Ernstgemeinte Frage: Habt ihr nicht auch manchmal das Gefühl, daß wir schon längst in einer Simulation leben? Laut der Omegapunkt-Theorie reisen wir irgendwann als Emulation durch das Universum bis wir uns mit dem Omegapunkt vereinigen und in der Supersimulation eines Supercomputers ewig leben. So oft, wie ich mich in den letzten Jahren wie im falschen Film fühle, würde ich mich nicht wundern, wenn wir längst in einer Simulation sind. Vielleicht sogar in einer Spielsimulation, in der man als Avatar für einen unsichtbaren Spieler agiert. Wenn man dann noch Reinkarnation für möglich hält und sich vorstellt, daß man quasi für denselben Spieler immer wieder in einer anderen Spielfigur wiederbelebt wird, kann einem schon ein wenig schwindlig werden, sobald man darüber nachdenkt.
Das Buch zur Omegapunkt-Theorie hat einen fetten Anhang, der selbst so dick wie ein Buch ist, in welchem alle relevanten physikalischen Theorien und Modelle im Detail erklärt sind. Ich habe das aber nur überflogen, da sich mir die physikalischen Gleichungen und Denkprozesse komplett entziehen. Zudem hat der Autor im Vorwort zu diesem Anhang gleich gewarnt, daß er selbst zwar in der allgemeinen Relativitätstheorie promoviert hat, aber alles andere auch nur deshalb verstehen kann, weil er es sich mühsam innerhalb von 15 Jahren angeeignet hat. So viel Lebenszeit habe ich nicht, schon gar nicht, wenn ich bereits an der Differentialrechnung gescheitert bin. Es ist aber witzig, daß höhere Mathematik und Astrophysik eine gewisse Faszination auf mich ausüben, ich glaube, das ist die Faszination von etwas, das mir vollkommen fremd und unzugänglich ist. Gerade das reizt mich dann besonders. Nur aus diesem Grund habe ich zum Beispiel überhaupt einen Roman geschrieben, weil ich das immer als eine unvorstellbare Leistung gesehen habe, die ich niemals erbringen könnte. Nun ja, mein Roman ist relativ kurz geworden, aber ich zog es durch. Beim Tanzen geht es mir so ähnlich, bzw. nicht beim Tanzen so sehr an sich, als bei diesem ganzen Stretching-Gedöns. Beim Romanschreiben braucht man halt ausschließlich das Gehirn und zwei Hände, beim Tanzen braucht man noch die träge Masse, die da mit dranhängt und nur die Schneckengeschwindigkeit kennt. Wenn ich trotzdem über Jahre dabeigeblieben bin, dann auch deshalb, weil ich gleichzeitig sofort einen Mehrwert an Lebensqualität gespürt habe, egal ob es nun zum Tanzen reicht oder nicht. Jedenfalls, so wie mit 40 Jahren möchte ich mich nie wieder fühlen. Ich befürchte allerdings, wenn ich jetzt 15 Jahre Physik und Mathematik studieren würde, daß dies so überhaupt keinen Mehrwert für mich hätte. Wahrscheinlich würde ich an dem Punkt, an welchem ich die böhmischen Dörfer entzaubert hätte, denken - boah, und für diesen Schrott habe ich jetzt 15 Jahre vergeudet? *lol* Man muß auch Prioritäten setzen können.
Insbesondere das Gedankenexperiment mit Schrödingers Katze hat es mir schon vor Jahren angetan, wahrscheinlich deshalb, weil man daraus folgern könnte, daß der Beobachter niemals unabhängig ist und sein kann, sondern immer das, was er sieht, seine Realität, mit beeinflußt. Also quasi das, was der Placebo- und Nocebo-Effekt in der Medizin ist, wenn Erwartungen das Ergebnis beeinflussen. (Wobei ich noch nie verstehen konnte, warum man dies in der Medizin als Ärgernis und als störend empfindet, weshalb man es gerne abwertend kommentiert - ich finde es großartig, denn es ist ja ein Beweis für die Macht des Geistes.)
Aus der Wikipedia: "Sofern die Wellenfunktion vor der Messung kein Eigenzustand einer bestimmten Observablen ist, so ist sie eine Superposition aus mehreren Eigenzuständen. Bei einer Messung sind dann verschiedene Messwerte, jeweils mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit möglich. Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten ist dabei immer gleich eins. Im Rahmen der Kopenhagener Interpretation wird nun angenommen, dass die Wellenfunktion nicht unmittelbar das physikalische System beschreibt, sondern vielmehr das unvollständige Wissen über das System. Die Wahrscheinlichkeiten ändern sich dann, indem die Messung auch den Informationsstand des Beobachters ändert. Bei einer Messung geht die Wellenfunktion also von einer Superposition aus Eigenfunktionen instantan auf die gemessene Eigenfunktion über. Diese spontane Änderung der Wellenfunktion wird als Kollaps der Wellenfunktion bezeichnet und so gedeutet, dass sich dabei nur der Informationsmangel des Beobachters ändert."
In den Erklärungen zur Quantenmechanik im Buch wiederum heißt es, daß drei Annahmen zu diesem Experiment uns die Vielwelten-Interpretation aufzwingen:
"(1) Alle Systeme - einschließlich des Systems "Mensch" - sind Quantensysteme.
(2) Jede Zeitentwicklung ist gemäß der Schrödinger-Gleichung linear.
