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Mittwoch, 14. April 2021

Unverantwortliche Inzidenz-Gläubigkeit

Die neue Änderung des Infektionsschutzgesetzes ist ja generell sehr umstritten. Mir persönlich will dabei vor allem nicht in den Kopf, daß diese extremen Maßnahmen alleine vom Inzidenz-Wert abhängig gemacht werden, einem Wert, der durch Tests ermittelt wird, die eine hohe Fehleranfälligkeit aufweisen und ausschließlich Hilfsmittel sind. Im übrigen sagt der Inzidenz-Wert alleine noch nichts über die Häufigkeit schwerer Verläufe und die Belegung der Intensivstationen aus. Nach der letzten MPK hatte man den Eindruck, das dies inzwischen auch bis zum letzten in der Regierung vorgedrungen sei, denn auf einmal hieß es, man müsse künftig andere Zahlen und Gegebenheiten mehr in die Entscheidungen einbeziehen. Tja, anscheinend war dies aber nur leeres Gerede und die Regierenden sind noch immer fernab jeder Realität.                                                   
Daß nicht nur ich das so sehe, zeigt der offene Brief, den der Vorgänger Dr. Drostens Detlev Krüger und der Epidemiologe Klaus Stöhr an den Bundestag gerichtet haben:


Ich selbst habe Verwaltung studiert und dort wurde uns im Verfassungs- und Staatsrecht, im Verwaltungsrecht und im Ordnungsrecht der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel bis zum Erbrechen eingetrichtert. Hier kann ich nirgends mehr eine Verhältnismäßigkeit erkennen, wenn alleine von einem Inzidenz-Wert solche Maßnahmen wie Ausgangssperren und strengste Kontaktbeschränkungen auf nur noch eine Person am Tag (ausschließlich im privaten Bereich) abhängen, zumal die Ansteckungsgefahr im Freien bei weitem geringer ist als in Innenräumen. Dies hat auch letztens ein Gericht festgestellt, welches die Ausgangssperren kippte, da es sie als unverhältnismäßig ansah. Es gäbe mildere Möglichkeiten zu verhindern, daß sich größere Gruppen von Menschen irgendwo treffen. 

EDIT 16.04.2021: Ich habe mal ein paar Zahlen zum Nachdenken über die Verhältnismäßigkeit aus öffentlichen Kommentaren gesammelt, die sind allerdings nicht überprüft.

"Von 140.000 Einwohnern bei uns Im LK Vechta liegen 4 mit einem positiven Test auf den Intensivstationen der Krankenhäuser. Das sind 0,0028 Prozent der Bevölkerung im LK. Ab Samstag haben wir dann eine Ausgangssperre."

"Für mich ist es echt unverständlich warum nur auf den Inzidenzwert geschaut wird. Bei uns im Landkreis, nahe der Grenze zu Tschechien und Österreich, mit rund 80.000 Einwohnern liegt dieser seit Oktober nahezu durchgehend über 100. Gerade mal zwei Wochen waren es unter 100. Und das obwohl wir bereits seit Dezember letzens Jahres die Ausgangsperre haben!!!"

"Wir haben 101.014 Einwohner in unserem Landkreis. Positiv getestete liegen bei 0,25%, 3 werden im Krankenhaus behandelt. Heist nicht das sie auf der Intensivestation beatmet werden. Und nun wird wieder alles runter gefahren...."

"Ist bei uns ähnlich. Ort mit 1000 Einwohnern, ein positiver, aber asymptomatischer, Getesteter, Inzidenz 100. Hochgerechnet auf den gesamten Landkreis wird gleich alles dicht gemacht. Es ist unfassbar, mit welcher Unlogik hier Panik verbreitet wird."

"Inzidenz 100 pro 100.000 bedeutet 1 zu 1000. Das heißt, in einer kleinen Gemeinde mit 1.000 Einwohnern reicht eine einzige Person mit einem positiven PCR-Testergebnis aus, um das Leben aller im Dorf komplett stillzulegen. Kommt noch der Ehepartner ebenfalls mit einem positiven PCR-Testergebnis hinzu, liegt die Inzidenz schon bei 200 und das führt dann für die restlichen 998 gesunden und/oder ungetesteten Mitmenschen zu einem harten Lockdown.
Wenn die beiden sich symptomlos haben testen lassen, weil sie einkaufen oder zum Friseur wollten, werden sich die anderen 998 Menschen im Dorf bestimmt gerne bei den beiden herzlich bedanken!"

"wir haben im Neckar Odenwald seit gestern Ausgangssperre'...146000 Einwohner , 66 neu positiv getestet , eine Tote ( 90 Jahre alt ) die Fläche des Neckar Odenwald sind ca 157738 Fussballfelder ......dh...die Fälle sind bei Fussballfeld 1 aufgetreten und in Ausgangssperre' müssen alle..."

Kommentare:

  1. Wie soll man sagen, das Unwort des letzten Jahres ist schon längst bittere Wirklichkeit geworden. Demnächst werden bestimmt noch die Wahlen abgesagt, man könnte ja - wohl verdient - verlieren. Die Inkompetenz, konstruktive Lösungsvorschläge anzugehen und umzusetzen, scheint aber allgemein in der EU weit verbreitet zu sein.

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    1. Es gibt ja viele, die unken, daß die Wahlen ausfallen werden. Ich persönlich glaube das nicht. Zumindest wird man den Schein von Demokratie waren. Und ich bin mir gar nicht so sicher, ob es von Angela Merkel nicht so gewollt ist, wenn ihre Partei diesmal keine Mehrheit hat. Jedenfalls hat man bei diesem Mist, der gebaut wird, oft das Gefühl - so doof können die doch gar nicht sein, da muß mehr dahinter stecken.

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  2. Warum soll sie keine Mehrheit wollen, sie gibt ihr Amt und die damit einhergehenden Lasten doch sowieso ab (jedenfalls, falls die Wahl stattfindet)

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    1. Na vielleicht, weil sie weiß, was sie sich da für Kasperl herangezüchtet hat? Und nur weil sie ihr Amt abgibt, muß das ja nicht bedeuten, daß ihr egal ist, was hinterher geschieht, sondern gerade jetzt hat sie noch Gelegenheit, richtig viel Einfluß auch auf die Jahre nach ihrer Amtszeit zu nehmen.

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    2. Anscheinend stehe ich mit meiner Einschätzung nicht alleine da. Hier eine ähnliche interessante Einschätzung:
      https://reitschuster.de/post/warum-merkel-keinen-cdu-wahlsieg-moechte/

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