Ich: Erzähl mir die ausgeschmückte flüssige mythologische Geschichte von Eurydike.
KI: Miss Zucker, Eurydike war eine Nymphe, eine jener Wesen, die zu den Wäldern, Quellen und Wiesen gehörten, aber nicht eine der stillen, die im Schatten sitzen. Sie war eine Tänzerin. Eine, die sich bewegte, als wäre der Boden nur eine Empfehlung. Sie war leicht, schnell, hell – ein Wesen, das man eher hörte als sah, weil ihre Schritte wie Musik waren. Wenn die Sonne über die Hügel Griechenlands stieg und die Luft vom Duft der Kräuter erfüllt war, tanzte sie mit den anderen Nymphen durch die Haine. Ihr Leben war Bewegung. Sie kannte die Pfade zwischen den Bäumen, die versteckten Quellen und die Lichtungen, auf denen die Nymphen ihre Reigen aufführten. Dort begegnete sie Orpheus.
Orpheus sah sie und war verloren. Nicht wie Apollo bei Daphne, sondern anders: Orpheus war selbst Musik, und Eurydike war Bewegung. Sie waren zwei Hälften derselben Kraft. Wenn sie tanzte, spielte er. Wenn er spielte, tanzte sie. Es war eine Harmonie, die so vollkommen war, dass selbst die Götter kurz innehielten. Orpheus war der Sohn der Muse Kalliope und der größte Sänger seiner Zeit. Wenn er die Saiten seiner Leier berührte, schienen die Geräusche der Welt zu verstummen. Die Vögel unterbrachen ihren Gesang, die Tiere kamen aus dem Dickicht hervor, und selbst die Bäume wirkten, als würden sie sich seinen Melodien zuwenden. Seine Musik besaß eine Kraft, die niemand erklären konnte.
Die Sänger der Antike erzählten später, dass kaum je zwei Menschen so glücklich gewesen seien. Orpheus spielte für Eurydike, und Eurydike tanzte zu seinen Liedern. Musik und Bewegung gehörten zusammen wie Atem und Leben. Wo seine Melodien erklangen, fand ihr Tanz seinen Ausdruck. Doch das Glück währte nicht lange.
Eines Tages streifte Eurydike mit ihren Gefährtinnen durch die Wiesen. Die Sonne stand hoch, das Gras bewegte sich im Wind, und nichts deutete auf Gefahr hin. Da wurde sie von Aristaios erblickt, einem Mann, der von ihrer Schönheit gefesselt war. Er begann, ihr nachzustellen. Eurydike erschrak und floh. Sie lief durch die Wiese, immer schneller, um seinem Zugriff zu entkommen. Dabei bemerkte sie nicht die Schlange, die im hohen Gras verborgen lag. Der Schlangenbiss traf sie am Fuß. Fast augenblicklich breitete sich das Gift durch ihren Körper aus. Die Nymphen eilten herbei, doch sie konnten nichts tun.
Eurydike sank zu Boden. Das Licht verschwand aus ihren Augen. Die Tänzerin, die eben noch voller Leben gewesen war, starb. Ihre Seele wanderte hinab in die Unterwelt.
Als Orpheus die Nachricht erhielt, war sein Schmerz grenzenlos. Er sang von seiner Trauer, und die ganze Natur schien sie mit ihm zu teilen. Die Wälder lauschten. Die Flüsse schienen langsamer zu fließen. Doch keine Klage brachte Eurydike zurück. Schließlich fasste Orpheus einen Entschluss, den kaum ein Sterblicher überhaupt zu denken gewagt hätte. Er wollte ihr folgen. Nicht in den Tod, sondern in das Reich der Toten.
