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Donnerstag, 10. Juni 2021

In Rot baden.

Und zwar von innen und außen. Meine Diktatursozialisation war eben ein voller Erfolg. Gerade lese ich die Tagebücher und Briefe von Maxie Wander aus dieser Zeit meiner Sozialisation. Darin erfährt man so Dinge, daß es in der Kaufhalle in Berlin-Buch gekörntes Spee und alle erdenklichen Sektsorten gab. Nun ja, dieses Wissen kommt für mich etwas spät. Aber es gibt auch Dinge, die überall und zu jeder Zeit gleich sind, wie diese hier: 

"Und immer deutlicher spüre ich, daß die meisten Menschen ihre ureigensten Probleme und Schwierigkeiten gar nicht sehen, daß sie vollauf damit beschäftigt sind, ihre Kompensationen und ihren Ersatz zu entwickeln, ihre Lebenslüge aufrechtzuerhalten, weil sie nämlich sonst zerbrechen würden."

oder "Nur in der Arbeit kann ein Künstler Realität und Befriedigung finden, denn die alltägliche Welt ist weniger intensiv als die Welt seiner Erfindung, und folglich erscheint sein Leben, wenn er sich nicht in wilde Unordnung stürzt, als nicht sehr wesentlich. Die ergiebigste Situation für ihn ist dann gegeben, wenn ihm die Arbeit nicht nur sehr gelegen kommt, sondern unvermeidlich wird." Dies stammt allerdings von Arthur Miller. 

Die Sommertage sind zur Zeit schön wie schon seit Jahren nicht mehr. Die Sonne ist heiß genug, daß man alles ausziehen kann, aber nicht so, daß einem der Schweiß aus jeder Pore tropft. Und immer ein zärtliches Lüftchen dabei. An zärtliche Lüftchen habe ich mich an meiner Fußsohle zu sehr gewöhnt. Deshalb schleppe ich bereits seit Jahren ein Paar geschlossene Trekking-Sandalen von Geox und kann mich überhaupt nicht von denen trennen, obwohl inzwischen die Sohle mehr oder weniger auseinanderfällt. Ich finde es sensationell, wenn man darin direkt an der Fußsohle so ein kleines Lüftchen spürt. Leider gibt es diese Art von Modell nicht mehr zu kaufen, und die Schuhe von Geox sind nicht anatomisch geformt, deshalb erstand ich ein teures Paar Barfußschuhe aus Wildleder mit anatomischer Form und hauchdünner Sohle. An sich wirklich sehr bequem, aber durch die geschlossene Gummisohle gar nicht luftig, obwohl oben offen, wie mir jetzt enttäuscht auffällt. Also wieder suboptimal. Eine Alternative für "geschlossene Luftigkeit" sind Espandrilles, die selbst mit Gummisohle durch das atmungsaktive Hanfgemisch frisch am Fuß sind und dabei noch relativ flexibel. Am liebsten mag ich sie mit gar keiner Einlage, also mit dem Fuß direkt auf Hanf. Leider sind die aber immer vorne viel zu schmal geschnitten und selbst wenn man sie eingelaufen hat und sie passen, können sich die Zehen nicht richtig "entfalten". Warum gibt es eigentlich keine anatomisch geformten Espandrilles? Kann doch eigentlich nicht so schwer sein, solche Sohlen anatomisch korrekt zu machen. Oder muß ich mir die auch noch selber basteln? Habe tatsächlich Videos gesehen, die zeigen, wie man aus dicker Hanfschnur Sohlen häkelt. Allerdings habe ich bisher nie mehr als Borten gehäkelt und eigentlich keine Lust, mir noch alle Raffinessen des Häkelns beizubringen. Nur die Aussicht auf einen endlich perfekten Schuh könnte mich dazu bringen. 

Rot

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