Meine Smartwatch hat mich heute früh um 8 Uhr aufgeweckt, um mir zum Geburtstag zu gratulieren. Ok, ich hatte zwar 8 Uhr als allgemeines Aufwachziel angegeben, aber die Uhr weiß auch, daß ich erst um 3 Uhr in der Nacht geschlafen habe. Ich glaube, meine Smartwatch ist ein bißchen toxisch. Ein Wecker ist jedenfalls das letzte, was ich mir zum Geburtstag wünsche.
Je näher ich der 60 rücke, was als Kind für mich uralt war, um so lauter wird so eine blöde Nörgelstimme in meinem Kopf, die mir immer sagen will, ich sollte doch nicht mehr wie ein Mädchen gekleidet herumlaufen, ein wenig seriöser werden und das Katzenchichi weglassen. So nach dem Motto, jetzt leg dir schon endlich eine Dauerwelle zu, laß das Spielzeug weg und trage beige. Was sollen andere von dir denken? Bla Bla Blubb...
Und wenn dann diese Stimme herumnörgelt muß ich an das Großmütterchen denken, welches bei einer der Loveparades auf der Straße mitravte - mit einer Sonnenblume im Knopfloch und mindestens achtzig Jahren auf dem Buckel. Und dann sage ich zu meiner inneren Nörgelstimme: Ach halt die Klappe! Das Muttchen gibt es bestimmt nicht mehr, aber sie hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
Wobei ich eh glaube, die kritischste Zeit ist so zwischen 60 und 80, wenn man eindeutig nicht mehr jung, aber auch noch nicht Greis ist. Dann gibt es weiter bestimmte Erwartungen an einen. Aber wenn man erst einmal das Greisenalter erreicht hat, hat man endlich den Jagdschein und kann machen, was man will. Ab da ist es wieder erlaubt, ein bißchen bunt und wunderlich zu sein. Ist halt dann das Alter. Aber vielleicht auch nur, wenn man wie achtzig aussieht. Ansonsten muß man bis neunzig warten. Oder man hört gar nicht erst damit auf.
In letzter Zeit habe häufiger Leute über ihr "hohes" Alter von 41, 45 Jahren usw. reden hören. Ich denke mir sofort: Süß, ich wäre so gerne noch einmal so jung wie mit 45. Da war ich noch knackig. Jedenfalls so halbwegs. Mit 55 fängt dann wirklich alles an zu hängen. Ich habe in diesem Jahr festgestellt, daß ich nun ebenfalls mehr Falten über dem Ellenbogen habe. Da guckt man ja nicht immer hin, aber ich kann mich erinnern, daß ich mich noch mit 47 gewundert hatte, daß eine Mittänzerin im Zumba-Kurs, die ich eigentlich jünger schätzte, viele Falten über dem Ellenbogen hatte. Ich mutmaßte, daß sie vielleicht stark abgenommen hat. Jetzt weiß ich, woher die Falten kommen.
Und extra für meine Nörgelstimme und als kleines Trostpflaster schenkte ich mir ein paar Katzenohrstecker zum Geburtstag. NIMM DAS UND LEBE DAMIT:

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