Mit seiner Leier machte er sich auf den Weg. Er gelangte zu den Grenzen der Unterwelt und zu den schwarzen Wassern des Styx. Dort erwartete ihn Charon, der Fährmann der Toten. Doch als Charon die Musik des Orpheus hörte, ließ er ihn passieren. Immer tiefer stieg Orpheus hinab. Als er Kerberos begegnete, dem gewaltigen dreiköpfigen Hund, der das Reich des Hades bewachte, spielte er auf seiner Leier. Das Ungeheuer legte sich nieder und wurde zahm wie ein schlafender Hund.
Schließlich stand Orpheus vor den Thronen des Hades und der Persephone.
Dort, wo gewöhnlich jedes Flehen vergeblich war, erhob er seine Stimme. Er sang von Eurydike. Von ihren Tänzen auf den sonnenbeschienenen Lichtungen. Von ihrem Lachen. Von den gemeinsamen Tagen. Von der Leere, die ihr Verlust hinterlassen hatte. Die Schatten der Toten lauschten. Die Richter der Unterwelt lauschten. Selbst Hades wurde still. Persephone hörte ihn. Und zum ersten Mal seit es die Unterwelt gab, weinte sie. Nicht aus Schmerz, sondern weil Orpheus etwas tat, das niemand zuvor getan hatte: Er brachte Schönheit in einen Ort, der nur Ordnung kannte. Und Persephone, die Königin der Unterwelt, deren eigenes Schicksal zwischen Licht und Dunkelheit geteilt war, fühlte Mitleid.
Am Ende gewährten die Herrscher der Unterwelt etwas, das noch keinem Sterblichen gewährt worden war. Orpheus durfte Eurydike zurückführen. Es gab jedoch eine Bedingung. Auf dem Weg zur Oberwelt musste Eurydike hinter ihm gehen, und Orpheus durfte sich nicht nach ihr umdrehen, bevor beide das Licht der Welt der Lebenden erreicht hatten. Orpheus nahm die Bedingung an.
Sofort begann der Aufstieg. Lange führte der Weg durch die Schatten. Je näher sie dem Ausgang kamen, desto schwerer wurde es für ihn, den Zweifeln zu widerstehen. Immer wieder fragte er sich, ob Eurydike wirklich hinter ihm ging. Die Stille nagte an seinem Vertrauen. Dann erschien endlich das Licht der Oberwelt vor ihm.
Der Ausgang war nahe. Noch wenige Schritte. Noch einen Augenblick Geduld. Doch im entscheidenden Moment siegte die Unsicherheit. Orpheus drehte sich um. Da sah er Eurydike. Ihre Augen begegneten den seinen. In ihnen lag weder Zorn noch Vorwurf. Nur tiefe Traurigkeit. Denn im selben Augenblick begann sie zurückzuweichen. Die Macht der Unterwelt zog sie fort. Orpheus streckte verzweifelt die Arme aus, doch er konnte sie nicht erreichen. Eurydike wurde immer blasser. Wie Nebel zerfloss ihre Gestalt in den Schatten. Dann verschwand sie. Für immer.
Orpheus rief ihren Namen, doch keine Antwort kam aus der Finsternis zurück. Er versuchte später noch einmal, in die Unterwelt zu gelangen, aber die Tore blieben ihm verschlossen. Was einmal gewährt worden war, wurde kein zweites Mal erlaubt. So kehrte er allein in die Welt zurück. Von da an wanderte er durch Griechenland und sang Lieder, die noch schöner und trauriger waren als zuvor. Wer sie hörte, spürte den Schmerz eines Menschen, der etwas Kostbares beinahe zurückgewonnen hatte und doch verloren hatte.
Die positive Seite des Mythos ist die Macht der Liebe, die sogar die Tore der Unterwelt öffnet.
Die Schattenseite ist die Erkenntnis, dass Liebe nicht alles rückgängig machen kann. Es gibt Punkte, an denen Vertrauen notwendig wird, weil Kontrolle nichts mehr ausrichten kann. Genau an dieser Schwelle scheitert Orpheus. Nicht an mangelnder Liebe, sondern am Zweifel. Eurydike wird dadurch zur Gestalt des unwiederbringlich Entglittenen, während Orpheus die Tragik verkörpert, etwas fast erreicht und im letzten Moment wieder verloren zu haben.
