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Dienstag, 24. März 2020

Alles fast normal

Gestern habe ich mal wieder Brot gebacken - mit einem halben angegammelten Hefewürfel und hartgewordenem Käse, den ich so nicht mehr essen wollte. Im Kühlschrank fand ich ganz versteckt sogar einen weiteren angegammelten Hefewürfel. So lange kein Schimmel drauf ist, kann man den hoffentlich auch noch verwenden. Diese Situation derzeit, in der es schwieriger ist an Brot, Mehl und Hefe zu kommen, wäre ideal, um jetzt weiterhin weniger bis kein Getreide zu essen, wie ich es eigentlich vorhatte. Fertigbrotprodukte kaufe ich sowieso nur sehr selten und ausgewählt, und nur wenn es wirklich frisch ist und ich dann doch mal Hieper z.B. auf ein Käse- oder Honigbrot habe. Man ist nun einmal mit Brot aufgewachsen und sozialisiert worden. Das prägt. Und jetzt, wenn es an Brot und Mehl usw. mangelt, macht mich das vermutlich genau deshalb nervös. Wenn es genug davon zu kaufen gibt, gehe ich meist dran vorbei, aber wenn es nicht der Fall ist, bekomme ich plötzlich Verlangen danach. Vermutlich ist das so ein psychisches Ding, denn Brot gibt irgendwie ein Gefühl von Sicherheit. So lange man noch sein "tägliches Brot" hat, ist alles in Ordnung.

Außerdem habe ich mir gestern schöne Ohrringe angelegt, einfach weil ich mich freue, sie im Spiegel zu sehen. Zum Einkaufen dagegen lege ich nie Ohrringe an. Das ist aber etwas, was ich vorher auch schon so gemacht habe und nichts, was ich jetzt wegen der Krise beginne. Überhaupt erfordert die Situation zur Zeit für mich nicht viel Umstellung. Eigentlich ist alles so wie immer. Nur daß es eben nicht mehr völlig freiwillig ist, das Einkaufen anstrengender, und ich nicht irgendwo zum Tanzen hingehen kann (oder einfach mal ins Kino), sondern wieder ganz alleine tanzen muß. Was würde ich gerade für eine leere Turnhalle geben! Oder ein weiteres leeres Zimmer! Sogar meine Familienpackung Klopapier würde ich dafür hergeben! Vor allem da es bei Youtube das Floorwork vs. Corona Home-Workout gibt. Es ist zwar schon für zu Hause zugeschnitten, doch bei mir fehlt trotzdem der Platz dafür, deshalb kann ich nur hauptsächlich mental mitüben. Ansonsten mache ich nämlich alles das, was unsere Kursleiterin nicht sehen will, z.B. kneife ich die Lippen zusammen, weil ich so hochkonzentriert darauf achte, mir ja nicht die Zehen oder den Kopf irgendwo anzustoßen, oder ich ziehe die Beine nach oben und winkle sie an, von daher hat es gar nicht viel Sinn, weil ich zum einen sowieso keinen richtigen Flow herstellen kann, wenn ich dauernd die Richtung wieder ändern muß, oder aber mir alles so angewöhne, wie es eigentlich nicht aussehen soll. Aber wenigstens kann ich ja senkrecht in meiner Küche tanzen, darüber bin ich wirklich froh, denn Tanzen macht mich fast immer glücklich. Selbst wenn draußen die Welt untergeht. Ich kann leider nichts dafür.


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