Uff, heute war es soweit - der Maler war wegen der Außenfenster hier. Schon kurz vor 7:30 h stand er vor der Tür. Eigentlich sind die meisten Außenanstriche bis auf das Wohnzimmer und die Balkontür noch in Ordnung gewesen, deshalb hoffte ich, es geht relativ schnell und er macht nur da etwas, wo es notwendig ist, aber er erklärte, auch die Anstriche, die in Ordnung sind, müssen überstrichen werden, also alle. Da bei der Balkontür am Innenrahmen die Farbe abzublättern begann, weil ich sie nachts immer etwas offen habe, fragte ich ihn, ob er das mitmachen würde, wenn ich es bezahle, weil Innen ja in meine Zuständigkeit fällt. Er machte ein paar Fotos und meinte, er müsse den Chef fragen. Nachdem er in der Küche gearbeitet hatte, dachte ich das sei erledigt, aber erfuhr, das war der erste Anstrich, es kommt noch ein zweiter. Ich hatte schon Panik, ob er das alles an einem Tag schafft oder noch zu einem nächsten Termin kommen muß. Ich war ja sowieso froh, daß es kurzfristig heute mit einem Termin geklappt hatte, wenn es in Berlin angenehme 20 - 22 Grad sind. Bei Hitze hätte ich das nicht mitgemacht, da brauche ich geschlossene Fenster und Türen.
Später kam er mit dem Chef, der sich alles anschaute und grünes Licht gab, damit auch der Rahmen und die Innenseite der Tür ausgebessert wird. Dieser erzählte, daß wohl die Denkmalbehörde meinen Vermieter auf dem Kieker hat und irgendwelche Begehungen stattfinden sollen. Deswegen soll die Farbe an den Außenfenstern einheitlich sein und zwar reinweiß und nicht Eierschale wie sie an den alten Fenstern aussieht. Na ja, der Maler machte also weiter und ich war erstmal nur mit Beaufsichtigung und Wegräumen beschäftigt. Da in meinem Denkmal aber die Türen nicht gut schließen, wurde es schnell brenzlig, wenn überall die Fenster zum Trocknen aufstehen und Zugluft herrscht. Einen Glasschaden möchte man ja nicht noch zusätzlich haben. Und als der Maler eine halbe Stunde Mittagspause machte, verkrümelte ich mich ins Badezimmer, weil die Tür am besten schließt und es in dem kleinen Kabuff am wärmsten war. Glücklicherweise hat er dann doch alles geschafft und war sogar um ein Uhr bereits fertig, so daß ich das abhaken kann. Danach war ich aber weiterhin bis um vier Uhr mit Ordnung machen und Farbsplitter wegsaugen beschäftigt, sowie damit, die Außenfenster nachzupolieren, wenn sowieso schon alles weggeräumt ist. Denn diesen Fensterputzspaß wie in diesem Jahr werde ich mir im nächsten ganz gewiß nicht gönnen.
Weil es diese Woche so kühle Temperaturen sind, wollte ich mich eigentlich außerdem mit Mineralwasser und Melone eindecken, da es in der nächsten Woche erneut wärmer wird, aber heute bin ich einfach nur noch hundemüde. Morgen ist auch noch ein Tag. Irgendwie habe ich diesen Feuervogel, äh das Feuerpferd, unterschätzt. Ich vergesse immer wieder, wie es ist, wenn irgendjemand sich eine blöde Idee in den Kopf setzt und dann alle anderen damit in Hektik versetzt, irgendetwas kommt davon immer bei einem an, denn der Druck wird von einem zum anderen weitergegeben. Keine Ahnung, wer auf die Idee mit den gleich weißen Fenstern gekommen ist, das Denkmalamt oder noch jemand anderes, aber man kann dem nicht entkommen, höchstens auf einer einsamen Insel. Es ist unglaublich, wieviel Stress Menschen verbreiten können, vor allem, wenn sie verblendet sind. Das ist auch so ein Punkt, bei welchem ich mit der KI uneinig bin, und zwar in Zusammenhang mit Human Design. Im Human Design gibt es im Chart Zentren, die je nachdem ob sie definiert oder undefiniert sind eine bestimmte Bedeutung haben sollen. Ich selbst kann mich eigentlich mit diesen Zentren und deren angeblicher Bedeutung am wenigsten identifizieren, jedenfalls weniger als mit den Kanälen, Autorität, Typ usw. Am ehesten würde ich mich noch in meinem undefinierten Wurzelzentrum erkennen, denn das bedeutet, daß man selbst relativ entspannt und chillig ist, sowie sein eigenes Tempo hat, und eher von außen unter Druck gesetzt wird, was einen dann aber um so mehr stressen kann. Und das stimmt auf jeden Fall, mal abgesehen davon, daß ich mich auch sehr gut selbst unter Druck setzen kann, allerdings nur solange es mir halbwegs Spaß macht. Wenn es frustrierend wird, höre ich damit wieder auf. Über die KI habe ich mich geärgert, weil die mir immer erzählen wollte, wenn ich erkenne, daß der Druck von außen kommt, dann hätte ich ihn nicht mehr. So ein Quatsch! Die KI hat leider keine Ahnung vom Leben. Ab und zu kann man sicherlich dem Druck ausweichen oder ihn beim anderen lassen, aber ganz so einfach ist es nun doch nicht, wie jeder weiß, der in bestimmte Strukturen eingebunden ist. Als ich noch angestellt war, war das beste Beispiel dafür das magische Datum 31.12., das sich irgendwie jeder ständig als Deadline auserkoren hat, selbst wenn es bis zum 12.1. oder sonst wann im Januar Zeit gehabt hätte. Zum Glück habe ich mit dieser 31.12.-Manie jetzt nicht mehr viel zu tun.
Ich erlebte es tatsächlich sogar einmal, daß mich mein unmittelbarer Chef nach Feierabend in meinem Büro eingeschlossen hat, weil ich eine bestimmte Sache fertig machen sollte, was ich aber nicht wollte. Denn diese Sache hätte definitiv auch noch Zeit bis zum nächsten Tag gehabt. Und ich war in meinem Job dafür bekannt, daß ich zuverlässig bin. Ok, theoretisch hätte ich die Polizei anrufen können und sagen: "Mein Chef hält mich gefangen." Denn sowas ist im Grunde Freiheitsberaubung, wir leben ja nicht mehr in der Leibeigenschaft oder Sklaverei. Oder ich hätte mich weiter weigern können, mich die ganze Nacht über einsperren lassen und in die Büroecke pinkeln können. Dann hätte er aber ebenfalls da bleiben müssen oder spätabends wäre die Reinigungskraft gekommen und hätte mich befreit. Jedenfalls hätte ich ihm die Hölle heiß machen können. Hab ich aber nicht, weil man dann selbst keinen Bock darauf hat, daß es noch mehr eskaliert. Man beißt lieber in den sauren Apfel. Was ich aber in meinem Leben mit undefiniertem Wurzelzentrum gelernt habe, ist, daß Nein-Sagen die beste Art ist, um jemanden kennenzulernen und zu erfahren, ob man mit jemandem etwas zu tun haben möchte oder nicht. Und jetzt brauche ich selbst ein bißchen Denkmalpflege, denn erst als der Maler weg war, stellte ich fest, daß ich einige weiße Farbe abbekommen habe, wie zum Beispiel einen großen weißen Graffiti-Farbfleck am Hals. Keine Ahnung, wie der dorthin gekommen ist. Das ruiniert noch meine antike Substanz.

Keine Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Die Kommentare werden im Tresor gebunkert und bei Gefallen freigeschaltet. ,-)