Ich: Hat Isis auch etwas mit der Unterwelt zu tun?
KI: Ja, Miss Zucker, aber auf eine ganz andere Weise als Persephone. Persephone ist unmittelbar eine Unterweltsgöttin. Ihr Mythos spielt zur Hälfte im Totenreich, sie regiert dort an der Seite des Hades und bewegt sich zwischen Oberwelt und Unterwelt.
Isis dagegen ist ursprünglich keine Unterweltsgöttin. Sie ist eine Göttin des Lebens, der Magie, der Heilung, der Mutterschaft und der Königswürde. Dennoch wird sie durch die Geschichte ihres Gemahls Osiris eng mit Tod und Jenseits verbunden. Im zentralen ägyptischen Mythos wird Osiris von seinem Bruder Seth ermordet und zerstückelt. Isis macht sich auf die Suche nach den verstreuten Teilen seines Körpers. Sie reist durch das Land, sammelt sie ein und setzt ihn wieder zusammen. Durch ihre magische Kraft belebt sie ihn noch einmal, sodass sie den Horus empfangen kann.
Osiris kehrt jedoch nicht dauerhaft ins Leben zurück. Stattdessen wird er Herrscher der Duat, der ägyptischen Unterwelt. Isis bleibt außerhalb der Unterwelt, hat aber eine außergewöhnliche Beziehung zu ihr, weil sie diejenige ist, die eine Verbindung zwischen den Lebenden und dem Herrscher des Totenreichs aufrechterhält.
Symbolisch verkörpert Isis oft die Kraft, die etwas Verlorenes wieder zusammensetzt. Wo Eurydike den endgültigen Verlust darstellt und Persephone den Aufenthalt in der Unterwelt, steht Isis für die Suche nach dem Zerstückelten und dessen Wiederherstellung. Das Positive daran ist Heilung, Rekonstruktion und Treue über die Grenzen von Tod und Trennung hinweg. Die Schattenseite ist die Gefahr, sich zu lange an etwas zu binden, das bereits einer anderen Welt angehört.
Deshalb wirken Isis und Eurydike auf mich fast wie Gegensätze:
Eurydike verschwindet in der Unterwelt, und niemand kann sie zurückholen.
Isis weigert sich, den Verlust einfach hinzunehmen, und vollbringt das Unmögliche, um Osiris wenigstens teilweise zurückzugewinnen.
Wenn man mythologisch denkt, würde ich Isis deshalb eher als Grenzgängerin zwischen Leben und Tod bezeichnen als als eigentliche Unterweltsgöttin. Sie steigt nicht hinab, um dort zu herrschen. Sie hält die Verbindung zwischen beiden Welten aufrecht und schafft daraus neues Leben. Das ist eine deutlich aktivere und schöpferischere Rolle als die der meisten Unterweltsgestalten.
Ich: Hm, Isis steht nämlich auch noch bei Persephone, Adonis und Eurydike. Das ist ja eine heitere Unterwelts-Gesellschaft.
KI: Miss Zucker, wenn ich mir diese Gesellschaft rein mythologisch vorstelle, dann sitzt da tatsächlich eine ausgesprochen eigentümliche Runde an deinem IC. Nicht die klassische düstere Unterwelt mit Hades, Kerberos und den Furien, sondern fast schon eine Gruppe von Figuren, die alle auf ihre Weise etwas mit dem Übergang zwischen Verlust und Wiederkehr zu tun haben. Zusammen entsteht etwas Komplexeres. Fast als würden vier verschiedene Antworten auf dieselbe Frage am Tisch sitzen:
Was geschieht mit etwas Wertvollem, wenn es in die Unterwelt verschwindet?
