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Montag, 26. September 2022

Künstlerbedarf-Panikkäufe

In den Supermärkten sieht man ja von Panikkäufen nicht so viel - Brot gibt es wieder und Klopapier ist ausreichend vorhanden, wenn auch nicht meine Sorte. Allerdings bin ich zur Zeit was den Künstlerbedarf betrifft etwas in Sorge und habe Panikkäufe getätigt. Und zwar weil ich in den letzten Monaten verschiedene Produkte und Marken ausgiebig getestet hatte und im Auge behielt, da ich auf der Suche nach Ölpastellen bin, die nicht krümeln. Und wenn man jetzt regelmäßig Produkte vom Künstlerbedarf beobachtet, fällt zum einen auf, daß die oft jede Woche um einen Euro teurer werden - die Panda-Ölpastelle, eine sehr preiswerte Marke, kosteten Anfang des Jahres noch 6 EUR, jetzt 14 EUR, ein einzelner Stabilo Woody ist von 1,25 auf 3,05 EUR, 24 Neopastel Ölpastellkreiden sind von etwas über 40 EUR auf 53 EUR gestiegen. Und noch schlimmer: viele Produkte gibt es gar nicht mehr im Angebot. Ganz besonders bei den Franzosen, Sennelier, herrscht gerade Flaute. Ich weiß nicht, was bei den Franzosen los ist, Strom müßten sie ja eigentlich wieder haben. Die Aussicht, daß renommierte Marken für Künstler ihre Produktion einstellen, weil sie sich das Rühren der Farben nicht mehr leisten können, ist nicht sehr prickelnd, weil ich durch meine viele Testerei inzwischen weiß, daß keine Marke einer anderen gleicht, sowohl in den Farben als auch in der Konsistenz. Hat man erst einmal sein Lieblingsprodukt gefunden, mit welchem man am meisten Freude hat, kann man zwar auf ein ähnliches Produkt einer anderen Marke ausweichen, aber es ist trotzdem nie dasselbe. Eine kleine Abweichung, entweder zu hart, zu weich oder eben krümelnd reicht schon, daß man damit weniger anfangen kann. Bei flüssigen Farben und weiteren Produkten gibt es diese feinen Unterschiede sicherlich auch. Und die Vorlieben sind bei Künstlern wie überall extrem individuell - die einen mögen es hart, die anderen weich, für die einen kann es nie schmutzig und krümelig genug sein, die anderen mögen es lieber sauber usw. usf. 

Nun hatte ich mir ebenfalls drei Sticks von den Caran D'ache Neopastel II einzeln zum Testen gekauft. Die sind zwar nicht Ölpastell, sondern Wachspastell, und ziemlich skeptisch, weil mit den üblichen Wachsstiften im Hinterkopf, war ich doch vom ersten Strich an so begeistert, daß ich den Eindruck hatte, die kommen dem sehr nahe, was ich gesucht habe, denn sie lassen sich weich wie Ölpastell auftragen und verblenden, krümeln kaum und sind zudem noch sehr vielseitig, da außerdem wasserlöslich. Ich war quasi kaufbereit, aber normalerweise lasse ich mir doch ein bißchen Zeit, um die Preise zu beobachten. Und Produkte aus der Schweiz haben ja generell einen stolzen Preis, wie ich auch mal bei einem Käse gemerkt habe. Den packte ich ohne genauer hinzuschauen ein und wunderte mich dann an der Kasse, warum fünf dünne Scheiben Käse 4 EUR kosten und damit teurer sind als echter französischer Weichkäse. Die Schweizer wieder! Eine große Packung Caran D'ache Neopastel II mit 84 Kreiden kriegt man schon jetzt meist nur ab 170 EUR bis hin zu mehr als 190 EUR. Bei einem Kunstversand entdeckte ich sie für knapp 128 EUR, die waren aber schon nach drei Tagen ausverkauft und kein Nachschub in Sicht. Woanders entdeckte ich sie dann noch für 130 EUR und griff reflexartig zu. Es war eindeutig ein Panikkauf, denn nachdem ich so begeistert von denen war, gefiel mir die Vorstellung, sie zu Weihnachten vielleicht nur noch für 200 EUR aufwärts zu bekommen oder gar nicht mehr, überhaupt nicht. Aber in Anbetracht dessen, wie lange ich schon die Pandas und Koh-I-Noors aus meiner Kindheit benutze, die jedoch nur halb so gut sind, war das meiner Meinung nach eine sehr gute Investition in die Zukunft. 

Ebenso vorsorglich für die Zukunft legte ich mir noch einen Vorrat an guten und teuren Skizzenbüchern mit dickem Papier zu, die quasi ebenfalls stündlich im Preis steigen und schon so nicht billig sind. Mir fällt außerdem auf, daß man wohl auch bei Thermostaten zur Zeit schnell zuschlagen sollte, falls man noch welche bekommt, denn alle Thermostate, die ohne WLAN, Apps und anderen Chichi auskommen, sind innerhalb von Wochen ausverkauft. Und leider gab es davon schon vorher kaum noch einfache Modelle, sondern meist nur noch diesen Smart Home-Trullala-Nerd-Kram mit Funk. 

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