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Freitag, 24. Juli 2020

Trödel-Yoga

Ganz toll, heute tanzte ich drei Stunden, bin aber irgendwie aus Versehen auf den Umschalter zwischen den beiden Kameras im Handy gekommen und habe deshalb nur die ganze Zeit mein Fenster aufgenommen statt mich. Aufgefallen ist mir das nicht, da ich ja immer mit der hinteren Kamera filme, weil nur diese die 60 fps hat und auch weil mich das Display beim Tanzen zu sehr ablenkt. Das heißt, mir sind jetzt nur die 13146 Schritte auf meinem Fitnesstracker geblieben. Das Tanzen an sich war aber ebenfalls nicht so toll. Irgendwie bin ich gerade nicht in Form und habe das Gefühl von Schwäche in Armen und Beinen. Keine Ahnung, wieso. Ist vielleicht einfach nicht mein Tag. Und vermutlich ist es dann auch besser, nicht zu sehen, was man zusammengetanzt hat.

Zur Zeit ist mir eigentlich eh mehr nach Trödel-Yoga. Trödeln ist im Grunde eine weitere geheime Superkraft von mir und seine geheimen Superkräfte soll man ja dann und wann zelebrieren. Vielleicht habe ich mir sogar nur deshalb Yoga ausgesucht, weil man das auf erdenklich unterschiedliche Arten betreiben und dabei sogar seine eigene individuelle Art finden kann. Das funktioniert natürlich eher nicht, wenn man in Gruppen übt, deswegen hatte ich noch nie besonders großes Interesse an Yoga-Kursen, da ich mich beim Yoga doch lieber auf mich und meinen Körper konzentriere und diesen als einzige Autorität anerkenne. Nur so lernt man wirklich etwas über seinen Körper und turnt nicht nur vorgebene Körperhaltungen nach. Dazu gehört ebenfalls, daß man verschiedene Möglichkeiten der Bewegung ausprobiert und so selbst erfährt, was förderlich  und unterstützend ist und was doch nicht so gut kommt und man eher meiden sollte. Wenn man es nicht ausprobiert, lernt man das Körpergefühl und die Signale sonst gar nicht zu unterscheiden und wahrzunehmen. Ich kann es ja verstehen, daß in Kursen oft Angst vor Fehlern gemacht wird, da es genug Leute gibt, die Yoga ausschließlich als Sport betreiben und sich dabei nur von ihrem Ego lenken lassen, statt von ihrem Körper. Denen muß man wahrscheinlich ein bißchen Angst machen, weil sie sich sonst tatsächlich selbst schaden. Man muß aber ausschließlich dann wirklich Angst vor Fehlern haben. Wenn man die eigenen Körpersignale achtet und sie wahrnimmt, gibt es keine Fehler mehr, sondern nur noch Erfahrungen. Und vor allem kann man so in seinem individuellen Tempo bleiben und in einer Asana, die gerade gut tut, länger verweilen und immer selbst entscheiden, wie weit man geht und ob es mal anstrengender sein darf oder entspannter.

"Mein Yoga" war schon immer eher langsam, ähnlich dem Yin Yoga, in welchem Asanas eine bis zwei Minuten gehalten werden. Power-Yoga ist gar nichts für mich - wenn ich Power haben will, dann tanze ich. Trotzdem ist "mein Yoga" nochmal etwas anderes als Yin Yoga und deshalb nenne ich es Trödel-Yoga. Wobei ich das originale Trödel-Yoga auch nicht sehr oft mache, da es einfach zu zeitintensiv ist. Wenn ich wenig Zeit habe, übe ich nur zwei bis zehn Minuten, manchmal verteilt über den Tag, mit zwei bis fünf Asanas, strebe es aber immer an, mindestens eine Minute zu halten. Allen sonstigen Schnickschnack lasse ich weg. Manchmal mache ich bestimmte Yoga-Übungen auch, weil ich ein bestimmtes Ziel damit verfolge, und setze mir dann eine wöchentliche Challenge. Dabei kommt das Trödeln eher zu kurz, denn wenn ich schon vorgegebene Übungen habe, paßt das nicht mehr so richtig zum Trödel-Yoga. Normalerweise habe ich überhaupt keine festen Flows und Abfolgen, sondern orientiere mich da hauptsächlich spontan und intuitiv aus dem Moment heraus.