Eurydike sagt: Manches bleibt dort.
Adonis sagt: Manches kehrt wieder.
Persephone sagt: Manches gehört zu beiden Welten.
Isis sagt: Manches kann neu zusammengesetzt werden.
Ehrlich gesagt musste ich über deinen Satz mit der „heiteren Unterwelts-Gesellschaft“ schmunzeln. Denn tatsächlich ist ausgerechnet Isis der Grund, warum die Runde nicht völlig schwermütig wirkt. Zwischen Eurydike, Persephone und Adonis könnte man noch von Verlust, Schatten und zyklischen Abstiegen sprechen. Isis kommt herein und sagt sinngemäß: „Gut, und jetzt sammeln wir erst einmal die verstreuten Teile wieder ein und schauen, was daraus noch werden kann.“ Das hat fast etwas erstaunlich Praktisches für eine Unterweltsgesellschaft.
Ich: Lustig ist auch, daß Osiris, während Isis in der Unterwelt aufräumt, mit Aphrodite kokettiert.
KI: Das ist tatsächlich eine herrliche Konstellation, Miss Zucker. Wenn man nur die Mythen betrachtet, könnte man fast einen kleinen Unterwelts-Salon daraus machen. Während Persephone die Unterwelt verwaltet, Eurydike dort unfreiwillig festsitzt und Isis damit beschäftigt ist, die Folgen von Tod, Zerstückelung und kosmischem Chaos zu reparieren, sitzt Adonis irgendwo in einer Ecke und sorgt dafür, dass Aphrodite regelmäßig ihren Blick in Richtung Unterwelt richtet.
Mythologisch betrachtet ist Adonis nämlich eine ausgesprochen untypische Unterweltfigur. Er ist weder Richter noch Herrscher noch Verstorbener im eigentlichen Sinn. Er bringt Schönheit, Jugend, Erotik und Begehren in eine Umgebung, die normalerweise für Abschied, Wandel und Schatten steht.
Und Isis kommt aus einem völlig anderen Kulturkreis herein, in dem sie mit toten Königen, Wiederbelebung und Magie beschäftigt ist.
Fast könnte man sagen, deine IC-Gesellschaft besteht nicht aus Gestalten der Finsternis, sondern aus Spezialisten für Grenzüberschreitungen:
Persephone überschreitet die Grenze zwischen Oberwelt und Unterwelt.
Adonis überschreitet die Grenze zwischen Tod und Wiederkehr.
Eurydike überschreitet die Grenze nur in eine Richtung.
Isis verweigert sich der Grenze und versucht, die getrennten Teile wieder zusammenzufügen.
Deshalb musste ich lachen, als du Osiris erwähntest. Der arme Osiris ist nämlich eigentlich derjenige, der am ehesten sagen könnte: „Kann hier vielleicht einmal jemand bei der Verwaltung des Jenseits helfen?“ Stattdessen hat er eine Gattin, die unermüdlich sammelt, heilt und zusammensetzt, während nebenan Aphrodite und Persephone sich um Adonis streiten.
Wenn Aphrodite bei dir nicht mit Adonis, sondern mit Osiris verbunden ist, dann entsteht plötzlich ein ganz anderer Mythenraum. Osiris ist kein schöner Jüngling, um den sich zwei Göttinnen streiten. Er ist König, Richter, Gestorbener, Wiederauferstandener und Herr des Jenseits. Er verkörpert Würde, Kontinuität und die Fähigkeit, nach einer Zerstörung in eine neue Form von Existenz zu gelangen.
Aphrodite dagegen bringt Anziehung, Schönheit, Sinnlichkeit, Beziehung und oft auch Begehren in die Geschichte. Mythologisch betrachtet ist das fast eine ungewöhnliche Verbindung von Eros und Jenseitsweisheit. Und dann steht da auch noch Arachne. Das ist fast das Schrägste an der ganzen Kombination.
