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Donnerstag, 30. August 2018

Michael läßt mich nicht allein

"Wir können nicht alle Königinnen sein, denn es muß auch jemand da sein, der klatscht, wenn ICH vorbeigehe." Das stand gestern auf einem Bauzaun, als ich auf dem Nachhauseweg vom Zumba war. Ich applaudiere mir allerdings selbst, nämlich dafür, daß ich den gesamten Tag meine Küche ausgemistet, aufgeräumt und geputzt habe, und dann, obwohl total fertig und mit wenig Lust, trotzdem noch zum Zumba gegangen bin. Eigentlich hätte ich lieber die Beine hochgelegt, zumal ich inzwischen schon so eine Art Dauermuskelkater habe, was nicht sehr motivierend für Bewegung ist und meinen Bewegungsumfang einschränkt. Ich kann mich gar nicht mehr an irgendwelche Tage erinnern, an denen ich keinen Muskelkater habe. Zum Glück war das Training diesmal recht moderat und weniger anstrengend. Zu Hause schaltete ich jedoch den Fernseher ein, wo auf Pro7 ein langer Michael Jackson-Abend lief, und bei den Konzertmitschnitten konnte ich nicht an mich halten und tanzte spontan zu einigen Choreografien mit, was erstaunlicherweise recht gut klappte. Die sind teilweise einfacher als ich dachte. Überhaupt ist das manchmal komisch - es gibt Bewegungen und Schrittfolgen, die sehen total einfach aus und wenn man sie nachmachen will, ist es plötzlich Schwerstarbeit und man denkt nur noch: "Boah, was ist das denn?" Und es gibt Bewegungen und Schrittfolgen, die sehen richtig einschüchternd und schwer aus, aber wenn man sie dann nachmacht, denkt man sich: "Hm, so schwer ist das gar nicht." Faszinierend wie sich manche Bewegungen tarnen können. Tarnung ist alles, auch beim Tanzen! Und das war dann gestern meine zweite Zumba-Einheit.

Im Flur stehen jetzt mehrere Beutel mit einem Wok, einer Pfanne, zwei Kochtöpfen, einem Fondue-Set, das ich mal geschenkt bekam und nie benutze, Silikon-Eisformen, Lunchboxen, Keksformen, alten Quirls und anderen Küchenhelfern, die es zu entsorgen gilt. Vorhanden ist immer noch genug. Jedenfalls alles was ich brauche.

Außerdem erhielt ich die Benachrichtigung, daß in der diesjährigen Gedichte-Anthologie wieder ein Gedicht von mir dabei sein wird. Ich zehre ja immer noch von meinem Frühwerk. Ein Spätwerk steht in den Sternen. Im Moment habe ich andere Kinder. Mir scheint auch, daß Tanzen nicht sehr förderlich für das Sprachzentrum ist. Tanzen ist zwar ansonsten für alles mögliche gut, aber mit der Sprache verhält es sich antagonistisch. Beim Tanzen ist man völlig im Körper, zumindest sollte es so sein, damit es erfreuliches Tanzen ist, und beim Schreiben im Kopf. Aber ähnlich wie bei körperlichen Fähigkeiten, muß man anscheinend die sprachlichen Fähigkeiten ebenfalls trainieren, wenn man nicht abbauen will. Doch im Rückblick, nach all den Veränderungen, die ich bisher durchlaufen habe, kommt es mir so vor, als ob dieses Bedürfnis, Gefühle durch Schreiben auszudrücken, eigentlich nur dadurch zustande kommt, daß man diese Gefühle im Körper irgendwo blockiert. David Lynch ist mal zu einem Psychotherapeuten gegangen und hat diesen gefragt, ob durch eine Therapie die Kreativität beeinträchtigt wird oder verloren geht. Das könne passieren, antwortete der Therapeut. Worauf David Lynch eine Therapie ausschloß und wieder ging. Das ist ja mal konsequent.

1 Kommentar:

  1. P.S.
    Habe heute seit Monaten wieder das erste Heißgetränk getrunken.

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