurg Ernst Ferdinand Sauerbruch höchstpersönlich für Vater gesorgt hatte, als er im "Polenfeldzug" verwundet worden war. "Dein Onkel wurde ja durch Hitler vom Krieg freigeschrieben, und nur ich musste dem Vaterland dienen", ergänzte er. Ausführlich und begeistert berichtete er von Arbeitsdienst und Militärausbildung, wo eine einzigartige Kameradschaft geherrscht habe. Er erzählte, wie der einzige Freund seines Lebens, Emil, in einem Dorf von "hinterhältigen Polacken" umgebracht worden sei, während die "tapfere deutsche Armee" Polen erobert habe.
Und immer wieder Hitler! Für ihn war nach der nationalsozialistischen Machtergreifung eigens ein "Führeranbau" am Siegfried-Wagner-Haus errichtet worden, darin befand sich der "Führerkamin". Nach einer "Götterdämmerungs"-Vorstellung im Festspielhaus folgten mein Onkel und mein Vater Hitlers Einladung zu einem endlosen nächtlichen Gespräch am "Führerkamin" über die Zukunft der deutschen Kunst im Geist Richard Wagners als Ausdruck der Welterneuerung durch den Nationalsozialismus. Ich hatte einige Schwierigkeiten, den Wortschwall Vaters zu begreifen, stellte aber keine Zwischenfragen, um ihn nicht zum Abbrechen zu provozieren. Er berichtete weiter: "Wir saßen am Kaminfeuer, und Hitler entwarf uns seine kulturellen Zukunftsvisionen. 'Wenn wir die Welt erst einmal von den bolschewikisch-jüdischen Verschwörern gesäubert haben werden, dann wirst du, Wieland, die Theater des des Westens und du, Wolfgang, die Theater des Ostens leiten.'"
Der Herbst ist jetzt eingekehrt. Heute planschte ich bei Regen wieder etwas im Badezuber, das war nur Nieselregen. Danach bin ich aber vom Regen in die Traufe gekommen, weil es genau, als ich Einkaufen war, anfing zu schütten. Eine besondere Herausforderung bei Regen ist als Fußgänger die Überquerung der Ampel an meiner Kreuzung. Das ist, als würde man einen Bach durchwaten, weil die Straße eine einzige Delle ist. Zwar nicht gerade knietief, aber fußtief, so daß das Wasser über die Sohlen bis zum Spann hoch schwappt. Und das fast durchgängig. Die reinste Wildnis. So viel zur Infrastruktur. Außerdem pflückte ich ein paar von den reifen Pflaumen an nassen Büschen und habe noch extra Wasser dabei abbekommen.
Mit der Kommunikationsstruktur geht es auch immer mehr bergab. Neulich erhielt ich schon wieder eine behördliche Mahnung, weil eine Antwort, die ich per Post schickte, nicht angekommen war. Ich weiß nicht, ob das immer an der Post liegt, vielleicht verbummeln sie auch in den Behörden mal gerne etwas. Aber ständig alles doppelt oder dreifach kommunizieren zu müssen, trägt sicherlich auch nicht zur CO2-Bilanz und Energieeffizienz bei.

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