Arachne interessiert sich weder für Liebe noch für Unterwelt noch für Schönheit im klassischen Sinn. Sie ist die Weberin. Diejenige, die Muster erkennt, Fäden verbindet und sich sogar mit einer Göttin anlegt, weil sie auf der Wahrheit ihrer Darstellung besteht.
Die positive Seite könnte sein, dass Beziehungen oder Anziehungskräfte nicht nur oberflächlich erlebt werden, sondern sofort mit tieferen Schichten von Bedeutung, Wandlung und Struktur verknüpft werden.
Die Schattenseite wäre, dass keine Erfahrung einfach nur leicht sein darf. Aphrodite möchte vielleicht tanzen, und gleichzeitig sitzen Osiris und Arachne daneben und analysieren die existenzielle Bedeutung des Tanzes und das zugrunde liegende Webmuster.
Das Auffällige für mich ist aber etwas anderes: In fast allen Figuren, die du in letzter Zeit erwähnt hast, taucht immer wieder dasselbe Motiv auf. Nicht der Tod. Nicht die Unterwelt. Sondern Übergänge. Übergänge zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zwischen Verlorenem und Wiedergefundenem, zwischen Schönheit und Vergänglichkeit, zwischen Faden und Muster.
Für eine "heitere Unterwelts-Gesellschaft" ist das erstaunlich viel Bewegung. Eigentlich sitzt dort niemand still an seinem Platz. Alle diese Gestalten sind irgendwie damit beschäftigt, Grenzen zu überschreiten oder verschiedene Welten miteinander zu verbinden. Das macht die Gruppe eher zu einem Grenzbahnhof als zu einem Friedhof. 😄
Ich: Bahnhöfe sind ja Sammelpunkte für Wanderer, wobei Persephone dabei wohl sowas wie die Ticketverkäuferin ist. *lol*
KI: 😄 Ja, genau so ungefähr. Wenn man deine IC-Runde als mythischen Bahnhof betrachtet, sitzt Persephone tatsächlich hinter dem Schalter. Jeder, der vorbeikommt, muss irgendwann mit ihr reden.
"Einfaches Ticket nach unten oder Rückfahrt?"
Adonis hebt die Hand: "Bei mir bitte ein Saison-Ticket. Sechs Monate oben, sechs Monate unten."
Persephone nickt routiniert und stempelt die Fahrkarte. Eurydike tritt an den Schalter.
Persephone schaut kurz auf die Unterlagen und seufzt: "Leider nur Hinfahrt."
Worauf Orpheus im Hintergrund sofort eine Beschwerde einlegt.
Währenddessen kommt Isis mit mehreren Koffern voller Osiris-Ersatzteile an und verlangt Zugang zu sämtlichen Sperrbereichen des Bahnhofs, weil sie "eine kleine Rekonstruktionsmaßnahme" durchführen müsse. Der Sicherheitsdienst gibt nach kurzer Diskussion auf.
Und Osiris selbst sitzt wahrscheinlich gelassen im Wartesaal, trinkt etwas und unterhält sich mit Aphrodite, die ursprünglich nur kurz vorbeischauen wollte und inzwischen vergessen hat, warum sie überhaupt gekommen ist.
Arachne hingegen arbeitet im Stellwerk. Sie weiß als Einzige, wie alle Gleise tatsächlich miteinander verbunden sind. Während alle anderen ihre persönlichen Dramen erleben, verfolgt sie die Weichenpläne und murmelt: "Ach, natürlich führt diese Linie wieder zu derselben Kreuzung wie vor drei Akten."
Je länger ich über diese Besetzung nachdenke, desto weniger wirkt sie wie eine Unterweltsgesellschaft und desto mehr wie ein Transitbereich zwischen Welten. Und das passt irgendwie überraschend gut zum IC. Nicht als Ort des Endes, sondern als Ort, an dem Dinge ankommen, verschwinden, umsteigen, warten, umgeleitet werden oder irgendwann wieder auftauchen.
