In einem Spiegel-Artikel wird unsere heutige Zeit als "Vorkriegszeit" bezeichnet. So weit, so ungut. >>Und die Grünen haben jetzt das Konzept für einen "Freiheitsdienst" für alle bis 67 Jahre vorgelegt. Warum nicht Wehrdienst? Ich finde, gegen den Begriff "Wehrdienst" ist überhaupt nichts einzuwenden, wenn es denn ums Wehren geht. Aber bei "Freiheitsdienst" kommen einem gleich ganz andere Ideen. "Freiheit" ist ja sowieso seit Corona bereits ein mißbrauchter und entwerteter Begriff. Ehrlich, Orwell hätte seinen Roman in der Schublade lassen sollen. Anscheinend fühlen sich zu viele davon inspiriert, die einen an der Waffel haben, und betrachten ihn als eine Gebrauchsanweisung. Wir leben nicht in einer "Vorkriegszeit", sondern in einer "Vordiplomatiezeit".
"Aber siehe da: jedenfalls in dieser Zeitung, und bei den Spießern, bewundert man die Menschenmaschine! Man ist so "objektiv", zu bewundern, wie fein die Maschine Menschen plattquetscht. Und man unterstellt der Menschenmaschine eine - neue Religion à la Islam und verherrlicht sie. Nun, das ist schon nicht mehr Individualismus, sondern eine Mischung von Stupidität und Masochismus.
Man ist den Nazis auf den Leim gegangen. Daß das preußische Exerzierreglement und seine Disziplin das Skelett des Nazismus ist und daß Nazismus im ganzen wieder einmal, neu eingekleidet und auf neue Weise gedrillt, der preußische Militarismus ist, das zu glauben, war manchen Leuten zu einfach....
....Man hat im letzten Krieg den preußischen Militarismus, das heißt seine Kaste nicht zerstört, und hat damit den Hauptzweck des Krieges verfehlt. Man hat den preußischen Militarismus nicht nur leben lassen, sondern eher einem starken Reiz ausgesetzt, jenem, den eine Niederlage ausübt. Auf viele Weise hat dieser Reiz gewirkt. Er hat die Energie der Klasse und ihren kriegerischen Intellekt geschärft (mehr als das Siegesgefühl es konnte). Es gelang den Köpfen dieser Schicht, alles Unglück, das Deutschland traf, auf einen Nenner zu bringen: unverdiente, unverschuldete Niederlage, zu der man eine moralische Entehrung fügte. Es gelang, im Land zu verbreiten, daß Deutschland 1918 überhaupt nicht eigentlich besiegt war. Man überkompensierte das Gefühl der Niederlage durch eine kolossale Größenidee. Diese Idee war im Lande schon lang vorbereitet. Zuerst war es eine reine Niederlagenpsychose, dann entstand die Größenidee zur Kompensation, dann die Bewegung zu einer militärischen Erhebung. Politisch legte diese Bewegung das Gewand des Nazismus an, der dann die wirtschaftlichen Umstände, Krise, Arbeitslosigkeit für sich arbeiten ließ."
Das Zitat stammt aus dem Buch >>"Schicksalsreise. Bericht und Bekenntnis" von Alfred Döblin (bezahlter Link, über den ich eine Provision erhalte). Und anscheinend lebt der preußische Militarismus auch heute noch weiter und hat sich ein nagelneues Gewand zugelegt, nämlich das der "westlichen Werte" und "unserer lupenreinen Demokratie".
Doch jetzt zu angenehmeren Dingen, die aber auch einmal erwähnt werden müssen: Bei Let's Dance übertreffen sie sich in diesem Jahr bei den Eingangsshows. Beim ersten Mal baumelte David Garrett von der Decke und fiedelte, kopfüber sogar, wenn ich mich richtig erinnere, in der zweiten Show gab es Swing, in der dritten Flamenco und bei den Summer Vibes tanzte man Latin. Letzten Freitag hingegen zeigten die Tänzer eine sehr coole Contemporary-Inszenierung. Das war schon fast Tanztheater, nur mit besserer Musik. Ich freue mich jede Woche nicht nur auf "Let's Dance", sondern besonders auf diese Eingangsshows. Meinetwegen dürften sie auch länger sein. Da bekommt man selbst immer gleich Lust, vor dem Fernseher mitzutanzen.
Und außerdem noch die Kostüme vom ersten Charleston in rot-metallic! Ich wünschte, Let's Dance würde einen Shop aufmachen. Dazu muß man wissen, daß ich eine schwere, schwere Schwäche für metallisches Rot habe. Mir kann man in rot-metallic quasi alles andrehen: Toaster, Eierkocher, Bohrmaschinen, Kettensägen, Manschettenknöpfe, Taschenlampen usw. Das Kostüm würde ich sofort kaufen. Es hatte genau das richtige Rot. Jorge war ebenfalls in rot-metallic gekleidet, aber in einer helleren und bräunlicheren Nuance. Das ist dann nicht mehr mein Sucht-Schema.