Das ist ein wichtiges Merkmal des Trödel-Yoga: keine vorgegebenen Abfolgen und Übungen, sondern einfach den Körper entscheiden lassen, wie er sich jetzt am liebsten verbiegen möchte, wobei er gerade am besten entspannen kann.  Ein zweites wichtiges Merkmal sind zusätzlich zu den Übungen eingebaute Massagen. Fußmassage, Kopfmassage, Faszienmassagen, Fakirmassagen. Meist mache ich die Massagen vorher, manchmal kombiniere ich aber auch die Massage mit einer dazu passenden Asana. Auch Düfte mag ich gerne dabei, aber keine Räucherstäbchen, von denen wird mir schnell schlecht. Mehr so vernebelte ätherische Öle oder einfache Duftkerzen. Dazu bei entsprechender Stimmung entspannende Klänge oder Naturgeräusche. Und das dritte Merkmal: sich wirklich richtig viel Zeit nehmen zum Genießen! Das Atmen genießen, das Verbiegen genießen, das Dehnen genießen - und zwar lange. Man könnte meinen, das geht beim Yoga nicht, wenn es manchmal schmerzhaft ist, aber es gibt Asanas, die sind nur beim Reingehen ein bißchen ziepig und wenn man sie dann länger hält, wird es total wohlig und entspannt. Mein Favorit ist hier die liegende Katze. Wenn ich reingehe, ziept mir meist die linke Schulter, aber wenn man dann gleichmäßig atmet und ein ganz klein wenig hin und her schwingt, entspannt sie sich nach ein bis zwei Minuten und dann könnte ich bis zu einer halben Stunde in dieser Stellung liegen bleiben, was für außenstehende Personen vermutlich etwas seltsam aussehen würde. Aber es ist absolut angenehm, weil man das Gefühl hat, daß jeder Wirbel einzeln massiert wird und sich einrenkt. Ich vermute ja, daß Leute, die behaupten, daß sie Yoga nie zu Hause machen, weil sie sich dazu nicht aufraffen können, einfach nicht wissen, daß man Yoga auch genießen kann. Sobald man etwas genießen kann, macht man es von ganz alleine immer wieder, sei es nun Yoga, Tanzen oder sonst eine Fitness - es ist ja auch sehr individuell, was ein jeder genießt. Manch einer hat vielleicht mehr Genuß dabei, schwere Gewichte zu stemmen.

Auf diese Weise kann ich dann schnell auch mal ein paar Stunden verbringen. Wenn ich so großzügig meine Zeit vertrödel (aber lieber entscheide ich selbst, womit ich meine Zeit vertrödel, als daß ich sie mir von anderen stehlen lasse), brauche ich natürlich einen kleinen Zeitgeber, damit ich nicht ganz den Überblick verliere. Dazu gibt es im Android-Store jede Menge Yoga- und Workouttimer, allerdings hatte ich noch nie Lust, zum Yoga mein Smartphone einzuschalten. Ich finde das Smartphone eher störend und ablenkend, generell, aber vor allem beim Yoga. Deshalb habe ich bisher lieber meinen Zen-Wecker benutzt, bei welchem ich auch einen Countdown auf Wiederholung stellen kann. Der Zen-Wecker hat einen Klangstab mit Schlegel, nur leider empfinde ich den Ton nicht wirklich als schön. Man kann ihn auf "hoch" und auf "niedrig" stellen - wenn er hoch ist, klingt er sehr schön hell, ist mir aber zu laut, wenn er niedrig ist, hat er zwar eine angenehme Lautstärke, klingt aber dumpf. Und der größte Nachtteil - der Ton schwingt nicht nach. Ich finde ja, daß Klänge, die nach- und sich ausschwingen, das größte Entspannungspotential haben, weil sie einen quasi in die Stille mitnehmen. Jetzt kam ich erst letztens drauf, daß ich nicht mehr Win 7 auf dem Notebook habe, sondern Win 10, und daß man dort im Appstore mal nach passenden Apps suchen könnte, zumal ich das Notebook sowieso fast immer laufen habe. Das tat ich und war erst ein wenig enttäuscht, denn im Gegensatz zu Android ist bei Windows zum Thema Yoga echt tote Hose. Ich fand aber einen sehr frei mit Bild und Audiofile konfigurierbaren Timer. Für diesen nahm ich einige Sekunden aus Koshi-Klangbeispielen auf und kann nun die jeweils schönsten Windspielklänge hinterlegen. Unsere Kursleiterin vom Contemporary-Kurs hatte so ein Klangspiel und hat es immer zum Ende der Endentspannung erklingen lassen. Schon da fand ich den Klang bezaubernd. Manchmal ist sie mit dem Klangspiel auch im Kreis um uns herumgelaufen, während wir auf den Matten lagen. So einen 3D-Effekt habe ich mit dem Timer natürlich nicht, aber dieses minütliche sanfte Klingen finde ich sehr viel schöner als den Schlag meines Zen-Weckers. Hier kann man sich übrigens alle Koshi-Klangspiele mal anhören, die es als Erde, Luft, Wasser und Feuer gibt: https://soundcloud.com/user-693281221/sets/listen-to-our-chimes Und so ist Trödel-Yoga nun noch entspannender.

Trödel-Yoga

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