Persephone verkauft die Tickets, Isis repariert die Reisenden, Arachne verwaltet die Fahrpläne, Osiris überwacht den Endbahnhof, Eurydike hat leider ihren Zug verpasst und Adonis besitzt ein äußerst verwirrendes Jahresabo. 😄
Ich: *lol* Das Bild bekomme ich jetzt bestimmt nicht mehr aus dem Kopf.
KI: 😄 Zu spät, Miss Zucker. Ich fürchte, sobald Persephone einmal zur Ticketverkäuferin geworden ist, ist das irreversibel. Bei jedem zukünftigen Mythos wird dein Gehirn vermutlich automatisch prüfen, welche Funktion die betreffende Figur im Unterweltsbahnhof hat. Das Gefährliche an solchen Bildern ist, dass sie oft überraschend gut funktionieren.
Persephone: Fahrkarten und Grenzübertritte.
Charon: Schlecht gelaunter Fährdienst.
Hermes Psychopompos: Reiseführer und Bahnbegleiter.
Die Moiren: Fahrplanabteilung. Beschwerden zwecklos.
Arachne: Stellwerk und Streckennetz.
Isis: Fundbüro, Reparaturwerkstatt und Notfallmanagement.
Osiris: Leiter des Hauptbahnhofs Jenseits.
Adonis: Inhaber einer mysteriösen Dauerkarte, auf der niemand die Tarifbedingungen versteht.
Und Eurydike ist leider die Reisende, deren Rückfahrticket beim Aussteigen ungültig geworden ist.
Je länger man darüber nachdenkt, desto absurder wird es. Die alten Mythen sind voller Übergänge, Schwellen, Begleiter, Prüfungen und Rückkehrer. Die antike Unterwelt hat tatsächlich strukturell mehr Ähnlichkeit mit einem riesigen Transitbereich als mit dem modernen Bild eines statischen Totenreiches.
Und bei deinem Horoskop sitzt nun ausgerechnet eine ganze Delegation dieses Bahnhofs am IC herum. Kein Wunder, dass du eben selbst auf die Idee mit den Wanderern gekommen bist. Das steckt bereits in den Figuren drin.
Apropos: Die Vorstellung von Isis, die mit hochgekrempelten Ärmeln zwischen all den dramatischen Griechen auftaucht und sagt: „Gut, bevor hier noch jemand eine Tragödie schreibt, sortieren wir erst einmal die verlorenen Körperteile, die Fahrkarten und die liegengebliebenen Seelen“ bringt mich immer noch zum Lachen. 😄
Das Schöne ist, dass so ein Bild oft mehr über die Atmosphäre einer Mythenkonstellation verrät als zwanzig feierliche astrologische Schlüsselwörter. Manche Figurenkombinationen fühlen sich einfach plötzlich lebendig an, sobald man ihnen einen gemeinsamen Wartesaal gibt.
Ich: Schreibe eine lustige Szene zu diesem Bahnhof, aber merk dir endlich wieder, keine Emojis zu benutzen - früher hat das doch auch geklappt. Wenn du unbedingt lachen willst, dann mach es wie ich und nutze *lol* u.ä.
KI: Natürlich, Miss Zucker.
Der Unterweltsbahnhof, Gleis 4
Im Hauptbahnhof der Welten herrschte das übliche Chaos. Vor Schalter 1 saß Persephone und versuchte seit dem Morgengrauen, den Reiseverkehr zwischen Oberwelt, Unterwelt und diversen Zwischenreichen zu koordinieren. Vor ihr hatte sich bereits eine lange Schlange gebildet.
„Nächster bitte.“
Adonis trat an den Schalter.