(3) Alle Meßgeräte arbeiten, wie sie sollen. Wenn die Katze zum Beispiel tot ist (in einem Eigenzustand des "Totseins"), dann muß jedes korrekt arbeitende Meßgerät aussagen, daß sie tot ist. Vor allem dann, wenn die Menschen die Meßgeräte sind, müssen alle "korrekt funktionierenden" Menschen erkennen, daß die Katze tot ist, wenn dies wirklich der Fall ist. (Alle nicht korrekt funktionierenden Menschen werden in die Irrenanstalt gebracht.)"
Wenn man von diesen Annahmen ausgeht, dann ist man also sowohl ein "Meßgerät", welches die Realität im jetzigen Moment hoffentlich richtig wahrnimmt, aber gleichzeitig beeinflußt man mit seinen Erwartungen die Zukunft des Systems, wobei die Stärke des Einflusses auf das persönliche System vermutlich höher ist, als der Einfluß auf das kollektive System. Ich stelle mir das so vor, daß sich unterschiedliche Erwartungen der "Meßgeräte" sozusagen neutralisieren. Dabei muß man aber noch nicht einmal viele Welten bemühen, in denen jeweils andere Quantenzustände herrschen. Was wäre, wenn in den Teilchen einfach die Summe aller möglichen Zustände sozusagen bereits gespeichert ist und durch den äußeren Einfluß aufgrund von Wissen, Information und Erwartung sich jeweils der entsprechende Zustand manifestiert? Vielleicht ist dieser mysteriöse "Kollaps der Wellenfunktion", also wenn sich Teilchen nicht mehr wie eine Welle verhalten, sondern wie Teilchen, genau dieser Moment des Manifestierens? D.h. wenn Licht als Welle fungiert, ist es quasi Vermittler und Reservoir von allen Zuständen und Informationen, wenn es dagegen als Teilchen erklärt werden kann, geschieht das meist in Interaktion mit Materie und ist genau das: Materialisation??? In dem Buch wird die Wellenfunktion der Teilchen ja mit dem Heiligen Geist gleichgesetzt und wenn der Heilige Geist der Vermittler alles Wissens und Information ist, sowohl über die Gegenwart als auch die Zukunft, würde das doch irgendwie passen. Allerdings würde dann die Omegapunkt-Theorie nicht mehr funktionieren, in welcher der Omegapunkt (Gott) nur alle Informationen aus der Vergangenheit und Gegenwart besitzt und diese speichert, aber nicht die Informationen der Zukunft hat.
Immerhin kommt der Autor selbst noch auf die Idee, daß man vielleicht nicht alle Überlieferungen der Religionen wörtlich nehmen muß:
"Ich habe die Theologie nicht nur als reine Naturwissenschaft behandelt, sondern auch die Gründe dafür angeführt, daß sie eine Naturwissenschaft ist, nämlich ein Nebenzweig der Astronomie. Die Wissenschaft aber beruht auf der Vernunft und nur auf der Vernunft. Sie braucht keine Offenbarung, in keiner Art, Form oder Gestalt. Folglich muß jeder theologische Wahrheitsanspruch, der sich auf eine Offenbarung beruft, mit Vorbehalt aufgenommen werden.
Mahatma Gandhi, der Begründer des modernen Indien, formulierte eine ähnlich skeptische Auffassung von Offenbarungsreligionen in seinem Buch All Religions Are True: "Ich glaube zwar, daß die Hauptbücher [der großen Weltreligionen] inspiriert sind, doch sie leiden unter einem zweifachen Destillationsprozeß. Zuerst gehen sie durch den Mund eines menschlichen Propheten; dann durch die Kommentare der Interpreten. Nichts darin kommt direkt von Gott... Allein Gott ist unveränderlich; und da Seine Botschaft durch das unvollkommene menschliche Medium weitergegeben wird, ist sie - je nach der Reinheit des Mediums - mehr oder weniger anfällig für Entstellungen."
Noch ein drittes Problem wirft ein angeblich "von Gott inspiriertes" Buch auf. Die Hauptbücher der großen Weltreligionen sind alle über tausend Jahre alt. In tausend Jahren ist viel geschehen, Wissenschaft, Kultur, Gesellschaft haben sich seit der Entstehung der Bücher extrem verändert. Als das Neue Testament geschrieben wurde, galt die Erde als Mittelpunkt des Universums; mittlerweile wissen wir, daß sie der drittnächste Planet zur Sonne ist...
Selbst wenn ein Buch tatsächlich von Gott inspiriert wäre, enthielte es zwangsläufig auch Aussagen, die von den meisten, die an das Buch glauben, zum einen oder anderen Zeitpunkt der Geschichte falsch interpretiert würden. Das heißt nicht, daß Gott Grenzen hat: Der Mensch hat sie. Das einzige Buch, das unter solchen Beschränkungen nicht leidet, ist das Buch der Natur, das einzige, das Gott eigenhändig, ohne menschliche Hilfe geschrieben hat. Das Buch der Natur ist frei von den Beschränkungen des menschlichen Verstandes."
(aus >>"Die Physik der Unsterblichkeit: Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten" von Frank J. Tipler - bezahlter Link)
(Und meinen halbgenerierten Nonsens-Text >>"Wie ich Schrödingers verfluchte Katze adoptierte" mag ich immer noch gerne.)