ThingsGuide

Montag, 7. Mai 2018

Herzen, Delphine

und wenn Kinder um Obst und Gemüse betteln: Im Supermarkt bekommt man die Quengelarien von Kindern ja eher vor dem Eisregal oder den Süßigkeiten mit, wo ich mich selten aufhalte. Heute stand ich vor dem Gemüsestand und sammelte ein paar Stangen Rhabarber ein, als ich schon aus der Ferne das laute Gequengel eines kleinen Mädchens hörte. "Mama, Tomate! Und da Gurke!" Die Mutter lief weiter. "Mama, ich brauche Gemüse und Obst!!!" Die Mutter war nicht begeistert. "Ich möchte Gemüse machen, Mama!" Die Mutter wendet sich mißlaunig irgendwohin. "Mama, ich will Gemüse! Bitte laß uns Gemüse machen! Bitte, Bitte!" Das Mädchen bettelte so herzzerreißend, als würde sie schon seit Wochen an Gemüse darben, was ich mir kaum vorstellen kann, und andere Kinder wären wahrscheinlich froh darüber, wenn sie von Gemüse verschont blieben. Amüsiert linste ich zu dem kleinen Mädchen und fragte mich, was das wohl für ein komisches Kind ist. Auch fiel mir das Mädchen ein, welches ihrer Mutter einmal vehement erklärte, wie gesund Radieschen sind, und ich fragte mich, ob es vielleicht dasselbe sonderbare Kind ist. Aber ich habe nicht auf das Aussehen von Mutter und Tochter geachtet - man will ja nicht zu sehr hinstarren. Deshalb weiß ich nicht, ob ich nur dasselbe Mädchen noch einmal getroffen habe, oder ob es in meinem Umfeld mehrere bei einer Alienentführung ausgetauschte Kinder gibt.

Auf dem Rückweg fand ich dann ein rundes, rotes Herz mitten auf dem Weg, mit einer Klammer hinten dran. Aber es war aus Plastik, deshalb warf ich es wieder weg. Da bekommt der Ausdruck, jemand hat sein Herz verloren, eine ganz profane Bedeutung.

Irgendwie habe ich heute überall Muskelkater und ich weiß gar nicht so richtig, wovon. Samstag habe ich zwar getanzt, aber sehr gemäßigt, da ich von dem vielen Gejumpe früh nach dem Aufstehen die Fersen nicht mehr richtig aufsetzen kann. Wie Arthrose in den Füßen, aber hoffentlich nur überanstrengt. Gestern wollte ich nur lesen und machte so ganz nebenbei ein paar Beinscheren, etwas Stretching, die Liegestütze und außerdem schaffte ich es, eine ganze Minute im Delphin zu bleiben. Und heute tut mir alles weh, als hätte ich stundenlange Workouts betrieben. Scheinbar sehr effektiv, wenn man nur nebenbei ein bißchen was macht. Immerhin habe ich mich bei den Liegestütze von fünf auf zwölf gesteigert und die eine Minute Delphin hat mich ziemlich erstaunt. Beim Delphin erging es mir nämlich so wie vielen anderen, die selbst kein Yoga machen und über die anscheinend so gemütlichen Stellungen nur lächeln. Ich dachte, da nämlich auch, ach, man steht ja nur ein bißchen auf den Unterarmen herum, wie einfach ist das denn. Als ich es dann selbst probierte, war ich sehr entsetzt darüber, daß ich mich kaum ein paar Sekunden auf den Unterarmen halten konnte und es sich alles andere als gemütlich anfühlte. Ich habe den Delphin allerdings nicht regelmäßig geübt und daß ich ihn gestern ganz lässig eine Minute lang abstehen konnte, liegt wohl daran, daß ich durch die Liegestütze und andere Kraftübungen inzwischen tatsächlich mehr Kraft aufgebaut habe.
Auch der Hund ist so eine stark unterschätzte Asana. Wenn man die auf Bildern sieht, steht man halt ein bißchen auf allen Vieren herum, was einfach aussieht. Aber Tatsache ist, daß die meisten Menschen genau dies gar nicht mehr wirklich können, denn die Muskelpartien, die dabei angesprochen werden, nämlich die Hinterseite der Beine und die Vorderseite des Oberkörpers, sind vom vielen Sitzen zu sehr verkürzt. Deshalb ist der Hund so ein supergeniales All-in-one-Kurz-Workout für Vielsitzer, weil dabei alles gleichzeitig gedeht und gekraftigt wird, das sonst zu kurz kommt.

from ❀Tänzerin zwischen den Welten (...oder ein Blumenkind im Asphaltdschungel) https://ift.tt/2HZdB9u

Kommentare:

  1. Ich würde mich freuen, wenn meine Kinder oder Enkel um Gemüse betteln würden beim Einkauf! Naja, hie und da fragen sie nach einem Rezept, beispielsweise wie ich die Tomatensuppe zubereite, die ihnen daheim so geschmeckt hat. Das mit den Süßigkeiten an der Kassa, wenn ich mit dem Enkelkind einkaufe, fange ich mir gar nicht an. An der Kassa erwähne ich sofort, keine Süßigkeiten. Das klappt gut.

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  2. Vielleicht muß man ihnen einfach weniger Gemüse zu essen geben, damit sie anfangen zu betteln. Oder auch nicht und sie bemerken es gar nicht. Und man würde es ja sowieso nicht über das Herz bringen, sie der ungesunden Ernährung zu überlassen. ;-)

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