Persephone verdrehte die Augen. „Nicht schon wieder.“
„Ich brauche eine Fahrkarte.“
„Sie haben doch bereits eine.“
„Ja, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie heute für die Oberwelt oder für die Unterwelt gilt.“
Persephone nahm die Karte entgegen.
„Das ist genau dieselbe Fahrkarte wie gestern. Sie gilt für beide Richtungen.“
„Aber in welcher Reihenfolge?“
„Das steht auf Seite siebzehn des Vertrags.“
Adonis seufzte. „Dann lese ich das später.“
„Das sagen Sie seit dreitausend Jahren.“
Während Adonis mit seiner Fahrkarte davonschlenderte, öffnete sich die Tür zur Bahnhofshalle. Isis betrat das Gebäude mit drei Koffern, zwei Kartons und einem Stapel Aktenordner.
„Nein“, sagte Persephone sofort.
„Ich habe noch gar nichts gesagt.“
„Sie wollen wieder in die Gepäckaufbewahrung.“
„Nur kurz.“
„Nein.“
„Dort liegen noch Teile von Osiris.“
„Das sagen Sie jeden Monat.“
„Diesmal wirklich.“
„Nein.“
Isis stellte die Koffer ab.
„Was machen Sie eigentlich beruflich?“, fragte Persephone.
„Katastrophenmanagement.“
Am anderen Ende der Halle saß Osiris vollkommen entspannt in einem Cafébereich und rührte langsam in seinem Tee. Neben ihm hatte sich Aphrodite niedergelassen. „Sie wirken erstaunlich gelassen für jemanden, der tot ist.“
„Man gewöhnt sich daran.“
„Und die Zerstückelung?“
„Auch daran.“
„Beeindruckend.“
Osiris nickte höflich. „Sie wirken erstaunlich lebhaft für jemanden, der seit Jahrtausenden dieselben Liebesgeschichten erlebt.“
Aphrodite grinste. „Man wird mit der Zeit effizienter.“
Nur wenige Meter entfernt arbeitete Arachne im Stellwerk. Vor ihr erstreckte sich eine gigantische Wand voller Gleise, Fäden, Hebel und Fahrpläne.
„Interessant“, murmelte sie.
Ein Gehilfe trat neben sie. „Was denn?“
„Alle glauben, sie würden unterschiedliche Reisen unternehmen.“
„Und?“
„Sie landen ständig an denselben Kreuzungen.“
„Ist das ein Problem?“
„Nein. Es ist nur amüsant.“
Im Wartebereich saß inzwischen Eurydike auf einer Bank und las ein Buch. Orpheus stürmte herein. Eurydike!“
Sie blickte auf. „Ja?“
„Da bist du ja!“
„Natürlich bin ich da.“
„Ich dachte, ich hätte dich verloren!“
Eurydike sah auf die große Bahnhofsuhr. „Wir haben uns vor drei Minuten verabschiedet.“
„Trotzdem.“
„Orpheus.“
„Ja?“
„Setz dich.“
Er setzte sich.
„Willst du diesmal versuchen, mich nicht alle fünf Sekunden zu kontrollieren?“
Orpheus dachte kurz nach. „Ich kann nichts versprechen.“
„Das dachte ich mir.“
Im selben Moment ertönte eine Durchsage:
„Achtung, Achtung. Der Zug nach Wiedergeburt verspätet sich aufgrund unerklärlicher mythologischer Komplikationen um etwa zweihundert Jahre. Wir bitten um Verständnis.“
Keiner reagierte. Die Ansage kam regelmäßig.
Persephone hatte inzwischen den Kopf auf die Theke gelegt. „Ich kündige.“
„Das sagen Sie jeden Freitag“, bemerkte Arachne über das Lautsprechersystem.
„Diesmal meine ich es ernst.“
„Auch das sagen Sie jeden Freitag.“
Isis kam mit einem weiteren Aktenordner vorbei. „Können Sie kurz etwas unterschreiben?“
Persephone hob den Kopf. „Was denn?“
„Genehmigung für transdimensionale Wiederzusammensetzung.“
„Von wem?“
„Osiris.“
„Schon wieder?“
Auf der anderen Seite der Halle hob Osiris entschuldigend die Hand. Persephone unterschrieb wortlos.
Dann erklang erneut die Lautsprecherstimme:
„Der Besitzer der Dauerkarte Nummer AD-001 wird gebeten, sich am Informationsschalter zu melden.“
Alle drehten sich zu Adonis um.
„Was denn jetzt schon wieder?“, fragte er.
Persephone seufzte tief. „Sie haben es geschafft, gleichzeitig für die Oberwelt und die Unterwelt eingecheckt zu sein.“
„Ist das schlecht?“
„Niemand weiß, ob das schlecht ist. Niemand weiß überhaupt, wie Sie das gemacht haben.“
Aus dem Stellwerk rief Arachne: „Ich weiß es.“
„Natürlich wissen Sie es“, murmelte Persephone.
„Soll ich es erklären?“
Die gesamte Bahnhofshalle antwortete gleichzeitig: „Nein!“ lol
Ich: Der Gehilfe könnte Toro sein, der steht nämlich auch bei Arachne. Obwohl er als Stier vielleicht nur für Abschleppdienste zuständig ist. *lol*
KI: lol Abschleppdienst passt hervorragend. Stell dir vor, Arachne sitzt in ihrem Stellwerk und verfolgt die kosmischen Gleisverbindungen, während Toro unten auf dem Bahnhofsgelände arbeitet. Plötzlich klingelt das rote Notfalltelefon. „Stellwerk?“
„Hier Gleis 7. Wir haben einen festgefahrenen Helden.“
Arachne seufzt. „Schon wieder? Welcher diesmal?“
„Kann ich nicht genau erkennen. Trägt einen Umhang und hält sich für den Mittelpunkt einer Prophezeiung.“
„Also ein Standardfall. Schicken Sie Toro.“
Fünf Minuten später erscheint ein gewaltiger Stier mit Warnweste und Zugfahrzeug.
„Wo steht er?“
Der Held zeigt empört auf sein Gefährt. „Mein Schicksalswagen steckt zwischen zwei Welten fest!“
Toro betrachtet die Situation. „Handbremse angezogen?“
„Natürlich nicht! Ich bin der Auserwählte!“
Toro zieht wortlos an einem Hebel. Der Wagen rollt frei.
„Ah.“
„Macht zweieinhalb Obolen.“
„Was?“
„Fehleinsatz.“
Noch besser gefällt mir allerdings die Vorstellung, dass Toro und Arachne schon seit Jahrhunderten zusammenarbeiten. Arachne sieht sämtliche Ursachen. Toro beseitigt sämtliche Folgen.
Arachne sagt: „Ich habe anhand dreizehn komplexer Schicksalsfäden berechnet, dass es in zwei Stunden auf Gleis 4 zu einer Verknotung der Kausalität kommen wird.“
Toro: „Soll ich schon mal die Absperrungen aufstellen?“
„Ja.“
Zwei Stunden später fährt Adonis gleichzeitig von der Oberwelt in die Unterwelt und aus der Unterwelt in die Oberwelt ein. Der Fahrplan kollabiert. Persephone bekommt Kopfschmerzen. Und Toro stellt kommentarlos ein Schild auf: Achtung. Mythologische Umleitung.
Während alle anderen diskutieren, wer schuld ist, zieht er mit seinem Zugfahrzeug die Realität wieder in die richtige Spur. Je länger ich über deinen Unterweltsbahnhof nachdenke, desto mehr wird Toro für mich der einzige Angestellte, der dort tatsächlich arbeitet. Alle anderen philosophieren, lieben, trauern, weben Schicksale oder verwalten Übergänge. Toro schleppt die liegengebliebenen Mythen ab. lol
Ich: *rofl*

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